Vor Ort · In der Familie

Lobpreis an der Aldi-Kasse

Wie kann die Familie ein Ort der Glaubensweitergabe sein? Eine junge Mama, ein Papa und ein Jugendlicher gaben bei der Missionarischen Woche in der Pfarreiengemeinschaft Bad Wörishofen Zeugnis.

von Simone Zwikirsch · 03.03.2020

Podiumsgespräch bei der Missionarischen Woche in Bad Wörishofen (v.l. Moderator Johannes Steber, Martina Dullnig, Alex Barth, Tobias Heigl). Foto: Simone Zwikirsch

Alex Barth (47): Glaube in der Familie vorleben und erleben

„Ich habe eine Berufung. Diese Berufung ist Familienvater zu sein und die ist mir heilig“, sagte Alex Barth gestern Abend beim Podiumsgespräch der Missionarischen Woche in Bad Wörishofen. Dass man den Landsberger Unternehmer und Vierfachpapa bei einer Abendveranstaltung wie dieser antrifft, kommt eher selten vor. „Wenn ich abends mal nicht daheim bin und meinen Kindern eine Geschichte vorlese oder das Abendgebet mit ihnen spreche, muss ich ihnen erklären, warum ich nicht da bin. Und das mach ich nicht so gerne“, gestand er vor den rund 90 Gästen, die zum Podiumsgespräch gekommen waren.

Erziehung bedeute für den 47-Jährigen, den Kindern geistliche Erfahrungen zu ermöglichen. Dafür gebe es für ihn zwei Wege: das Vorleben und das Erleben. „Den Glauben vorleben heißt für mich zum Beispiel, meine Kinder um Entschuldigung zu bitten, wenn ich Fehler gemacht habe.“ Darüber hinaus sei es ihm wichtig, den Glauben für seine Kinder als etwas Normales erlebbar zu machen, egal wann und wo. „Wenn wir im Urlaub sind, gehen wir immer in die Kirche am Sonntag. Und wir beten auch im Restaurant das Tischgebet“.

Um den Glauben erlebbar zu machen, zeige er seinen Kindern Orte und Möglichkeiten, Jesus kennenzulernen. „Wir leben hier in einer Luxus-Diözese, wo es so viele Angebote gibt.“ Beispiele dafür seien die Mehr-Konferenz oder die Family-Prayerfestivals der Jugend 2000, wo man auf viele andere Familien treffe und gemeinsam den Glauben feiere. „Wenn wir von einer solchen Veranstaltung nach Hause kommen, hüpfen die Kleinen tagelang durch die Wohnung und singen Lobpreislieder – das ist total stark“, berichtete Alex begeistert und mit einem dicken Grinsen im Gesicht.

Alexander Barth, Unternehmer und vierfacher Familienvater aus Landsberg. Foto: Simone Zwikirsch

Martina Dullnig (33): Gebetszeiten mit den Kindern im Alltag

Lobpreislieder gehören auch zu Martina Dullnigs Familienalltag. Da komme es schon auch hin und wieder vor, dass ihre beiden Kinder an der Aldi-Kasse „Jesus, du bist mein Herr“ singen. Für die 33-jährige Mama aus Rosenheim ist das Ausdruck und Zeugnis lebendigen Glaubens, den sie ihren Kindern vermittele. Einerseits in der Familie, aber auch bei der von ihr mitbegründeten Gebetsinitiative „Pray and Play“.

Dieser „Mamigebetskreis“ ist aus einer Situation entstanden, die wohl alle Mütter kennen: „Mit kleinen Kindern ist es fast unmöglich,  Gebets- oder Lobpreisabende zu besuchen. Deshalb haben wir in Kufstein – dort hatte ich meinen Gebetskreis – angefangen, uns mit unseren Babys am  Nachmittag zu treffen, um zu beten, Lobpreis zu machen und uns auszutauschen“, erzählt sie. Was als Gebetszeit zweier Mamas begann, sei schnell gewachsen und inzwischen kommen rund 20 Mütter mit ihren Kindern zu „Pray and Play“. Und weil die Kinder immer größer werden, habe das Team das Angebot ausgebaut. „Wir beginnen den Nachmittag gemeinsam mit einer Lobpreiszeit. Danach teilen wir uns auf: Gebetszeit und Austausch für die Mamas, Kinderkatechese für die Kinder.“

Um die ganze Familie, also auch die Papas, mit ins Boot zu holen, gibt es in Kufstein seit einiger Zeit auch die Familiensonntage. Das sind Gottesdienste, die in ihrer Gestaltung auf Familien mit kleinen Kindern ausgelegt sind. „Es gibt im hinteren Teil der Kirche eine Spieleecke und parallel zum Wortgottesdienst findet für die Kids eine Kinderkirche statt.“ Martina findet es wichtig, das Evangelium schon früh zu vermitteln. Sie ist davon überzeug, dass man Kindern vieles zutrauen und zumuten kann. So auch die Grundgebete oder den Rosenkranz. „Unsere Kinder fordern das auch ein. So werden wir selbst als Eltern auch immer wieder daran erinnert, unsere Gebetszeiten regelmäßig einzuhalten.“

Martina Dullnig, Mama von zwei Kindern aus Rosenheim. Foto: Simone Zwikirsch

Tobias Heigl (18): Jesus kennenlernen und ihm im Alltag Raum geben

Das kann auch Tobias Heigl bestätigen. Für den 18-jährigen waren es genau diese christlichen Familien- und Gemeinschaftserfahrungen, die ihn in seinem Glaubensleben bestärkten. Der Abiturient wuchs in einer katholischen Familie auf und verbrachte in seiner Kindheit und Jugend viele Wochenenden bei verschiedenen geistlichen Gemeinschaften. „Seit ich denken kann war das so und das war das Normalste auf der Welt für mich.“ Im Laufe der Pubertät entwickelte Tobias den von der Familie weitergegebenen Glauben zu einem eigenen Glauben. „Als ich älter wurde, sind meine Eltern langsam zurückgefahren und haben mich selbstständiger glauben lassen. Die festen Gebetszeiten sind weniger geworden und mir war freigestellt, ob ich am Sonntag in die Kirche gehen wollte“. Und trotzdem hat Tobias gespürt, „dass ich Jesus brauch’ und es mega mega cool ist, wenn ich mit ihm als meinem besten Freund so leben kann.“

Um auch anderen dabei zu helfen, Jesus kennenzulernen, ist Tobi in Kempten bei Jugend-Alpha aktiv. Nachdem er selbst mehrere Alphakurse durchlaufen hatte und ihm das irgendwann zu langweilig wurde, kam er mit seinem Team auf die Idee, die Alphakurs-Serie zu erweitern. „Weil so viele Jugendliche da waren, die jede Woche Bock auf Alpha hatten und wollten, dass es weitergeht, haben wir Alpha Style entwickelt.“ Alpha Style funktioniere nach dem gleichen Konzept wie die herkömmlichen Alphakurse, nur mit neuen, für Jugendliche relevanten Themen. „Wir haben zum Beispiel eine Einheit über Christsein im Alltag, aber auch Glaube und Wissenschaft, Sexualität, Alkohol und Drogen sind Themen, die bei Alpha Style vorkommen.“  Zu diesen Filmen hat das neue Team Filme und Vorträge recherchiert und auch eigene Vorträge konzipiert. Und um neue Jugendliche anzusprechen, macht das Team gezielt Werbung in Schulen oder steht auch mal vor dem Einkaufszentrum in der Kemptener Fußgängerzone.

Tobias Heigl, Abiturient aus Kempten. Foto: Simone Zwikirsch