Vor Ort · Gespräch mit Schwester Magdalena im Kloster Wettenhausen
Freude im Leben einer Ordensschwester
von Samuel Bittner · 03.07.2026
Credo: Du strahlst eine so große Freude aus. Macht dich das Leben im Kloster so glücklich?
Schwester Maria Magdalena Braun OP: Ja! Tatsächlich. Ich habe als Jugendliche zu Gott gesagt: „Zeig mir den Platz, wo ich glücklich bin!“ Als ich dann hier im Kloster Wettenhausen war, habe ich nach zwei Jahren gemerkt, als ich durch den Garten gegangen bin: „Krass, ich bin jetzt da angekommen, wo ich glücklich bin!“ Gott hat mir den Platz gezeigt und ich bin ihm dafür unendlich dankbar.
Credo: Wie kann man ehelos erfüllt leben?
Schwester Magdalena: Das ich ehelos lebe heißt ja nicht, dass ich ohne Liebe lebe oder ohne Beziehung. Ich lebe nicht in einer Ehe, aber in der Beziehung zu Jesus. Wenn diese Beziehung erfüllt ist mit Kommunikation und Zeit, dann kann man sehr gut ehelos erfüllt leben.
Ich bin in einem Predigerorden, wo man auch viel im Außen ist. Wichtig ist sich davon nicht auffressen zu lassen, sondern immer wieder in die Kapelle zu gehen und in die Beziehung mit Jesus zu investieren.
Credo: Ist Freude deine Art Menschen auf Jesus aufmerksam zu machen?
Schwester Magdalena: Ich glaube schon, dass Menschen durch die Freude, die in mir ist, auf Jesus aufmerksam werden. Für mich ist es wiederum eine Freude zu sehen, dass Menschen dadurch auch zum Herrn zurückfinden. Ich muss mich dafür nicht anstrengen so zu sein, sondern ich bin einfach so, wie ich auch Ordensschwester einfach bin.
Credo: Was rätst du Menschen, die gerade traurig sind?
Schwester Magdalena: Mein erster Rat ist, dass sie mit der Traurigkeit, der Angst, der Wut – also allem, was das Herz schwer macht, zu Jesus gehen und alles vor ihn hinwerfen. Wir müssen das nicht verstecken und denken: „Ich bin ja Christ, ich muss ja fröhlich sein.“
Zweitens: Dankbarkeit. Es gab eine Phase in meinem Leben, vor ein paar Jahren, wo alles ziemlich schwer war. Ich habe mir damals ein kleines Notizbuch genommen und angefangen jeden Abend zehn Dinge aufzuschreiben, für die ich heute dankbar bin. Dadurch versinkt man nicht in der Traurigkeit, sondern lernt in der Schwere dankbar auf Jesus zu schauen.
Credo: Was begeistert dich an deiner Namensvetterin Maria Magdalena in der Serie „The Chosen“?
Schwester Magdalena: Ich finde die Freude, die sie ausstrahlt, sehr beeindruckend. Als das Sonntagsevangelium mit der Berufung des Matthäus (Mt 9,9-13) dran war, haben wir eine kurze Sequenz aus der Serie in der Kinderkirche geschaut.
Der Moment, wo Maria in dieser Szene zuerst Jesus und dann Matthäus anschaut, finde ich schön, weil sie sich erinnert, was Jesus in ihrem Leben verändert hat. Sie freut sich einfach mit, dass jetzt auch im Leben von Matthäus diese Lebensveränderung geschieht.
Credo: Der Ort der ewigen Freude ist der Himmel. Was macht es für einen Unterschied mit Blick auf den Himmel zu leben?
Schwester Magdalena: Es macht einen riesigen Unterschied, ob ich denke, in den 60-70 Jahren, die mir auf Erden geschenkt sind, alles rausholen zu müssen, oder zu wissen, dass das Eigentliche des Lebens noch auf einen wartet. Das nimmt total den Druck, schenkt mir persönlich Perspektive und ich finde es einfach wunderschön, dass wir an den Himmel glauben dürfen.