Thema · Eucharistie / Heilige Messe

Ein „Gipfelerlebnis“

Was waren bisher besondere Momente, vielleicht „Höhepunkte“ in deinem Leben? Ein Urlaub oder ein lang ersehnter Studien- oder Berufsabschluss? Wenn die Kirche vom Höhepunkt des christlichen Lebens spricht, dann meint sie die Eucharistie.

von Katharina Weiß · 15.07.2020

Bischof feiert Heilige Messe
Heilige Messe mit Weihbischof Florian Wörner bei der Missionarischen Woche in Bad Wörishofen. (Foto: Joshua Golde)

Das zweite Vatikanische Konzil sagt, dass die Eucharistie und damit die Hl. Messe „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ ist (Lumen Gentium 11). Warum? Weil in jeder Hl. Messe gegenwärtig wird, dass Jesus uns erlöst hat, dass er für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist. Dadurch hat er den Weg zu Gott freigemacht.

Doch um die Hl. Messe und die Euchariste als ihren Höhepunkt noch genauer zu verstehen, werfen wir einen Blick auf ihren Ablauf und zwar anhand eines Bildes – von einem Berg.[1]

Eröffnung

Zu Beginn der Hl. Messe machen wir das Kreuzzeichen und drücken damit unsere Zugehörigkeit zu Gott aus. Doch oft verhalten wir uns nicht so. Deshalb folgt der sogenannte Bußakt, bei dem wir Gott um Vergebung bitten. Im Bild des Berges gesprochen: Am Fuße des Berges findet sich oft viel Geröll, das uns den Weg zum Gipfel und zu Gott versperren will. Wir selbst können es nicht wegräumen. Bei schweren Sünden ist eine Beichte nötig, aber es geht auch um die kleinen Dinge, bei denen wir schuldig werden und die uns von Gott trennen. Wir können Gott bitten, dass er sie ausräumt und den Weg zu ihm frei macht.

Fälschlich wird dieser Bußakt oft Kyrie genannt. Doch das Kyrie ist eigentlich ein Jubelruf in der Erwartung des Herrn. Es geht darum, ihn, Jesus Christus, in unserer Mitte zu begrüßen, ihm bewusst diese Zeit der Hl. Messe zu schenken. Nach dem folgenden Gloria und dem Tagesgebet beginnt schließlich der Wortgottesdienst.

Wortgottesdienst

Nun begegnen wir Gott in seinem Wort. Die Lesung stammt aus dem Alten oder Neuen Testament (meist aus den Briefen). Dabei geht es darum, zu erkennen, was Gott Großes in der Geschichte getan hat, wer er wirklich ist bzw. wie der Glaube an Jesus Christus in den Gemeinden gelebt werden kann.

Im Evangelium begegnen wir dann Christus selbst. Oft erhellt das Evangelium die Texte aus dem Alten Testament, sodass wir sie auf Christus hin lesen können.

Im Glaubensbekenntnis sprechen wir unser „Ja“ als Antwort auf die gehörten Texte und als Antwort an Gott. Und diesem Gott darf ich nun auch in den Fürbitten die Anliegen von Kirche und Welt bringen.

Mann blickt auf einen Berggipfel
Bei der Wandlung hat die Heilige Messe ihren „Gipfel" erreicht. (Foto: pixabay)

Eucharistiefeier

Kehren wir zurück zu unserem Bild: Nun steigen wir weiter den Berg hinauf und gelangen zum nächsten Teil: der Eucharistiefeier. Bei der Gabenbereitung bringen wir Brot und Wein zum Altar. Dabei schenken wir Gott auch unser Leben und bitten, dass er zusammen mit Brot und Wein auch unser Leben verwandelt.

Der Höhepunkt der Hl. Messe und damit der Gipfel des Berges ist das Hochgebet mit der Hl. Wandlung. Nach Präfation und Sanctus („Heiliglied“) spricht der Priester die Einsetzungsworte und das Wunder geschieht: Brot und Wein werden zu Leib und Blut Christi.

Im Bild des Berges gesprochen: Auf dem Gipfel schon über den Wolken ist das Hochgebet mit der Wandlung verortet. Es ist der Moment, in dem sich Himmel und Erde verbinden, der Moment, in dem Jesus Christus „hinabsteigt“ und das Brot sich in seinen Leib verwandelt. Die Hl. Messe verbindet auch deshalb Himmel und Erde, weil wir im Hochgebet besonders für die irdische Kirche (Papst, Bischof…), aber auch für die Verstorbenen beten und darauf vertrauen, dass wir einmal mit allen Heiligen im Himmel vereint sein werden.

Nach dem „Vater unser“ und dem „Agnus Dei“ (Lamm Gottes) kommt der Moment der Hl. Kommunion. Hier darf ich Jesus spürbar begegnen und seine Gegenwart erfahren.

Abschluss

Nach Schlussgebet und Segen sagt der Priester: „Gehet hin in Frieden“, im Lateinischen:„Ite, missa est“ – genauer übersetzt: „Geht, ihr seid gesendet“. Das heißt: Wir sind durch den Segen Gottes für unseren Alltag gestärkt und nun ausgesandt.

Ein letzter Vergleich mit dem Berg: Nach der Hl. Messe geht es nicht wieder ganz ins Tal zurück. Wir sind am Ende ein gutes Stück höher, d.h. näher bei Gott. Nun ist unsere Aufgabe, den Segen der Hl. Messe hinauszutragen in unsere Umgebung, damit sie immer weniger aus Geröll besteht, sondern durch die Liebe Gott sozusagen zum „Blühen“ kommt.

Nach der Hl. Messe hat sich etwas verändert. Und so ist sie nicht nur Höhepunkt, sondern auch Quelle des ganzen christlichen Lebens. Denn aus ihr dürfen wir immer wieder schöpfen, für uns und unsere Umgebung.

[1] Vgl. dazu Sr. Barbara Haid: Mein Weg zur heiligen Kommunion, 3. Aufl. Neusäß 2007, S. 31.