Vor Ort · Interview über den heiiligen Philipp Neri und das Laienoratorium „saeculare“
Der „Spaßvogel Gottes“ und seine junge Schar!
von Samuel Bittner · 24.06.2026
Credo: Zu welchem Zweck und wie ist das Laienoratorium entstanden?
Pater Hubertus: Das Laienoratorium gibt es jetzt seit vier Jahren. „Oratorium“ heißt übersetzt „Gebetsraum“. Im Grunde geht es darum einen Raum für Menschen zu schaffen, wo sie in ihrer Beziehung zu Jesus wachsen können, ihre Berufung klären und den ihren eigenen Weg mit anderen zusammen gehen können. Bei unserem ersten Treffen waren vier junge Leute da, jetzt sind es insgesamt 60 – 80, die aber unterschiedlich bei den Treffen andocken.
Credo: Johannes, du warst einer der ersten Vier. Warum bist du beim Oratorium dabei?
Johannes: Für mich war das Oratorium wirklich von Anfang an – wie es Pater Hubertus beschrieben hat – dieser Raum, um im Gebet, aber auch in der Verantwortung innerhalb der Gruppe zu reifen. Über die Jahre sind Freundschaften mit anderen jungen Männern entstanden, die ebenfalls auf der Suche nach ihrer Berufung sind. Wir teilen alle die Freude am Glauben.
Credo: Das Oratorium geht auf den Heiligen Phillipp Neri zurück, der als „Prophet der Freude“ bezeichnet wird. Was können wir von Philipp Neri über die Freude lernen?
Johannes: Philipp Neri hat eine tiefe Freude ausgestrahlt, weil er die Liebe Gottes physisch erlebt hat. Er war dadurch auch für jeden Spaß zu haben, weil er gelernt hat, sich nicht immer selbst so ernst und wichtig zu nehmen.
Pater Hubertus: Philipp Neri ist als „Spaßvogel Gottes“ in die Geschichte Gottes eingegangen. Er war in Rom als heiliglebender Mensch bekannt, wollte aber nicht, dass die Leute ihn verehren. Als bspw. einmal eine Frau vor ihm kam und um seinen Segen bat, hat er ihr die Hände aufgelegt und nach dem Segen ihre Frisur durcheinandergewirbelt.
Die Freude, darauf weist Phillip Neri immer wieder hin, ist keine oberflächliche Karnevalsfreude, sondern sie hat ihre tiefe Wurzel in der Gewissheit von Gott geliebt zu werden. Wenn ich lerne in dieser Gewissheit zu wachsen, dann trägt mich diese Freude auch durch schwierige Zeiten. Wenn wir uns als Oratorium treffen, ist diese Freude spürbar.
Credo: Wie stellt ihr euch eine im Geist des Philipp Neri erneuerte Kirche vor?
Johannes: Was ich in den vier Jahren mitbekommen habe, ist die Zentralität der Beziehung zu Jesus, die für jeden in der Kirche zunächst das Wichtigste sein sollte. Dann geht es darum, dass die Beziehung zu Jesus von jedem Einzelnen auch gepflegt wird und man die Hilfen annimmt, die die Kirche anbietet. Das heißt, die Sakramente zu empfangen, in der Heiligen Schrift zu lesen, in Gemeinschaft zu leben und generell der Kirche treu zu sein.
Pater Hubertus: Was Johannes sagt, ist wirklich der entscheidende Punkt! Wenn wir von Reform der Kirche sprechen, dann denken wir eigentlich immer zuerst an die anderen, an „die da oben“ und an Strukturen. Phillip Neri aber sagt: Das Einzige, was du reformieren kannst und solltest, bist du selbst – dein eigenes Leben. Er war genial darin ein Gespür dafür zu haben, was als Brennholz für dieses innere Feuer für Jesus taugt. Das wäre dann schon der Beitrag zur Erneuerung der Kirche.