Thema · Mit Familie im Gottesdienst
Wie gelingt es, dass Kinder mit Freude zur Messe gehen?
von Kevin Fischer · 28.07.2026
Wie führt man Kinder zur Freude an der Messe und vermittelt ihnen gleichzeitig Ehrfurcht? Wie gelingt diese Balance?
Monika: Ein wesentlicher Punkt ist die Schönheit der Liturgie. Wir haben darauf geachtet, Kirchen zu besuchen, in denen die Messe besonders ehrfürchtig und schön gefeiert wird. Papst Benedikt sprach vom „Glanz der Wahrheit“. Diese ästhetische Erfahrung macht etwas mit Kindern. Wenn die Liturgie nur „Larifari“ oder künstlich auf „Liebe, Freude, Eierkuchen“ gemacht ist, erreicht das die Kinder oft nicht.
Zudem hilft es, die Messe mit positiven Erlebnissen zu verknüpfen. Bei uns gab es nach der Messe traditionell immer zwei Bonbons für jedes Kind, eine äußere Belohnung, auf die sie sich freuen konnten. Auch die Beichte haben wir mit etwas Schönem, wie einem Eisessen im Sommer oder Schokolade, verbunden.
Ist es für Eltern überhaupt möglich, die Einstellung ihrer Kinder zur heiligen Messe aktiv zu beeinflussen, oder liegt das außerhalb ihrer Kontrolle?
Monika: Man muss sich von vornherein bewusst machen, dass man die Erziehung nicht allein in der Hand hat. Kinder sind eigene Persönlichkeiten, die sich irgendwann selbst entscheiden. Dennoch können Eltern viel dazu beitragen und positive Impulse setzen, auch wenn es keine Garantie für das Ergebnis gibt.
Welche Rolle spielt die Gemeinschaft für die Kinder?
Monika: Eine gute Gemeinde ist sehr wichtig. Bei uns in St. Margaret sind viele andere Kinder, was unsere Jüngste sehr motiviert, weil sie dort Freunde trifft und nach der Messe mit ihnen spielen kann. Der Austausch zwischen den Familien nach dem Gottesdienst schafft Bindungen und zeigt den Kindern, dass der Glaube aus Überzeugung gelebt wird und nicht nur aus bloßer Tradition.
Wie sieht eine kindgerechte Katechese im Alltag aus?
Monika: Wir haben schon beim Sonntagsfrühstück sogenannte Sonntagsblätter vorgelesen. Das waren DIN-A4-Blätter mit dem Evangelium, Ausmalbildern und Rätseln. So konnten die Kinder aktiv sein und sich mit dem Text beschäftigen, bevor sie ihn in der Kirche hörten. Es ist wichtig, den Kindern auf ihre Fragen einfache, aber ehrliche Antworten zu geben. Man muss kein Theologe sein. Oft reichen gute Bilder oder Vergleiche aus. Kinder saugen die Atmosphäre und die Bilder in der Kirche auf, auch wenn sie die theologischen Details noch nicht verstehen.
Welchen Einfluss hat das elterliche Vorbild?
Monika: Unser elterliches Vorbild ist entscheidend: Man sollte selbst gerne in die Messe gehen. Auch interessant ist, dass der Vater eine besondere Rolle spielt. Wenn der Vater als Leitfigur im Glauben vorangeht, hat das oft eine stärkere Wirkung auf die Kinder, als wenn es nur die Mutter tut. Meine Söhne fanden es zudem toll, als Ministranten aktiv am Altar mitzuwirken, anstatt nur in der Bank zu sitzen. Das hat ihr Verständnis der Messe vertieft.
Wie stehst du zur Gestaltung des Kirchenraums und zum Verhalten der Kinder während des Gottesdienstes?
Monika: Kinder haben ein natürliches Gespür für das Sakrale. Die Liturgie selbst vermittelt oft mehr Ehrfurcht, als Eltern durch Worte erklären könnten. Was das Verhalten betrifft: Ich halte nichts davon, Kinder während der Messe mit Essen oder Trinken zu beschäftigen. Sie sollen lernen, dass die Kirche ein „anderer Raum“ ist, in dem man sich anders verhält als beispielsweise auf dem Spielplatz. Eine Stunde ohne Essen auszuhalten, ist für Kinder zumutbar und fördert das Bewusstsein für die Besonderheit des Ortes.
Gab es Widerstände? Beispielsweise in der Pubertät?
Monika: Natürlich gibt es Phasen wie die Pubertät, in denen Kinder Dinge hinterfragen oder Abstand brauchen. Aber durch die über Jahre geschaffene Grundlage und Gewohnheit bleibt der Sonntagsbesuch bei uns ein fester Bestandteil. Einer meiner Söhne geht manchmal sogar „mir zuliebe“ mit, was ich auch als eine Form von Liebe und Respekt wertschätze. Letztlich geht es darum, zu vermitteln: Es gibt nichts Schöneres, als Gott diese Zeit zu schenken, weil er es wert ist.