Thema · Ein Zeugnis

Ministrantengruppe als Hoffnungsort

Benjamin Nägele ist seit 17 Jahren Oberministrant in der Pfarrei St. Alexander und Theodor in Ottobeuren. Mit großer Leidenschaft setzt er sich dafür ein, die christliche Hoffnung seiner Ministrantengruppe zu stärken – eine Hoffnung, die über das irdische Leben hinausgeht.

von Benjamin Nägele · 12.08.2025

Benjamin Nägele überreicht Papst Franziskus Geschenke in der Audienzhalle im Vatikan (2017). Foto: Pressestelle Vatikan, mit freundlicher Genehmigung.

Für mich ist die grundlegende Mission der Kirche, Menschen, die auf der Suche nach Gott sind, eine Heimat zu geben. Die Kirche schenkt ihnen außerdem Hoffnung – die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles endet, sondern dass wir durch die Auferstehung Jesu selbst zum neuen Leben auferstehen werden. Diese Botschaft ist der Kern unseres Glaubens. Wer das verstanden hat, wendet sich nicht von der Kirche ab, sondern engagiert sich ehrenamtlich und / oder nimmt die vielfältigen Angebote der Kirche dankbar an.

Katholisch geprägte Kindheit

Ich selbst bin in einer katholischen Familie aufgewachsen, in der unser Alltag stark vom Glauben geprägt war. Morgens bauten meine Geschwister und ich einen kleinen „Altar“ aus Büchern und Tüchern auf. Kurz bevor unser Vater zur Arbeit ging, starteten wir als Familie gemeinsam mit einem Gebet in den Tag. Auch abends beteten wir vor dem Schlafengehen zusammen mit unseren Eltern.

Zu Hause spielten wir oft die Heilige Messe nach und freuten uns jedes Mal sehr auf den Sonntagsgottesdienst. Vor der Messe lasen wir immer das Evangelium des Tages, um gut auf den Gottesdienst vorbereitet zu sein. Diese Erfahrungen in meiner Kindheit haben meinen Glauben tief geprägt. Nach meiner Erstkommunion war für mich klar, dass ich unbedingt Ministrant werden wollte.

Als Oberministrant Hoffnung stärken

Das Ministrieren wurde schnell zu meiner großen Leidenschaft. Acht Jahre später, im Jahr 2008, wurde ich schließlich zum Oberministranten gewählt. Seitdem leite ich gemeinsam mit einem Team die Ministrantengruppe in Ottobeuren. Diese Aufgabe ist mir ein großes Herzensanliegen. Neben Gemeinschaftsaktionen und Spielen sprechen wir mit den Kindern und Jugendlichen über den Glauben. Als Oberministrant ist es für mich eine zentrale Aufgabe, Menschen, die zweifeln oder viele Fragen haben, dabei zu helfen, durch den Glauben an Jesus Christus Halt und Zuversicht für ihr Leben zu finden. Das ist gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig.

Durch den Ministrantendienst lernen die Kinder und Jugendlichen elementare Werte für ihr Leben kennen. Ganz konkret nutzen wir vor Gottesdiensten und während Ministrantenstunden aber auch die Bibel. So geben wir den Messdienern oft einen Vers mit auf den Weg, wie zum Beispiel Johannes 8,12: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Unsere Sehnsucht ist es, dass diese Worte sie dazu anregen, über ihren persönlichen Glauben an Jesus nachzudenken, ihm näherzukommen und die Liebe Gottes in ihren Herzen zu spüren, sodass sie immer mehr vom Feuer des Heiligen Geistes erfüllt werden.

An Hochfesten sind in Ottobeuren oft mehr als 20 Ministranten am Altar im Einsatz. Das zeigt, dass wir nicht allein, sondern mit vielen anderen und Jesus Christus persönlich unterwegs sind. Als Gruppe haben wir schon viele verschiedene Wallfahrten unternommen, unter anderem nach Rom und Turin. Für mich war es ein besonderes Erlebnis, Papst Franziskus während einer Audienz im Vatikan zu treffen und mit ihm zu sprechen. Er hat mich dazu ermutigt, weiterhin für die Ministranten in Ottobeuren da zu sein. Gerade solche Fahrten und die damit verbundene Gemeinschaftserfahrung tragen dazu bei, dass die innere Hoffnung jedes Einzelnen spürbar größer wird.

Oberministrant Nägele spricht beim Ministranten Sommerfest vor seinen Ministranten im Westhof des Benediktinerklosters Ottobeuren. Foto: Manuel Nägele.

Ministrieren als Pilgerfahrt in den Himmel

Das Schöne am Ministrieren ist, dass wir im wahrsten Sinne des Wortes dienen. Wir bringen die Gaben von Brot und Wein zum Altar und unterstützen den Priester, der stellvertretend für Christus die Wandlungsworte spricht. Wir sind ganz nah dabei, wenn die Hostie in den Leib Christi und der Wein in das Blut Christi gewandelt werden. Ich selbst spüre bei der Feier der Eucharistie eine große Freude und Hoffnung, denn ich glaube fest daran, dass Jesus Christus in diesem Sakrament zu mir kommt. Er möchte mit mir durchs Leben gehen, auch wenn es mir mal nicht gut geht und ich verzweifelt bin. Jesus ist immer bei mir. Darauf vertraue ich.

Die Feier der Heiligen Messe ist eine tiefe Quelle in unserem Leben. Die grundlegende Hoffnung für uns Ministranten sowie für alle Gottesdienstbesucher ist, dass wir durch das Gebet und die Feier der Sakramente am Ende unseres Lebens in das ewige Leben eingehen werden, in dem Frieden und Glückseligkeit herrschen. Durch das gemeinsame Gebet können wir in dieser Hoffnung wachsen. Der Ministrantendienst ist daher wie eine Pilgerfahrt, die uns Schritt für Schritt unserem wahren Zuhause näherbringt: dem Himmel.