Vor Ort · Glaubensgespräche an der Spülmaschine

„Uns zu Gott geführt“ – Warum Michaela Pastoralreferentin in einer Jugendkirche ist

Michaela Hertl ist Pastoralreferentin an der Jugendkirche OpenSky in Kempten, der ersten Jugendkirche der Diözese Augsburg. Dort begleitet sie Jugendliche seelsorglich, gestaltet kreative Gottesdienstformate und schafft gemeinsam mit dem Team einen Raum, in dem junge Menschen den Glauben an Jesus Christus auf ihre Weise entdecken dürfen. Ihre Arbeit lebt von Echtheit und Glaubensmomenten, die man an Orten findet, an denen man sie nicht erwartet.

von Patrick Rogosch · 16.12.2025

Michaela Hertl. Bild: Kevin Fischer

Wenn nach dem Brunchgottesdienst in der Jugendkirche OpenSky die Teller klappern und der Kaffeeduft verfliegt, beginnt für Michaela Hertl oft der Teil des Tages, der ihr am meisten bedeutet. Jugendliche räumen Tabletts ab, Eltern sortieren Besteck, an der Spülmaschine stapeln sich Tassen. Zwischen all dem steht Michaela und hört zu. „Die besten Begegnungen haben wir manchmal genau hier“, sagt sie. Zwischen Geschirrtüchern und Brezenresten.

OpenSky richtet sich an Kinder und Jugendliche ab etwa zwölf Jahren bis in den jungen Erwachsenenbereich hinein. Viele kennen Kirche vor allem aus Schule oder Ministrantendienst. Hier erleben sie: Glaube darf alltagsnah und menschlich sein.

Ein Satz als persönliches Bekenntnis

An der Innenseite von Michaelas Bürotür hängt ein kleiner, unscheinbarer Zettel. Darauf steht eine Aussage, die eine Studentin nach Orientierungstagen anonym über Michaela notiert hat: „Uns zu Gott geführt.“ Für Michaela wurde das zu einem Leitwort: „Als ich diesen Satz gelesen habe, wusste ich: Genau darum geht es für mich“. Junge Menschen behutsam zu Gott hinführen – ohne Druck und ohne große Inszenierung.

Die Orientierungstage, drehten sich um Identität – wer bin ich für mich, für andere, für Gott? Manche Teilnehmenden kamen skeptisch, andere ohne besondere Erwartungen. Und doch hat gerade der geistliche Teil etwas in ihnen berührt.

 

Jugendliche bei einer Messe und in einem Jugendraum von OpenSky. Foto: OpenSky

Warum eine Jugendkirche?

Warum arbeitet Michaela als Pastoralreferentin ausgerechnet in einer Jugendkirche? Weil Jugendliche Themen mitbringen, die Zeit und Echtheit verlangen. Schulstress, zerbrochene Freundschaften, familiäre Sorgen und die Frage, ob sie genügen. „Viele kommen, weil sie jemanden brauchen, der zuhört und sie nicht bewertet“, sagt sie. Hier könne sie genau das leben, wozu sie sich berufen fühlt: für junge Menschen da sein, Fragen aushalten, gemeinsam nach Gott suchen.

Das Thema „Bekenntnis zu Jesus Christus“ begleitet sie dabei ständig. In ihrem eigenen engsten Umfeld ist es selbstverständlich, sonntags in die Kirche zu gehen. Im weiteren Freundeskreis jedoch spürt sie Irritation, wenn sie erzählt, dass sie für die Kirche arbeitet. Anfeindungen erlebt sie selten, aber Unverständnis schon. Für viele junge Menschen sei das noch schwieriger, sagt sie. Umso wichtiger seien Orte, in denen Glaube nicht peinlich sein muss und Zweifel Platz haben.

Nach dem Brunchgottesdienst. Foto: OpenSky

Glaube in Verbindung mit Gemeinschaft

OpenSky ist für sie genau so ein Ort. An jedem zweiten Sonntagabend feiert die Gemeinde mit Band, Lobpreismusik und einem Video zum Evangelium Heilige Messe. Am vierten Sonntag im Monat beginnt der Tag mit einer „normalen“ Messe und endet im gemeinsamen Brunch. Für Michaela gehört beides zusammen: Liturgie und Leben. „Für viele ist der Brunch genauso wichtig wie die Messe und ich finde, dass beides super zusammenpasst.“ Gerade danach entstehen Gespräche, die sonst nie stattfinden würden.

Beruf und Berufung – eine Linie

Michaela beschreibt ihre Arbeitsstelle als „Privileg“. Sie darf Formate ausprobieren, die sie sich früher selbst gewünscht hätte: Escape Rooms im Kirchenraum, Krimi-Abende, Pubquiz oder eine Andacht zu Liedern von einer aktuellen Band. Vieles sei einfach, manches experimentell – alles solle Jugendlichen zeigen: Deine Lebenswirklichkeit hat hier Platz. „Unser Auftrag ist nicht, junge Menschen in Formen zu pressen“, sagt sie. „Sondern ihnen zuzutrauen, dass Gott längst in ihrem Leben wirkt.“

Ein Ort, der trägt

Gefragt nach ihrer Zukunftsvision sagt sie: „Dass es diesen Ort weiterhin gibt. Mit Menschen, die hier ihre Talente einbringen und Jugendliche, die spüren: Mein Glaube, meine Fragen, mein Suchen sind hier willkommen.“

Manchmal beginnt dieses Suchen im Gottesdienst.
Manchmal im Gespräch nach einem langen Tag.
Und manchmal – ganz unspektakulär – an der Spülmaschine.

Junge Erwachsene beim Jubiläumsgottesdienst „5 Jahre OpenSky". Foto: OpenSky