Vor Ort · Frag den Bischof

Warum lässt Gott Leid zu?

Wie kann ein guter Gott das Leid auf der Welt zulassen? Mit dieser Frage beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse des Maria-Ward-Gymnasiums im Religionsunterricht. Diese Fragen stellen Madita und Hannah Weihbischof Wörner aus dem Bistum Augsburg bei „Frag den Bischof”.

von Raphael Schadt · 27.06.2025

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Hannah: Wie würden Sie die Theodizee-Frage erklären?

Weihbischof Florian Wörner: Zunächst einmal stellt sich die Theodizee-Frage vor allem für Menschen, die an einen Gott glauben, der die Liebe ist. Und wir Christen glauben an genau diesen Gott – einen Gott, der uns seine Liebe durch Jesus Christus gezeigt hat. Gleichzeitig gibt es aber das Böse in der Welt. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Wie kann Gott das zulassen? Wie kann es einen liebenden Gott geben und dennoch so viel Leid, Böses und Übles, unter dem wir leiden?

Madita: Haben Sie eine Antwort darauf?

Wörner: Für mich steht zunächst fest: Gott ist gut. Er liebt uns und möchte nicht, dass es uns schlecht geht. Das Böse an sich hat unterschiedliche Ursachen. Es gibt das moralisch Böse, das von uns Menschen verursacht wird, wo wir unsere von Gott gegebene Freiheit missbrauchen. Aber es gibt auch das Übel, für das wir nichts können, wie bspw. Naturkatastrophen, Krankheiten… Das ist schwer zu erklären. Doch manchmal kann gerade eine Krankheit dazu führen, dass Menschen zur Ruhe kommen, anfangen, tiefer zu denken und ihr Leben verändern, sodass es besser wird, als es vorher war.

Hannah: Wie hilft Ihnen persönlich der Glaube im Leid?

Wörner: Mir hilft der Glaube durch das Wissen, dass das Leid nicht sinnlos ist und es auch wieder ein Ende haben wird. Zudem bin ich im Herzen davon überzeugt, dass Gott sich um mich kümmert und zu mir steht. Im Römerbrief gibt es diesen schönen Satz: Diejenigen, die glauben, wissen, dass Gott alles zum Guten führt. Darauf vertraue ich. Und umgekehrt: Jesus hat auch für mich gelitten. Wir glauben an einen Gott, der nicht am Leid vorbeigeht, sondern es selbst durchlebt hat – bis hin zum Kreuzestod. Dadurch ist das Licht der Liebe Gottes in die Dunkelheit des Leidens gedrungen. Seitdem kann es auch einen Sinn haben.

Wie viele Heilige kann man sogar so weit gehen, das eigene Kreuz aus Liebe zu Jesus anzunehmen und zu tragen – in der Hoffnung, dass daraus etwas Gutes entsteht. Ein geistlicher Lehrer hat mal gesagt: „Trägst du dein Kreuz gern, dann trägt es dich.“ Leid kann immer auch eine Chance sein, im Glauben zu wachsen.

Madita: Was wäre ihr persönlicher Rat für Menschen, die aktuell durch eine schwere Krise gehen?

Wörner: Ich glaube, es ist sehr wichtig, Menschen um sich zu haben, mit denen man offen sprechen kann. Darüber hinaus würde ich versuchen, bewusst in die Dankbarkeit zu gehen. Es gibt so viele Gründe, dankbar zu sein. Wer dankt, beginnt oft, zufriedener zu werden. Ich denke da an Menschen, die trotz schwerer Krankheit voller Dankbarkeit für ihr Leben und im festen Vertrauen auf Jesus gesagt haben: „Ich will es jetzt mit dir tragen. Ich weiß, du bist bei mir. Ich weiß, du liebst mich. Und ich halte an dem fest, was Paulus gesagt hat: Du wirst alles zum Guten führen.“ Gott ist da. Er lässt uns nicht allein. Er begleitet mich. Ich kann auf ihn hoffen – und nicht tiefer fallen als in seine Arme. Das gibt mir unglaublich viel Kraft.

Credo: Danke für das Gespräch!