Thema · Credo Talk mit Songwriter Albert Frey

Freude die von innen kommt

„Freude die von innen kommt” lautet ein Song des christlichen Songwriters Albert Frey. Seit den frühen 90er Jahren bereichern seine zahlreichen Lobpreislieder und -produktionen den Liedschatz mit dem wir singen. Wir haben uns mit ihm über Lieder, Lebensphasen und Lobpreiskultur unterhalten.

von Raphael Schadt · 17.07.2026

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Raphael Schadt im Credo Talk mit Songwriter Albert Frey. Hintergrundbild Thumbnail: Frankfurt am Main, Liebfrauenkirche, Innenhof, Sonnengesang des hl. Franziskus, Mosaik von Schwester Ludgera (Kloster Reute bei Bad Waldsee), 1979. commons.wikimedia.org, C0.

Credo: Wie entstand der Song „Freude, die von innen kommt?

Albert Frey: Er hat zwei Quellen. Zunächst meine eigene Erfahrung in den frühen 80er Jahren. Es gab in Ravensburg einen Jugendgebetskreis, aus einer katholischen Jugendarbeit entstanden, da wurde frei gebetet, Lieder zur Gitarre gesungen etc. Es war ein neuer Akzent zu meiner katholischen Erziehung in meiner Familie. Mein Vater bspw. war Kirchenmusiker. Ich wusste daher schon viel über Gott. Jetzt wurde das aber persönlich. Ich war 18 Jahre alt und setzte mich ein halbes Jahr auch mit kritischen Anfragen mit dem Jugendgebetskreis auseinander, ging trotzdem immer wieder hin. Im Herbst ’82 sagte ich schließlich: „Ja, ihr habt – oder besser – Gott hat mich überzeugt. Ich will Jesus nachfolgen.” Die Freude kam durch dieses Erkennen: Es gibt Gott wirklich, das macht alles Sinn. 

Über zehn Jahre später bekam ich ein Papier in die Hand von der charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche, in dem theoretisch reflektiert wurde: Was ist passiert in diesem Aufbruch? Es ging darin auch um Abgrenzung gegen verschiedene Auswüchse. Dabei hielt es aber fest: Die charismatische Erfahrung ist eine ganz grundlegende: Erster Punkt war eine tiefe Gewissheit, dass es Gott wirklich gibt, dass er mich sieht oder kennt und liebt. Und das ist genau der Anfang des Liedes: „Etwas in mir zeigt mir, dass es dich wirklich gibt. Ich bin gewiss, dass du lebst, mich kennst und mich liebst.” Ich merkte, ja, diese Erfahrung kenne ich. Daraus entsteht diese „Freude, die euch niemand nehmen kann.” (vgl. Joh 16,22). Letztlich die Erfahrung geliebt zu sein.

Credo: Du Sprachst vom Jugendgebetskreis. Der war ja Teil einer größeren Bewegung. Wie muss man sich die vorstellen?

Frey: Ich schicke ein paar einschränkende Worte voraus. Meine Prägung war katholisch, charismatisch. Das sind meine Wurzeln. Beides schätze ich nach wie vor. Ich habe mich aber auch weiterentwickelt und würde ungern als katholisch charismatisches Role Model vorgestellt. Ich habe inzwischen viele evangelische Erfahrungen, habe auch kritische Anfragen zur charismatischen Szene, wie sie sich aktuell darstellt. Damals war es deutlich anders. Soweit um das etwas einzugrenzen. 

Also es kamen zwei Sachen zusammen, die für mich bis heute sehr wertvoll sind: Einerseits die Liturgie, die Weisheit der Jahrhunderte alten Tradition und andererseits die persönliche Erfahrung in der charismatischen Bewegung, die in den 60er bis 80er Jahren auch in den Großkirchen ankam. Und das auch bei uns in Oberschwaben, mit einer Blüte in den 80ern und 90ern. Wir haben das damals sehr stark vom Heiligen Geist her gedeutet. „Der Heilige Geist wirkt in die Zeit.” „Er erweckt die tote Christenheit” (vgl. Lied „Sonne der Gerechtigkeit” GL 481 – Anmerkung der Redaktion). Das war vielleicht ein bisschen vollmundig. Heute würde ich eher sagen, Gott wirkt die ganze Zeit. Wir erlebten jedenfalls in Ravensburg, Friedrichshafen usw. volle Kirchen, große Konferenzen, später auch mit deutschlandweiter Reichweite.

Credo: „Ströme lebendigen Wassers” ist ein weiterer Song von dir. Ein Lied das man eher mit Sorgenfalten singt, oder? Spiegelt es die Katerstimmung in einer von ersten Krisen gezeichneten Bewegung Mitte der 90er wider? 

Frey: Ich, versteh worauf du hinaus willst, aber ich meine noch nicht. Zu der Zeit ging ich eher noch davon aus, dass sozusagen wir die gute Kraft schon entdeckt haben und es die anderen noch hören müssen. Das dürre Land war quasi draußen. Ich habe erst Jahre später gemerkt, dass das dürre Land auch in mir ist, wie es im Lied „Wo ich auch stehe” über meine eigene Krise zum Ausdruck kommt. Anfang 2000 habe ich ein Lied geschrieben „Komm, heile uns”. Das war mehr kollektiv gedacht. Da spürte ich, dass die großen Versprechen der ersten Zeit nicht immer einlösbar waren und menschliche Übertreibung dabei war. Da kam schmerzlich die Erkenntnis, dass Gott uns manchmal auch die rauen Wege führt, nicht nur von einem Sieg zum anderen.

Credo: Wenn du einer herausgeforderten Kirche heute einen Song mit auf den Weg geben solltest, was für ein Song wäre das?

Frey: Neben den Prägungen von denen ich sprach ist mir noch eine dritte Quelle oder dritte Art von Spiritualität wichtig geworden. Ich nenne es die Schöpfungsspiritualität. Dazu habe ich mit meiner Frau den Sonnengesang von Franziskus neu vertont. Die vorhandenen Vertonungen, insbesondere „Laudato si” sind ja wenig geeignet, die Tiefe des Originaltextes auszuloten. Die Verbundenheit mit dem eigenen Leben, Körper, Natur, mit den Armen, ist sehr bedeutsam für meine und unsere Entwicklung der letzten 15 Jahre. Franziskus hat mir geholfen, Gott in der Natur zu erleben, ihn nicht nur im Himmel, sondern auf der Erde, im Gegenüber, in seiner Schöpfung zu verorten. Obwohl der Sonnengesang 800 Jahre alt ist, ist er super aktuell. Er hilft, das Bewusstsein für Natur, die ökologische Bewegung etc. zu verbinden mit einer tiefen Frömmigkeit. Das ist mir heute ein Herzensanliegen.

Credo: Du hast vorhin Anfragen an das Charismatische angedeutet. Ist diese Spiritualität der Schöpfung eine Antwort darauf?

Frey: Ja, es könnte tatsächlich manches ausbalancieren. Eine hohe Erwartung an den Heiligen Geist, eine starke Begeisterung von Jesus – „Freude, die von innen kommt” sind ja überhaupt nicht falsch. Aber mit persönlicher Reife kommen andere Dinge hinzu. Ich habe Anfragen, wo der Glaube fokussiert ist auf starkes Erleben, auf Wunder, wo er welt- und wissenschaftsfeindlich wird. Wenn er vermischt wird mit rechtskonservativen Vorstellungen. Wenn die Gewaltlosigkeit von Jesus, Dialog und die Würde des Menschen in Frage gestellt werden zugunsten eines geistlichen Triumphalismus. Nach dem Motto: „Wir müssen doch jetzt das Reich Gottes voranbringen” und das politisch gedacht wird. 

Als du mich bei der Einleitung als eine der Leitfiguren der Lobpreisbewegung genannt hast, habe ich leicht gezuckt. Denn obwohl es mich und meine Musik über Jahrzehnte tatsächlich wesentlich geprägt hat, ist der Begriff Lobpreis, bzw. Worship heute zwiespältig, weil er von Menschen genutzt wird, die ihre Vorstellungen von Gott und seinem Reich in politischen Systemen durchsetzen wollen. Da werden Lobpreislieder gesungen, um Menschen auszugrenzen. Das ist furchtbar. Das ist das Gegenteil dessen, was ich erlebt habe in dieser charismatischen Grunderfahrung. 

Ich befürchte, dass Worship und auch die evangelikale Bewegung im Moment kaputt gehen. Ich weiß nicht, ob der Evangelikalismus nach der aktuellen Phase in Amerika überhaupt noch zu retten ist bzw. ob Worship dadurch nicht verbrannt ist. Das alles hat mit dem, was mir heute wichtig ist, mit Gebetsmusik, nichts mehr zu tun.

Credo: Danke vielmals für diese Unterhaltung.

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