Vor Ort · Stark werden und Gott finden

Kampfsport, Tattoos, Muskeln, die Polizei und Gott

Trainiert, tätowiert und stolz darauf, Christ zu sein und dies auch zeigen zu dürfen: Ich bin 42, aus Ulm, und Einsatztrainer an der Hochschule für Polizei Baden-Württemberg. Nebenberuflich lehre ich mit meinem Trainerteam, dass man verteidigen darf, was wertvoll ist. Mein Bekenntnis.

von Jürgen Rampf · 14.10.2025

Jürgen Rampf. Bild: Selfie, bearbeitet von der Credo-Redaktion

Ich gehe in den Gottesdienst und höre die Predigt. Egal ob die Kirche voll mit jungen oder älteren Menschen ist, lautet die Botschaft oft: „Als Christen werden wir komisch angeschaut, man nimmt uns nicht wirklich für voll, die Gesellschaft teilt unsere Ansichten nicht. Die Message der Kirche ist veraltet, die Wörter, die wir als Christen nutzen noch viel älter. Aber haltet trotzdem noch eine Weile durch!“ Wirklich ganz selten höre ich, dass viele Menschen auf eine wirklich gute Nachricht warten.

Viele junge Menschen sind auf der  Suche

Ich merke regelmäßig, wie ich ins Gespräch komme: Über Gott und meinen Glauben. Gerade weil ich mich beim täglichen Mittagessen mit mehreren hundert jungen Menschen in der Kantine bekreuzige, weil ich christliche Motive auf den Unterarmen tätowiert habe, weil ich einen Gebetskreis an einem unkonventionellen Ort gestartet habe und versuche, positive Werte und Tugenden vorzuleben. Ich finde, offensiv zu bekennen, macht den Unterschied: „Ich glaube! Du nicht? – Okay, das tut mir sehr leid, aber lass uns darüber sprechen. Und noch viel wichtiger: sprich Du darüber. Nicht mit mir. Sondern mit dem Chief da oben.“

Ich habe schon viele junge Menschen kennengelernt, die auf der Suche sind. Nach einem Anker, nach Leitung, nach Community und letzten Endes auch immer nach Gott. Sie suchen nur meist an den falschen Orten, aber sie suchen. Abgeschreckt von Medienberichten, Erzählungen von Freunden und der eigenen Unsicherheit, betreten diese Menschen keine Kirche und besuchen keine Gottesdienste. So bleiben sie ewig Suchende, obwohl sie nur einen ersten, niederschwelligen Kontakt bräuchten.

Schlüssel zu einer wertorientierten Gesellschaft

Um möglichst viele Menschen erreichen zu können, habe ich nebenberuflich das Projekt „fit, fight & faith“ ins Leben gerufen. Wir wollen Menschen stark machen. Mit christlichen Werten, die nicht aufdringlich sind. Anhand der drei göttlichen Tugenden – Glaube, Liebe, Hoffnung – und zwei der vier Kardinaltugenden (Gerechtigkeit und Tapferkeit) wird Support für meine Brüder und Schwestern greifbar und Glaube erfahrbar. Selbstbehauptung, Selbstverteidigung, Resilienz- und Fitnesstraining für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Firmen, Schulen, Vereine, Pflegekräfte, Lehrer, Rettungsdienste, Feuerwehren uvm. sind die Schlüssel hin zu einer wertorientierten Gesellschaft und Menschen, die ihren Wert kennen.

Jürgen Rampf beim Training mit „fit, fight & faith”. Bild: privat.

Wenn ich 30 Kinder frage, wer wertvoller ist, ich oder ein kleines Baby, kommt nicht selten, dass ich wertvoller bin, weil ich schon etwas im Leben geleistet habe. Meist sind die Antworten noch kurioser. Dass alle Menschen gleich wertvoll sind und dass das, was wertvoll ist, auch beschützt und verteidigt werden darf, ist bei weitem nicht in allen Herzen angekommen. Wir arbeiten unermüdlich daran, auf Basis der genannten Tugenden und christlicher Werte, unsere Mitmenschen sicherer und stärker zu machen, damit sie sich mutig auf die Suche machen. Aber auch, damit sie jenen die Hand ausstrecken, die am Boden liegen geblieben sind.