Thema · Pfarrer Rimmel über die Parallelen von Fußball und Glauben

Fußballekstase auch im Gottesdienst?

Pfarrer Reinfried Rimmel, Leiter der Abteilung Evangelisierung des Bistums Augsburg, ist so begeistert vom Fußball, dass er darüber sogar in seinen Predigten spricht. Im Kontext der WM-2026 hat er einen Credo-Gastbeitrag über die Parallelen von Fußball und katholischem Glauben geschrieben.

von Pfarrer Reinfried Rimmel · 01.07.2026

Pfarrer Reinfried Rimmel baut regelmäßig Fußball in seine Predigten ein. Foto: Eva Fock.

Fußballfan von Anfang an

Fußball lebt von der Stimmung und den Emotionen. Menschen springen auf, singen, pfeifen, buhen aus … Wenn ein Tor fällt, herrscht grenzenloser Jubel; bei einer Niederlage jedoch können auch Tränen fließen. Wenn ich ins Stadion gehe oder mir jetzt bei der WM ein Spiel anschaue, bin ich davon beeindruckt.

Dieser Sport hat mich schon immer fasziniert: Man braucht nicht viel – auf jedem Pausenhof der Welt kann man spielen. Fußball verbindet und schenkt echte Glücksmomente. Zudem gibt es zwischen Fußball, dem Leben und dem Glauben etliche Verbindungslinien. Gerne baue ich als Pfarrer Beispiele aus dieser Welt in Predigten ein.

Die Ähnlichkeiten zu Liturgie / Gottesdiensten

Ähnlichkeiten zu liturgischen Abläufen bzw. Gottesdiensten sind unverkennbar: Es gibt klare Abläufe und Rituale. Fans ziehen prozessionshaft ins Stadion. Alle erheben sich, wenn die Mannschaften aufs Feld kommen. Gemeinsame Gesänge und Rufe verbinden die Anwesenden. Trikots zeigen die Zugehörigkeit zu einem Team oder eine bestimmte Aufgabe. Fußballstadien werden auch als „Kathedralen der Moderne“ bezeichnet.

Berufung – Jeder hat seine Position

Außerdem gibt der Trainer einer Mannschaft Tipps, bestimmt die Taktik und motiviert. Eine wesentliche Aufgabe besteht darin, die Spieler gemäß ihren Talenten und Fähigkeiten an die richtige Position zu setzen. Jeder Mensch hat von Gott Talente geschenkt bekommen, er wird an seinem Platz gebraucht.

Der heilige John Henry Newman schreibt: „Gott hat mich erschaffen. Er hat ein bestimmtes Werk mir übertragen und keinem andern. Ich habe meine Aufgabe, meine Mission. Irgendwie bin ich zur Ausführung seiner Pläne nötig; ich bin an meinem Platz so nötig wie ein Erzengel am seinigen.“ Wie wertvoll, wenn wir unseren Platz bzw. unsere Berufung in dieser Welt immer tiefer erkennen und leben.

Einheit auf dem Spielfeld Erde

Sehr wichtig sind vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Spaltungen das Gemeinschaftsgefühl, der Teamgeist bzw. die soziale Funktion des Fußballs. Das gemeinsame Ziel schweißt ein Team zusammen, Fans sind über Grenzen hinweg verbunden.

Kürzlich sagte Papst Leo XIV.: „Fußball erinnert uns an etwas, das wir nicht vergessen dürfen: Das Leben ist kein Wettlauf, um sich allein zu profilieren, sondern ein Weg, den wir gemeinsam gehen lernen. Wer den Ball nicht passen kann, hat das Spiel noch nicht verstanden. Und wer nicht mit anderen und für andere leben kann, hat das Leben noch nicht verstanden.“

Der Sport zeigt einen wesentlichen Aspekt des Lebens und Glaubens: Was kann man nicht alles erreichen, wenn man an einem Strang zieht?!

Christen verbinden diese Tatsache mit den Worten Jesu aus dem Abendmahlssaal: „Alle sollen eins sein“ (Joh 17,21). Einheit ist der Plan des himmlischen Vaters, der Wunsch Jesu Christi und das Werk des Heiligen Geistes. Wenn schon ein Verein viele unterschiedliche Menschen zusammenhalten kann, wie viel mehr ist es der Wunsch des Herrn. Einheit unter den Christen ist ein Weg und Mittel der Verkündigung. Es ist unser Auftrag, im Blick auf den Willen Jesu, die Einheit zu suchen und dafür zu beten.

 

Ein seltener Glücksmoment - für die deutschen Fußballfans gab es auch bei dieser WM nur wenige Siege zu bejubeln. Foto: kzenon @AdobeStock

Freude bei Sieg und Niederlage

In jedem Spiel ein besonderer Moment – es fällt ein Tor! „Normale“ Menschen flippen aus, Fans umarmen sich, pure Freude und Begeisterung sind zu spüren. Manchmal denke ich im Stadion: Wenn wir nur einen Teil davon in der Kirche erfahren würden. Es geht nicht darum, in der Liturgie äußerlich auszuflippen. Man dürfte uns Christen jedoch mehr ansehen, dass wir an eine frohe Botschaft glauben.

Diese Botschaft der Hoffnung trägt auch bei Gegentoren und in Niederlagen. Denn Jesus selbst ist hinabgestiegen in die größte Finsternis. In den Augen der Welt hat er am Kreuz verloren. Er hat aber Tod und Sünde besiegt und ist auferstanden. Die Freude des Ostermorgens kann nichts toppen. Von Dietrich Bonhoeffer stammen die Worte: „Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.“

Fans rufen gerne: „Steht auf, wenn ihr (zu unserem Verein gehört)“. Im Auf und Ab des Lebens dürfen wir mit Gottes Gnade immer wieder hoffnungsvoll aufstehen , denn wir gehören zum Herrn. Er ist der Sieger!