Vor Ort · Berufswahl

Was um Himmels willen soll ich studieren?

Das mit der Berufsorientierung ist so eine Sache. Manche wissen schon von klein auf genau, was sie werden wollen, bei manchen kristallisiert es sich während der Schulzeit heraus. Andere tun sich da etwas schwerer – wie Credo Autorin Elena. Die 19-jährige Allgäuerin hat sich während ihres Bundesfreiwilligendienstes in der Katholischen Jugendstelle Kaufbeuren intensiv mit der bevorstehenden Veränderung beschäftigt. Dabei hat sie Unsicherheiten und Druck, aber auch Zuversicht erlebt.

von Elena Osterried · 28.07.2021

Illustration: junge Frau auf einem Bücherstapel blickt in die Ferne
Fertig mit der Schule – und dann? Nach dem Abschluss steht erstmal der Blick in eine ungewisse Zukunft. Illustration: © jozefmicic – stock.adobe.com

Bei der Berufswahl gibt es heutzutage unzählige Möglichkeiten. Nach der Schule steht einem die ganze Welt offen. Darüber bin ich sehr froh. Aber das macht es auch wahnsinnig schwer, aus dem vielfältigen Angebot das Richtige auszuwählen. Mein Problem ist: Ich habe sehr viele unterschiedliche Interessen. Naturwissenschaftlich, technisch, künstlerisch, kreativ, sozial, pädagogisch, … Lange Zeit wusste ich nicht, was ich werden will. Ich habe auf vielerlei Art und Weise versucht, das herauszufinden.

Welches Studium vereint alle meine Interessen?

Viele Abende habe ich recherchiert und mir den Kopf darüber zerbrochen, welcher Beruf der richtige für mich ist. Dabei kam ich zu den verschiedensten Ergebnissen: Tiermedizin, Maschinenbau, Architektur, Astrophysik, Lehramt und vieles andere war dabei. Daraufhin habe ich verschiedene Praktika gemacht, um festzustellen, dass keiner von diesen Studiengängen alle meine Interessen vereint. Das ist aber quasi unmöglich – wie ich nach vielen Pro-und-Contra-Listen und tiefgründigen Diskussionen mit Freunden und Familie festgestellt habe.

Manche verstehen mein Dilemma nicht und machen Witze: „Und, welcher Traumberuf ist es diesmal?“ Denn natürlich interessiert es auch meine Freunde, Verwandten und Bekannten, wie es bei mir weitergehen soll. Dadurch habe ich mir mehr Druck gemacht als nötig, weil ich dachte, ich muss mich endlich festlegen. Ich möchte ihnen nicht wieder sagen müssen: „Ich bin mir nicht sicher, ich kann mich nicht entscheiden …“

Ein Jahr Pause – Zeit für die Berufsfindung

Nach der Schule wollte ich erst einmal ein Jahr Auszeit nehmen. Meine Pläne eines Auslandsjahres wurden leider von Corona durchkreuzt. Durch den Gemeindeassistenten meiner Heimatpfarrei bin ich dann auf die Stelle als Bundesfreiwillige an der Katholischen Jugendstelle in Kaufbeuren aufmerksam geworden. Nach kurzer Überlegung war ich der Überzeugung, dass das genau das Richtige für mich ist. Dieses Jahr wollte ich zur Berufsorientierung nutzen und herausfinden, in welche Richtung es gehen soll. Die vielseitigen Einblicke und Erfahrungen in Pastoral und Jugendarbeit sind eine echte Bereicherung für mich. Durch die Aufgaben, die sich an meinen Interessen orientieren, wurde der Prozess der Berufsfindung gefördert und so glaube ich, dass ich meiner Entscheidung schon ziemlich nah bin.

Im Vertrauen auf Gott die nächsten Schritte gehen

Wichtig ist für mich vor allem die Erkenntnis, dass ich auf Gott vertrauen kann. Diese Gewissheit nimmt mir auch den Druck, den ich mir selbst gemacht habe. Ich kann jetzt freier und unbeschwerter die nächsten Schritte gehen und dadurch auch mit Rückschlägen besser umgehen, zum Beispiel mit einer erfolglosen Bewerbung um einen Studienplatz oder der Feststellung, dass der vermeintliche Traumberuf doch nicht der richtige ist. Ich weiß, dass ich meinen Weg mit Gottes Hilfe gehen werde. Vielleicht musste genau das passieren, damit ich am Ende meine Berufung finde.

Generell bin ich Veränderungen gegenüber sehr offen. Aber speziell vor dieser Veränderung habe ich mir sehr viele – vielleicht zu viele – Gedanken gemacht. Was ich studieren werde, weiß ich zwar immer noch nicht ganz genau. Aber mit dem Vertrauen auf Gott kann ich mutig die nächsten Schritte gehen.

Credo-Autorin Elena Osterried
Credo-Autorin Elena. Foto: privat