Thema · Interview mit Markus Hegewald vor der Priesterweihe
Berufen zur Freude
von Samuel Bittner · 24.06.2026
Credo: Markus, überwiegt aktuell die Anspannung oder die Vorfreude?
Markus Hegewald: Gute Frage! Beides ist da. Die Vorfreude auf die Priesterweihe, auf die ich mich schon so lange vorbereitet habe und die jetzt endlich kommt. Und natürlich ist auch die Anspannung da, weil es ja ein großes Fest ist und ich vieles im Hintergrund mit den Leuten vor Ort organisiert habe.
Credo: Erst wolltest du Pastoralreferent werden. Warum dann doch Priester?
Hegewald: Die Frage, Priester werden zu wollen war bei mir immer schon da. Genauso aber auch die Frage, ob ich eine Familie gründen soll. So habe ich zuerst als Laientheologe und Pastoralreferent gearbeitet, aber dann gemerkt, dass die Priesterfrage nicht weg ist.
2023 habe ich mich entschieden dieser Frage nachzugehen und bin ins Priesterseminar eingetreten. Schließlich bin während des Pastoralkurses zum Diakon geweiht worden und stehe nun kurz vor der Priesterweihe. Ich bin sehr froh, dass ich mit der Frage, die mich ein halbes Leben lang begleitet hat, auf der Zielgeraden bin.
Credo: Wir starten bei Credo bald in ein neues Thema „Freude, die von innen kommt“. Wie findet man diese innere Freude?
Hegewald: Für mich ist die innere Freude etwas, wo man nachspüren, ins Gebet gehen und suchen muss. Meine Empfehlung ist auf die Stimme Gottes zu hören und auch mal etwas zu riskieren. Wenn wir uns auf dieses Abenteuer einlassen, dann finden wir diese innere Freude. Generell ist es ein Weg, ein Prozess, der auch für mich nach der Priesterweihe nicht vorbei sein wird.
Credo: Heißt das im Endeffekt seine Berufung als Christ zu leben?
Hegewald: Definitiv. Es geht darum sich bewusst zu machen: Ich bin getauft, gefirmt und von Gott geliebt. Er will mir ein freies und fröhliches Leben schenken. Dem nachzugehen ist mein Grundauftrag als Christ. Für mich ist der Glaube an Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, ein großer Gewinn an Lebensqualität und Freude.
Gleichzeitig darf ich mir auch die Frage stellen: in welche konkrete Form sendet er mich? In der katholischen Kirche kennen wir verschiedene Wege: Ehe, Ordensleben oder Priestertum.
Credo: Welchen Primizspruch hast du dir rausgesucht?
Hegewald: Es ist ein langer Vers aus Psalm 124: „Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen und wir sind frei.“ (Ps 124,8)
Credo: Warum ist vom Inhalt her gerade dieser Vers für deine Berufung wichtig?
Hegewald: „Das Netz ist zerrissen und wir sind frei“. Für mich ist Gott derjenige, der uns befreit und erlöst hat und uns auch immer wieder neu befreit. Ganz konkret bspw. in der Beichte, wo wir aus dem Netz der Sünde herauskommen. Sich daran zu erinnern, dass schon alles getan ist und wir in Gottes Liebe leben dürfen, erfüllt mich mit Dankbarkeit. Mein Wunsch ist es mit den Menschen diese größere Freiheit im Glauben zu entdecken.
Credo: Warum bist du überzeugt, dass du auch in 20 Jahren noch sagen wirst: „Priester zu sein ist meine Erfüllung“?
Hegewald: Mein Wunsch ist es weiter im Gespräch mit Gott zu sein und zu reflektieren: Bleibe ich in dieser inneren Freude? Das ist eine lebenslange Aufgabe. Wenn ich in 20 Jahren zurückblicken werde, dann hoffe ich das etwas bei den Menschen aufgeblüht ist, dass ich Menschen helfen konnte und ihnen die Barmherzigkeit Gottes näherbringen konnte.
Ich weiß auch, dass Krisen kommen werden. Ich vertraue aber felsenfest, dass Gott mit mir da durchgeht. Natürlich ist es ein Wagnis. Genau wie bei der Ehe auch. Liebe ist ein Wagnis. Das muss man eingehen und das ist es auch wert!