Vor Ort · Katholische Identität

„In der katholischen Kirche können alle ihren Platz finden“

Als Ministrantin schon von Kindheit an mit der Kirche verbunden, ist Bernadette Ruppauer heute in der Jugendarbeit der SchönstattMJF aktiv und im Team des Nightfever Kempten. Die 21-Jährige kommt ursprünglich aus dem Allgäu und macht gerade eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und dual ein Pflege-Studium in München. Bernadette erzählt uns in unserer Reihe „3 Fragen an“, warum sie in der katholischen Kirche geblieben ist und was ihre Brille mit dem Sakrament der Beichte zu tun hat.

von Simone Zwikirsch · 06.08.2020

Junge Frau mit braunen Haaren und großer Brille mit Femme-Pullover.
Bernadette Ruppauer. Foto: privat

Was liebst du an der katholischen Kirche?

 In meiner Ausbildung habe eine freikirchliche Freundin kennengelernt, mit der ich viel über Gott, Ökumene und vor allem die Frage „Was ist Wahrheit?“ geredet habe. Dadurch bin ich auch sehr darüber ins Nachdenken gekommen, welche Konfession und Kirche Gott wohl am besten „gefällt“ und wo ich ihn am besten kennenlernen und ihm nachfolgen kann. Immer wieder spielte ich auch mit dem Gedanken, aus der katholischen Kirche auszutreten und Teil einer freikirchlichen Gemeinde zu werden.

Aber irgendwann wurde mir bewusst, dass Gott größer als Konfessionen ist und er sich etwas dabei gedacht haben muss, als er mich in einer katholischen Familie aufwachsen ließ. Und so machte ich mich daran, die katholische Kirche und ihre Schätze neu für mich zu erobern.

Die katholische Kirche hat mir seit meiner Kindheit verschiedenste Wege gezeigt, eine lebendige Beziehung zu Gott aufbauen und durch ihre Lehre kann ich immer wieder neue Facetten von ihm entdecken. In ihr haben auch die Heiligen eine wichtige Stellung inne, welche mir als konkrete Vorbilder im Glauben und im Alltag dienen. Was ich zudem als Segen erlebe, ist die Tatsache, dass in der katholischen Kirche alle ihren Platz finden können: egal ob man kontemplativ oder charismatisch veranlagt ist, egal ob man sich eher in der Gemeinde oder in einer Gemeinschaft engagieren möchte, egal ob man Gott hauptamtlich, ehrenamtlich oder lieber „im Stillen“ dienen will.

Ich liebe die katholische Kirche, weil sie (m)eine Glaubensheimat ist, welche die ganze Welt umspannt.

Würde dir was fehlen, wenn du die Sakramente nicht hättest?

Ganz einfache Antwort: Ja.

Denn die Sakramente sind für mich ein Ausdruck dafür, wie unendlich groß Gottes Liebe und Güte sind. So hat er mir zum Beispiel durch meine Taufe gezeigt, dass er mich schon geliebt hat, als ich noch nicht einmal wusste, wie man „Liebe“ buchstabiert, geschweige denn was dieses Wort bedeutet. Und dass er bei jeder Heiligen Messe erneut für mich und meine Sünden stirbt, ist für mich immer wieder ein Beweis, wieviel ich ihm wert bin.

Gibt es ein Sakrament, das für dich (gerade) besonders bedeutsam ist? Warum?

Ich bin Brillenträgerin. Leider eine von denen, die immer mal wieder vergessen, ihre Gläser zu reinigen. Aber sobald ich meine Brille nach einem gründlichen Waschvorgang wieder auf die Nase setze, bin ich so begeistert davon, wie gut ich mit ihr sehen kann und dass ich alle Farben und Formen wieder klar und ohne verschmierte und staubige Stellen erkennen kann.

Diese kleine Begebenheit ist ein unvollkommenes Beispiel für das, was ich in der Beichte erleben darf. Denn genau, wie die Brille mit der Zeit immer schmutziger wird, so ergeht es auch meiner Seele: Mit jedem verletzenden Wort, das ich an jemanden richte, mit jedem negativen Gedanken, den ich über mich ausspreche oder mit jeder Gelegenheit, in der ich in irgendeiner Form hinter dem Ideal „Liebe“ zurückbleibe, wird sie ein kleines bisschen weniger lichtdurchlässig und es bilden sich langsam dunkle Stellen.

Doch sobald ich den Mut aufbringe, mich diesen dunklen Flecken zu stellen und damit meine ganzen Sünden vor Gott auszubreiten, sagt er mir, dass er alle davon bis ins kleinste Detail kennt und dass er mich trotzdem liebt und mir alles vergibt. Dieser tiefe Frieden, den ich dadurch verspüre, ermutigt mich immer wieder, sein Geschenk der Versöhnung anzunehmen und so wieder den klaren Blick auf ihn und mein Leben zu erhalten.