Thema · Freies Gebet

Ganz einfach mit Gott sprechen

Freies Beten ist für viele von uns ungewohnt und kostet erstmal Überwindung. Schließlich begleiten uns feste Gebete wie das „Vater Unser“ oder vielleicht auch das ein oder andere Abendgebet schon seit frühester Kindheit. Dabei ist freies Gebet nichts weiter als ein einfaches, ehrliches Gespräch mit Gott.

von Veronika Koppold · 22.04.2020

Freies Gebet ist ein authentisches Gespräch mit Gott
Freies Gebet ist vor allem eines sein: Echt und authentisch. (Foto: Persnickety Prints)

Betonen möchte ich zunächst einmal, dass sich meiner Meinung nach das formulierte und das freie Gebet in nichts nachstehen. Beides ist wichtig und schön. Was für einen gerade dran ist, kommt sehr auf die persönliche Situation an.

Freies Gebet ist für jeden möglich und nicht schwierig

Um nichts in der Welt möchte ich all diese Gebetsschätze missen, die wir im Laufe der Jahrtausende durch so vielen Menschen bekommen haben. Sei es durch die Psalmen, die Heilige Messe, den Rosenkranz und so weiter… Und dann gibt es da eben noch das freie Gebet. Für manchen Gläubigen sehr vertraut, für manchen vielleicht noch eher fremd. Was es auf jeden Fall ist:

Für jeden möglich und nicht schwierig! Man kann mit einem einfachen „Danke für diesen Tag, Gott“ anfangen.

Doch lasse ich erst mal einen Profi zu Wort kommen:

 „Das Gebet ist meiner Ansicht nach nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gern allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil er uns liebt.”
Teresa von Avila

Eigentlich müsste ich jetzt gar nichts mehr dazu sagen – ich finde, die heilige Teresa von Avila hat schon wunderbar auf den Punkt gebracht, was das freie Gebet ist!

Erzähle Gott ganz ehrlich, wie es dir gerade geht

Denn grundsätzlich heißt beten eben zuerst einmal, mit Gott in Kontakt zu treten, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Gott ist selbst in seiner Dreieinigkeit voll auf Beziehung ausgelegt und wünscht sich zutiefst eine innige Verbindung zu jedem einzelnen.

Konkret heißt das, ich erzähle ihm ganz offen und ehrlich wie es mir geht, ob gut oder schlecht. Genauso, wie ich es meinem besten Freund erzählen würde. Ungeschönt, aber trotzdem respektvoll. Er hört mir zu.

Gott besser kennenlernen

Ein weiterer wichtiger Punkt im Gespräch mit Gott ist sein Blick auf mir. Wie, glaube ich, ist er und sieht er mich an? Wie der gnadenlose Richter? Wie einer, den mein Leben gar nicht interessiert?

Ich glaube, wenn man die Bibel immer mehr kennen lernt, lernt man auch Gott immer besser kennen. Er ist gnädig, barmherzig, stark, leidenschaftlich, gerecht, sanft, zärtlich, kreativ…

Und dieser Schöpfer hat mich sehr gut gemacht und will, dass ich lebe! (Genesis 1:31)

Das heißt, er schaut mich immer voll Liebe, Begeisterung und Güte an. Mit wartender Sehnsucht, wann ich in seine starken und zärtlichen Vaterarme laufe. Auch wenn ich Fehler mache. Er bleibt immer gleich und verändert sich nicht. Und so verändert sich auch seine Liebe zu mir nicht. Er ist der gute und perfekte Vater, der gute Pläne für mich hat und dem ich alles anvertrauen kann.

Wie viel Zeit verbringst du mit einer Person, die du sehr liebst?

Wenn ich mal überlege, wie viel Zeit ich mit einer Person verbringe, die ich sehr liebe – geht es mir auch so mit Gott? Er, mein Schöpfer und Erlöser, der mich von Anbeginn der Zeit wunderbar erdacht und gemacht hat und immer da ist für mich – wie oft verbringe ich allein mit ihm Zeit, um mit ihm zu reden, weil er mich liebt? Wie oft lasse ich mich in dieser lauten und lärmenden Welt von meinem guten Hirten ablenken, der mich zum Ruheplatz am Wasser bringen und meiner Seele Ruhe verschaffen will?

Ich stelle mir diese Fragen selbst immer wieder… und ich muss mich auch selbst immer wieder daran erinnern, dass es keine lästige Pflicht sein sollte. Sondern wie ein bezauberndes Treffen mit der Person auf dieser Welt, die am meisten von mir hält.

Und natürlich gibt es (wie auch mit anderen Beziehungen) unterschiedliche Phasen mit Gott. Mal hat man mehr Lust, eine Person zu besuchen und mal weniger. Ich glaube aber fest, dass es ein großer Gewinn und Segen ist, besonders in schweren Zeiten nahe bei Gott zu bleiben. Wenn man ihn nicht versteht. Wenn man das Gefühl hat, das Gebet reicht nur bis zur Zimmerdecke.

Auch in schweren Zeit mit Gott im Gespräch bleiben

Denn gerade in solchen Zeiten brauche ich ja Gottes Hilfe, auch wenn ich sie nicht immer sehe. Ich habe oft schon von anderen gehört oder selbst erlebt, wie Gott aus Scherben Neues und Wunderschönes kreieren kann.

Zusammenfassend kann ich sagen: Freies Gebet ist im Grunde nichts weiter als eine Begegnung zwischen Gott und dir. Ehrlich und authentisch.

Veronika Weber
Die Autorin: Veronika Weber, 22. (Foto: privat)