Thema · Pastorenehepaar Hauffe im Credo-Interview
von Samuel Bittner · 09.07.2026
Flo Hauffe: Wir sind inzwischen seit neun Jahren verheiratet. Wir haben uns in den USA (bei einer Bibelschule) kennengelernt. Wir sind dann zurück nach Deutschland gegangen. Ich habe Theologie studiert, Sarah Design. In dieser Zeit waren regelmäßig viele nichtchristliche Studienfreunde von Sarah bei uns zu Gast, die so hungrig nach Glauben und Spiritualität, aber gleichzeitig innerlich sehr zerbrochen waren.
Nachdem ich vier Jahre in einer Freien evangelischen Gemeinde als Jugendpastor gearbeitet habe, haben wir den Ruf von Gott verspürt eine Gemeinde zu gründen. Wir haben so ein Herz dafür, dass genau diese Menschen Jesus kennenlernen.
Flo: Grundvoraussetzung für eine glückliche Ehe ist erstmal der gemeinsame Glaube und die gemeinsamen Werte. Ich sag immer frisch verheirateten Paaren, dass sie ein gemeinsames Hobby brauchen, was über das Romantische hinausgeht. Dadurch hat man eine Freundschaft die trägt, gerade wenn Phasen kommen, wo man nicht so sehr ineinander verliebt ist. Wir connecten bspw. total durch Sport.
Sarah: Wir haben viel geistliche Begleitung und Therapie in Anspruch genommen, zusammen und getrennt in verschiedenen Rhythmen. Dadurch konnten wir sehr an unserer Kommunikation und Konfliktlösung arbeiten.
Sarah: Wir waren in unserem Freundeskreis die ersten, die versucht haben Kinder zu bekommen. Die Zeit, nachdem wir die Diagnose von den Ärzten kommen haben und unsere Freunde nach und nach ihre Schwangerschaften angekündigt haben, war wirklich tough. Ich weiß nicht wie viele Babypartys ich selbst für Freunde organisiert habe, immer in dem Wissen, dass ich, wenn Gott nicht ein Wunder tut, keine Kinder bekommen werde.
Dass Freunde Kinder bekommen ist das schönste Geschenk und gleichzeitig schmerzhaft. Für mich war es wichtig die Kinderlosigkeit vor Gott zu betrauern. Ich glaube man muss durch diesen Schmerz durch und irgendwie mit Gott an den Punkt kommen, wo man sagt: „Gott, ich verstehe nicht, warum du es nicht veränderst, aber ich will dir vertrauen, dass du es gut mit mir meinst und einen besseren Plan für mein Leben hast.“
Flo: Wir wollten nie, dass die Leute uns nicht davon erzählen. Wir möchten uns mit den Paaren freuen und wollen nicht, dass die Kinderlosigkeit uns auf dieser Ebene noch mehr nimmt, als sie uns ohnehin schon nimmt. Was ich gemerkt habe ist, dass unser Glaube trägt. Ich habe mich krisenfest gefühlt, aber nicht, weil ich so toll bin, sondern weil wir dieses Fundament unserer Ehe haben, wo Jesus im Zentrum steht.
Mir persönlich hilft der Gedanke von Friedegard Warkentin Gott nicht die Frage nach dem Warum, sondern die Frage nach dem Wofür zu stellen. Ich bin nicht der super emphatischste Typ. Ich merke schon, dass diese Erfahrung mein Herz weicher macht für die Lebensgeschichten anderer Menschen. Gestern hatten wir Kleingruppe mit Pax und da hat jemand etwas Schreckliches erzählt. Ich habe das Gefühl, ich kann mehr sagen als „Hey, das wird schon wieder, Kopf hoch!“ Da kann Gott durch mich auf einer Herzensebene anderen Menschen Hoffnung machen.
Sarah: Jedes Paar geht damit unterschiedlich um. Ich würde niemals unsere Erfahrung auf andere Paare überstülpen wollen. Für mich ist es so, dass es zwei Möglichkeiten gibt. Entweder führt die Leideserfahrung einen von Gott eher weg oder man kennt ihn danach tiefer als je zuvor. Da braucht es unsere Entscheidung den negativen Gedanken keinen Raum zu geben, sondern stattdessen zu vertrauen, dass die Erfahrung zu etwas Gutem führen wird. Ich kann nach drei Jahren sagen: Das passiert wirklich! Ich bin glaube ich fröhlicher als davor, habe mehr Leichtigkeit, weil Gott an mir drangeblieben ist, ich mich aber auch entschieden habe an ihm dranzubleiben. Das ist nicht immer einfach.
Ein Schlüssel, um an Gott dran zu bleiben, ist Dankbarkeit. Wir haben so viele Dinge in unserem Leben, die wirklich gut sind. Selbst wenn dir da gar nichts einfällt, dann gilt immer noch, dass Jesus für dich aus Liebe am Kreuz gestorben ist. Durch Dankbarkeit kann Gott uns mit seiner Freude und seinem Frieden erfüllen.
Flo: Obwohl es sich nicht so anfühlt, ist es auch wahr, dass Kinder einen im Letzten nicht glücklich machen. Das tiefe Glück, die tiefe Freude, die Bestand hat und unabhängig vom Außen ist, ist nur in Jesus zu finden.