Vor Ort · Starnberg

„Eine Art zu beten, die man hier nicht gekannt hat”

An einem Donnerstagabend, so gegen 21 Uhr, sind in der Starnberger Pfarrkirche selten betende Menschen anzutreffen. Anders war es die vergangenen Wochen, als der Neulandkurs des Instituts für Neuevangelisierung in der Pfarrei Station machte.

von Simone Zwikirsch · 17.12.2019

vier Menschen knien vor dem Allerheiligsten
An einem der Neuland-Abende erneuerten die Teilnehmer ihr Taufversprechen. (Foto: Simone Zwikirsch)

Woche für Woche versammelte sich in der Starnberger Pfarrkirche eine Gruppe von Gläubigen zur Anbetung vor dem Allerheiligsten. Dem voran ging jeweils ein thematischer Vortrag. Komplexe Themen wie Berufung, Beichte oder der Heilige Geist verloren ihre theologische Schwere und wurden von Schwester Dr. Theresia Mende alltagsnah und sehr sympathisch auf das Alltagsleben der Gläubigen übertragen. Für Gemeindereferent Richard Ferg sowie rund 30 weitere Teilnehmer wurde der Donnerstagabend über mehrere Wochen hinweg zu einem fixen Ereignis im Terminkalender.

 

Herr Ferg, woran denken Sie spontan, wenn Sie sich an den Neulandkurs zurück erinnern?

Zuerst sind es diese wunderbaren Vorträge, die vieles vertieft haben, was man an Glaubensinhalten schon mal irgendwie mitbekommen hat. Und dann vor allem auch die Zeit in der Kirche mit Gebet und Anbetung, der Tauferneuerung und der Sendungsfeier. Ja, es ist einfach diese Kombi aus Vortrag, Input und der geistlichen Vertiefung in der Kirche, die den Neulandkurs ausmacht.

In vielen Pfarreien ist es ja so, dass in Sachen Neuevangelisierung wenig vorangeht. Wie ist das in Starnberg?

Hier war die Neuevangelisierung im Pfarrgemeinderat und im Pastoralrat in der letzten Zeit immer wieder Thema. Daraus entstand auch die Idee mit dem Glaubenskurs, um bewusst auch ein Angebot für Fernstehende zu haben. Das Thema ist noch nicht so in den Köpfen aller hier in der Pfarrei. Aber vor allem im Pfarrgemeinderat sitzen viele, die Neues wagen wollen, um neue Leute anzusprechen.

Wie kam denn der Kurs bei den Pfarreimitgliedern an?

Wir waren ja eine Gruppe von dreißig Leuten, die regelmäßig dabei waren. Das ist schon sehr gut für Starnberg und so eine Art von Veranstaltung. Diejenigen, die dabei waren, haben gerne mitgemacht. Andere haben vielleicht auch gar nicht das Bedürfnis danach. Ich erlebe oft, dass Leute sagen, sie haben ja schon das, was sie wollen. Sie gehen in die Messe und nutzen die Angebote, die es schon immer gab. Und das reicht ihnen auch. Für diejenigen, die aber mehr wollen, war der Neulandkurs ein tolles Angebot.

Es waren ja sogar Teilnehmer aus der Nachbardiözese München-Freising dabei. Waren bei dem Kurs auch Leute dabei, die vorher generell mit Pfarrei wenig in Berührung gekommen sind?

Wir hatten eine gute Mischung. Es waren viele aus dem Pfarrgemeinderat dabei oder Leute, die sehr aktiv sind in der Pfarrei. Aber es sind auch Menschen gekommen, die wir nicht so regelmäßig in der Pfarrei sehen. Und eben auch Leute von außerhalb, die nicht zur Pfarreiengemeinschaft gehören, das Angebot aber gerne angenommen haben und auch von relativ weit hergefahren sind. Das war ganz spannend zu sehen, wie sich so etwas doch verbreitet und dass so ein Angebot tatsächlich viele anzieht.

Vor allem die Anbetungszeit war für die Teilnehmer eine neue und bewegende Erfahrung. (Foto: Simone Zwikirsch)

Spüren Sie seitdem in der Pfarrei eine Veränderung? Weht ein neuer geistlicher Wind?

Also für die ganze Pfarrei ist das schwierig zu sagen. Aber diejenigen, die dabei waren, hat der Kurs schon verändert. Da merkt man in Einzelgesprächen, dass doch viel aufgebrochen ist. Dass viele an dem Punkt sind, ihren Glauben und wie sie ihn bisher gelebt haben, zu hinterfragen. Was die Teilnehmer aber vor allem berührte, waren die gestalteten Gebetszeiten. Die Anbetung in der Kirche, die Tauferneuerung und besonders auch die Möglichkeit der Beichte. Einfach diese neue Art, zu beten, die man hier eigentlich nicht gekannt hat. Das war für viele eine so besondere und auch prägende Erfahrung, dass wir uns fragen: Wie kann sowas weitergehen?

Gibt’s schon Pläne?

Ja, das ist die spannende Frage. Bei vielen Menschen ist ja eine Sehnsucht nach echter Spiritualität da. Das sind zum Beispiel Eltern, die nach der Taufe oder Erstkommunion ihrer Kinder den Glauben vertiefen möchten. Beim Abschlussabend hat Schwester Theresia einige Ideen vorgestellt, die man anpacken könnte. Ich habe das Gefühl, die Zeichen bei uns stehen gerade sehr gut für Alpha-Kurse. Weil es einfach ein unkompliziertes Angebot  genau für diejenigen ist, die mehr wollen. Eine zweite Sache ist unsere wöchentliche Anbetung, die es schon seit vielen Jahren gibt, aber wirklich nicht gut besucht wird. Hier würden wir gerne die Akzente aus dem Neulandkurs verstärkt einbringen und die Gebetszeit anders gestalten. Ich bin mir sicher, wenn ein paar dieser großen Gruppe weiter dranbleiben, kann und wir hier in der Pfarrei Neues entstehen und wachsen.

Warum sollte jede Pfarrei den Schritt Richtung Neuland wagen?

Weil wir merken, dass viele Menschen diesen Schritt gerne gehen wollen und das, was wir sonntags in der Messe feiern, noch mehr leben möchten. Der Neulandkurs ist dafür ein optimaler Einstieg. Er lenkt den Blick auf das Wesentliche und zeigt, dass mit unserem Glauben mehr drin ist, als wir im Alltag bisher gelebt haben. Wir gehen in die Kirche, wir feiern Gottesdienste. Der Kurs geht dann noch einmal tiefer an die Glaubenssubstanz und befasst sich mit der Frage: Was ist das eigentlich, was einen Christen ausmacht. Was ist mein eigener Glaube und wie kann ich ihn in meinem Alltag bewusst leben? Sich mit diesen Fragen gemeinsam in einer Gruppe auf den Weg zu machen und gemeinsam zu beten, ist nicht nur eine große Chance, sondern eigentlich auch die Basis unseres Glaubens- und Gemeindelebens.

 

Richard Ferg (41) ist Gemeindereferent in der PG Starnberg.

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