Vor Ort · Fixstern Heilige Schrift

Du bist, so wie du bist, wertvoll und geliebt!

Veränderungen werfen Fragen auf, die in ruhigen, geordneten Lebensphasen eine geringe Rolle spielen. So stelle ich mir Ende 20 wieder ähnliche Fragen, wie mit 15 Jahren – da ich nun wieder ähnliche Orientierung benötigt. Und die finde ich in der Heiligen Schrift und den Vorbildern, von denen ich dort lese.

von Johannes Höfle · 01.12.2022

Hand schreibt in Notizbuch.
Die Bibel als Tagebuch vieler Autoren. Symbolbild: Tagebuch schreiben und lesen, um Orientierung zu finden. Bild: moodboard, LoloStock, stock.adobe.com

Bei meinem Umzug Anfang September fiel mir ein altes Tagebuch in die Hände. Es war gefüllt mit vielen Situationen, die mich in der damaligen Zeit bewegten. Beschrieben war, wie ich gerade die Schule abschloss und meine Lehre als Zimmerer begann. Eine Zeit, die geprägt war von vielen Veränderungen, Eindrücken und auch Situationen, in denen ich überfordert war.

Ich schrieb in diesem Tagebuch über Liebeskummer, einzelne Träume und auch darüber, was ich wohl durch die Lehre alles lernen dürfe. Ehrlich gesagt konnte ich mich an viele dieser Situationen nicht mehr erinnern, aber wenn ich die Zeilen so lese, dann staune ich sehr darüber, welche Fragen mich damals bewegt haben. Das Interessante dabei ist, dass mich heute, durch meinen Umzug nach Nördlingen und die damit verbundene Tätigkeit als Pastoralpraktikant, wieder viele dieser Fragen beschäftigen: Bin ich all den Anforderungen gewachsen, die auf mich zukommen? Was ist, wenn mir nichts einfällt für einen Vortrag? Wie behalte ich den Überblick und was schenkt mir Orientierung?

Die Bibel als Tagebuch

Wenn ich ehrlich bin, dann erfahre ich immer wieder aufs Neue einen Zuspruch und meine Orientierung aus einem Tagebuch, das schon viel älter, dicker und von viel mehr Autoren ist als meines. Ein sehr kostbares Buch, welches nicht wegen seines teuren Drucks oder edlen Designs so wertvoll ist. Nein, es ist ein kostbares Buch, das von Beziehungen, Situationen des Scheiterns und im Kern immer davon spricht, wie sehr jeder einzelne Mensch geliebt ist. Die Bibel. Sie erzählt von Personen, die mir helfen können, in meinem Hier und Jetzt Antworten zu finden.

Konkret finde ich gerade das Buch Rut sehr interessant. Eine Frau, die mit ihrer Schwiegermutter in das Land ihres verstorbenen Mannes zieht, da es üblich war, dann bei der Familie des Mannes zu bleiben. Obwohl ihre Schwiegermutter sagt „Ich entbinde dich, bleib in deinem Heimatland!“, vertraut sie darauf, dass Gott für sie sorgen wird. Das Beeindruckende dabei ist, wie durch ihr Vertrauen und ihre Orientierung auf Gott hin der Stamm Davids und somit auch Jesus ermöglicht wird.

Gerade solche Stellen helfen mir, in meinem Alltag zu vertrauen und den Blick darauf zu richten, auf welche Art und Weise mich Gott beschenkt. Es stellt mich vor die Frage: Was habe ich für Parallelen mit den Menschen in der Heiligen Schrift? Auch wenn sie nicht in der gleichen Zeit leben wie wir, so hatten sie doch ähnliche Fragen und Herausforderungen zu meistern. Meine Sprache mag jetzt vielleicht durch das Studium besser geschult sein, als damals als 15-jähriger Zimmererlehrling, und doch stelle ich fest, dass auch der einfache Junge Antworten fand auf ähnliche Fragen, die mich jetzt bewegen. Der Kern, der das Tagebuch und die Heilige Schrift verbindet, ist die Frage danach, ob ich, so wie ich bin, wertvoll, gut genug und geliebt bin.

Wertvoller Zuspruch der Heiligen Schrift

Die Bibel ist auf den ersten Blick vielleicht kein Buch, das mich dazu einlädt, es wie einen Krimi oder einen Liebesroman in einem Stück durchzulesen. Doch wer sie etwas kennt, weiß, dass beides dort zu finden ist: Krimi und Liebesroman. Es war für mich lange Zeit eine Hürde, die Bibel von vorne bis hinten durchzulesen. Doch während meines Studiums wurden mir zwei Situationen geschenkt, die mich dazu ermutigten. Eine davon war, als wir mit unserer Ausbildung für fünf Wochen in Israel zum Bibelstudium waren. Die zweite Gelegenheit eröffnete mir ein Freund, der mit mir im Seminar war und während dieser Zeit zusammen mit einer Gemeinschaft von jungen Erwachsenen die Heilige Schrift in einem Jahr las. Durch ihn kam ich dazu, in den vergangenen Jahren die Heilige Schrift von Januar bis Dezember einmal komplett zu lesen.

Ich staune immer wieder aufs Neue, wie viele neue Perspektiven und Situationen mir beim Lesen auffallen. Beeindruckend finde ich die Art, wie die Menschen der damaligen Zeit ihre Beziehung mit Gott ins Wort brachten. Beim Lesen der Heiligen Schrift ist mir ein Satz, den ich von meinem Vater aus der Kindheit kenne, noch mehr bewusst und präsent geworden. Er hat uns diesen Satz vorgelebt und ich weiß, dass er ihn durch die Bibel verstanden hatte. Denn immer wieder begegnen die Menschen, welche dieses geniale Tagebuch geschrieben haben, der Erfahrung: „Du bist, so wie du bist, wertvoll und geliebt!“

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