Thema · Romantische Fehlinvestitionen

Red Flags bei der Damenwahl

Möglichst gut aussehen und gut drauf sein. Sind das die schlichten Kriterien, nach denen junge Männer auf Partnerinnensuche auswählen? Was sind Deal-Breaker, bei denen die Option ‚feste Beziehung’ ausscheidet? Nachdem wir zuletzt junge Frauen in problematischen Beziehungen ermutigt haben, Männer alleine nachreifen zu lassen, bevor Frau sich ewig bindet, war der Plan gerechtigkeitshalber oder sagen wir der Gleichheit halber den Spieß umzudrehen. Das allerdings ist gar nicht so einfach, …

von Raphael Schadt · 10.08.2023

hübsches Frauengesicht mit Vampirzähnen
Symbolbild: ©marinafrost, stock.adobe.com.

… denn Männern werden kompetitive Situationen kulturell und auch evolutionär zugemutet. Einen Korb entgegenzunehmen gehört zur Frustration, mit der ein junger Mann auf Partnersuche klarkommen muss. Daher ist „Damenwahl” doppeldeutig, denn es sind in der Natur meistens die Weibchen, „die bei der Partnerwahl die ausschlaggebende Rolle spielen”. Frauen einen ebenso harten „hop oder top“ Filter zu geben, das ist der unbarmherzige, kalte Stoff, der die Einschaltquote bei GNTM ausmacht – ein Filter der übrigens NICHT von einem Mann aufgestellt wird, dafür aber viele in die Verzweiflung führt. Und das soll nicht Zweck dieses Artikels sein. 

Kriterien junger Herren bei der Damenwahl

Die Suchkriterien, nach denen der unbedarfte Jüngling potenzielle Partnerinnen auswählt, sind in der Regel recht einfach. Das konkrete Kriterienset dürfte etwa wie folgt aussehen: Ihr Aussehen sollte möglichst optimal sein – gemessen an dem, was ich mir leisten kann. Ihr Charakter sollte angenehm und anregend sein. Kurz: so wie Mama mich als Baby bedingungslos geliebt hat, soll Ms. Perfekt mich auch lieben. 

Im Übrigen wird er diese Fragen höchstwahrscheinlich nicht rational reflektieren, sondern im Hormonrausch an sich erleben. (Der Autor zitiert lediglich aus Buchwissen.) Reden wir mal an dieser Stelle neben mediengenerierten Erwartungen nicht über Pornos, weil die spielen ja beim Thema Partnerwahl bestimmt keine Rolle … Als junger Mann ist man bei der Partnerwahl, sofern man sich nicht einer bestimmten Tradition verpflichtet fühlt oder aus einer Kultur stammt, in der die Verwandtschaft Einfluss nimmt, mit seinem Bauchgefühl weitestgehend allein gelassen.

Damit muss er, wie schon Papa und Opa vor ihm, in einer väterarmen westlichen Kultur seine Erfahrungen und Fehler großteils selbst und aufs Neue machen. Je oberflächlicher, unrealistischer, romantisch verklärter oder materiell verkürzter die Vorstellung von Partnerschaft, desto ungemütlicher die Konfrontation mit der Realität. Oder positiv ausgedrückt: Je mehr er sich gesundes männliches Verhalten abschauen konnte, desto besser ist er auf eine Partnerschaft vorbereitet. 

Abgleich mit der Realität

Männer werden meist erst dann wählerischer, nachdem sie sich die Finger verbrannt haben. Das mag die schlichte Erfahrung sein, wenn der hedonistische Junggeselle in Konflikt mit seiner Freundin über das Thema Verbindlichkeit gerät. Aber auch wenn sich nach größerem und aufrichtigem Beziehungsinvest, etwa mit Kindern im Gepäck, die Herausforderungen und Prioritäten im Leben ändern, können plötzliche große Konflikte auftauchen. Allzu oft wird das, was zuvor wie selbstverständlich geteilt wurde, in einer Trennungssituation Gegenstand von zermürbenden Streitereien, die meist teuer über Anwälte ausgetragen werden. Zum Leidwesen der Kinder.

Spätestens bei der Relektüre des emotionalen Schlachtfeldes setzt dann der Versuch rationaler Aufarbeitung ein, um zukünftig ein erneutes Desaster zu vermeiden. Wo bin ich falsch abgebogen? Welche Warnzeichen hab ich übersehen? Was sind Red Flags?

Update der Auswahlkriterien – Red Flags

Konkrete Red Flags zu benennen, die pauschal Frauen disqualifizieren würden, erscheint hier, wie eingangs erwähnt, unangebracht bzw. stigmatisierend. Biblische Empfehlungen, wie „Wende das Auge von einer wohlgeformten Frau ab und blick nicht begehrlich auf eine fremde Schönheit! Durch die Schönheit einer Frau sind schon viele verführt worden” (Sirach 9,8), sind Verhaltensempfehlungen an Männer, aber keine Stigmatisierung von Frauen. Auf Youtube und im Netz findet man massenhaft bedenkenswerte bis hin zu weniger sinnvollen aber unterhaltsamen Ratgebervideos zum Thema Red Flags bei Frauen. Überwiegend von Männern, von denen sich annehmen lässt, dass sie sich selbst eine blutige Nase geholt haben.

Nun leben wir in einer gefallenen Welt und wer die in den Videos genannten Filter konsequent umsetzte, müsste schnell erkennen, dass nurmehr wenige Kandidatinnen übrig blieben, um safe und frei von schmerzhaften Erfahrungen durchs Leben zu flutschen. Leidvermeidung ist gewiss eine Frage des gesunden Menschenverstandes. Daher kann Mann unter den genannten Videos sicher auch Punkte mitnehmen, die ihm allzu schmerzhafte Erfahrungen ersparen. Aber anders als etwa im Buddhismus ist Leidvermeidung nicht das primäre Ziel des christlichen Lebensentwurfs. „Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.“, sagt Christus (Mt 10,38). Das Ziel des christlichen Glaubens ist vielmehr die Wiederherstellung von Beziehung und Beziehungsfähigkeit, letztlich die Liebe.

Der heilsame Weg des Glaubens

Das Versprechen, bzw. das Ehegelübde, das man sich am Altar gibt, sich zu „lieben, zu achten und ehren“ ist ein Bund und kein Vertrag mit Rückzugsklausel. Es ist ein Blankoscheck, mit dem man sich an eine Person bindet. Es ist der christliche Weg, für die Ewigkeit beziehungsfähig zu werden: Zwei Menschen machen sich auf den Weg mit und zu Gott, alle Tage ihres Lebens – durch gute Zeiten und durch sch*** Zeiten hindurch. Wer das Eheversprechen aufrichtig spricht, meint auch die Ungewissheiten und Unvorhersehbares. 

Das meint nicht zuletzt die großen Veränderungen wie einen Unfall mit Pflegebedürftigkeit oder Herausforderungen, die in der Psyche „begraben“ liegen können, die nach einem Auslöser plötzlich zutage treten, wie Depression oder Burnout. Aber auch die normale persönliche Entwicklung ist nicht vorhersehbar und kann sehr herausfordernd sein. Dann stellt sich die Frage: Gehen wir da zusammen durch? Bleibe ich da, auch wenn du durch eine schwere Zeit gehst? Die Entscheidung für die Ehe treffe ich nicht einmal, sondern immer wieder.

Hier ist ein Lebensstil der Bergpredigt der Weg, sein Haus auf Fels zu bauen (Mt 7,24). Gemeinsam zu beten (Mt 6,5), denn „The Family that prays together, stays together”. Sich immer wieder zu vergeben (Mt 6,14) im Zusammenspiel mit einer Beichtpraxis. Die Reinheit des Herzens zu bewahren (Mt 5,8.28) und gemeinsam „Gottes Reich und seine Gerechtigkeit” über die Sorgen des Alltags zu stellen und Gott für das weitere zu vertrauen (Mt 6,33). Wer diesen Lebensstil einübt, hat große Chancen auf eine geglückte Beziehung oder im Bild gesprochen: Dessen Haus hat Bestand, wenn der Sturm kommt (Mt 7,24). Wer diesen Weg gehen will und eine junge Frau findet, die diesen Weg mitgehen will braucht keine Red Flags sondern Mut.