1.Was bedeutet dir die frohe Botschaft der vergebenden Liebe Gottes? Hast du schon mal eine befreiende Erfahrung in der Beichte gemacht?
In erster Linie ist es für mich eine große Entlastung, zu wissen, dass es einen Gott gibt, der es gut mit mir meint und jederzeit bereit ist, mir zu vergeben. Ich finde es tröstlich, dass ich meine Fehler, Eigensinnigkeiten, oder allgemein gesagt, meine Sünden, offen und ehrlich mit Jesus besprechen kann. Denn dann kann das, was zwischen uns steht auch ausgeräumt werden.
Zugegeben, mit dem Begriff „Sünde” konnte ich lange Zeit nicht viel anfangen und auch heute fällt es mir noch schwer, für dieses Thema passende Worte zu finden. Das liegt wahrscheinlich einfach in der Natur der Sache. Wer beschäftigt sich schon gerne mit den Löchern und schwarzen Flecken auf seiner vermeintlich weißen Weste? Konkret erinnere ich mich an zwei Beichten, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind.
Zum einen meine erste Beichte vor meiner Erstkommunion. Das dürfte um die 20 Jahre her sein. Danach fühlte ich mich innerlich so frei, dass ich das Gefühl hatte, körperlich leichter zu sein. Den restlichen Tag war ich voll aufgedreht und nur noch am rumflitzen.
Meine zweite, markante Beichte, war in meinen Teenager-Jahren. Ich hab mich mit einem Thema rumgeschlagen, bei dem ich von meinem Gewissen her wusste, dass es falsch war. Jedoch habe ich mich nie getraut habe, das in der Beichte zu erwähnen. Auf einem „Catholic Summer Festival“ der „JUGEND 2000“ (damals hieß es noch „Internationales Prayer Festival“) habe ich mich dann dazu durchgerungen und es in der Beichte angesprochen. Ich hatte einen Vortrag darüber erwartet, wie schlimm die Sache sei und dass ich mich anstrengen müsste, mich da zu bessern. Der Priester ging jedoch gar nicht so sehr auf diesen Punkt ein. Er machte mir bewusst, dass doch das Wichtigste sei, all diese Sachen, die mich bedrücken und meine Seele belasten, Jesus persönlich in der Beichte zu bringen und ihn da um Verzeihung zu bitten. Dann gab er mir noch einen kleinen, nützlichen Tipp mit auf den Weg und dann war es auch schon vorbei. Das hat mir wesentlich dabei geholfen, gut damit umzugehen und daran zu arbeiten.
2. Warum lohnt es sich nach einer Verletzung anderen Menschen zu vergeben? Was hat dir dabei geholfen?
Ich denke, Vergebung ist der einzig sinnvolle Weg, wenn man andere Menschen verletzt hat oder selbst verletzt wurde. Für mich bedeutet „Vergebung“, das Erlittene dem anderen nicht mehr nachzutragen. Vergebung ist ein Prozess und eine Entscheidung. Er passiert nicht von heute auf morgen und auch nicht von selbst. Je weniger ich vergebe, desto mehr trage ich wortwörtlich dem anderen oder mir nach und schleppe es mit mir herum.
Dieses Thema mache ich mir auch gern bildlich greifbarer. Vergebung ist wie das Versorgen und Heilen einer Wunde. Je nach Schwere der Verletzung muss man sich meist länger, oder weniger lang darum kümmern bzw. immer wieder sich selbst oder anderen die Vergebung zusprechen. Metaphorisch ausgedrückt ist ein blauer Fleck meist nicht so schlimm und mit einem „Passt schon!“ abgehandelt. Ein offener Bruch braucht jedoch intensive Pflege und heilt auch nicht so schnell. Selbstverständlich geht man zunächst vorsichtiger und sorgsamer miteinander um, wenn die Wunde (Thematik) wieder berührt wird. Es ist jedoch keine Lösung, sich gar nicht um die Wunde zu kümmern oder, noch schlimmer, an dem Wundschorf zu kratzen, wenn es mal wieder juckt. Denn dann verschlechtert sie sich zusehends, bis es so schlimm wird, dass man die Verletzung betäubt oder jegliche Belastung (bzw. Kontakt) vermeidet.
Tatsächlich ist hier die Beichte für mich eine Übung, wie ich bei meinen Mitmenschen um Verzeihung bitten kann. Dafür mussten mir jedoch erst noch drei Dinge über die Beichte klar werden. Erstens: Ich erzähle meine Sünden nicht dem Priester, sondern Jesus selbst. Zweitens: Ich kann mit Jesus genau so reden, wie mit meinen Freunden, denn Jesus hat uns ausdrücklich Freunde genannt (Joh 15,15). Drittens: Jesus meint es uneingeschränkt gut mit mir. Wenn er sogar Prostituierten, Schwerverbrechern und Mördern mit liebevoller Barmherzigkeit begegnet ist, erwartet mich von seiner Seite keine Standpauke, wenn ich ihn um Verzeihung bitte, sondern dankbare Freude, Annahme und Vergebung. So lerne ich durch seine unendliche Vergebung und Annahme, Stück für Stück, wie ich mir selbst verzeihen und mich annehmen kann und schöpfe daraus die Kraft, dasselbe auch meinem Nächsten gegenüber zu tun.
3. Wurde dir schon mal vergeben? Was hat das mit dir gemacht?
Regelmäßig. Der Klassiker bei mir: Bei Freunden läuft mir eine Diskussion aus dem Ruder, oder ich habe einen Termin vergessen, oder mich verplant. In all dem ist ein Wunderbares Konfliktpotenzial. Ich darf mich jedoch glücklich schätzen, dass mein Freundeskreis hier sehr nachsichtig mit mir ist und das Problem dann meist gleich oder am Tag darauf aus der Welt geschafft wird. Das macht unser Miteinander locker und entspannt, denn man weiß: Wenn es einen Fehltritt gibt, ist die Versöhnung nur ein Gespräch entfernt.