Thema · Umfrage unter diözesanen Jugendgruppen und Schülern

Meinungs- und Bekenntnisfreiheit unter jungen Katholiken

Um die Meinungsfreiheit ist es auch in unseren Breiten nicht gut bestellt, wie zuletzt Papst Leo XIV. in seiner Neujahrsansprache ausführte. Teil dieser Frage ist, wie frei man in Deutschland seinen Glauben bekennen kann, ohne dafür Nachteile zu erfahren. Dazu haben wir um die Jahreswende 2025/26 eine Umfrage unter jungen Katholiken durchgeführt.

von Raphael Schadt · 22.01.2026

Symbolbild: Der Mund der jungen Frau wird mit einem Zensor verpixelt. Bild: stock.adobe.com, Look!; Bearbeitet Credo-Redaktion.

Was erleben junge Katholiken, wenn sie ihren Glauben heute bekennen? Ist es heute tatsächlich tabu, öffentlich über seinen Glauben bzw. über Glaubenserfahrungen zu sprechen? Halten junge Menschen in Schule, Uni und der Arbeitswelt mit ihrem Glauben hinterm Berg? Oder sprechen sie offen und unbekümmert?

Wer hat teilgenommen?

Die Anfrage zur Teilnahme an unserer Umfrage ging an alle Ansprechpartner der Jugendstellen und Jugendgemeinschaften im Bistum Augsburg raus. Hinzu kamen einige wenige Religionslehrer an Schulen des Bistums Augsburg. Mitgemacht haben letztlich 64 junge Menschen, 32 männlich, 32 weiblich und im Schnitt 24,2 Jahre alt. 58 davon waren katholisch, zwei mit anderem christlichen Bekenntnis, eine Person mit anderer Religion und eine ohne. 

Aus den Umfragen liessen sich drei Gruppen herausarbeiten, die einen interessanten Kontrast zueinander aufweisen: a.) Studenten, die über Jugendstellen oder Jugendgemeinschaften erreicht wurden, b.) Junge Menschen in weltlichen Berufen, die über Jugendstellen oder -gemeinschaften erreicht wurden und c.) Schüler kirchlicher Schulen, die teilweise über Jugendstellen und -gemeinschaften, aber vor allem direkt über ihre Religionslehrer teilgenommen haben.

Wo stehen unsere Umfrageteilnehmer kirchlich und welche Werte halten sie hoch?

Um grob einzuschätzen, mit wem wir es zu tun haben, wurden Aussagen zur christlichen Identität, zum geistlichen Leben, sowie zu konservativen bzw. „liberalen” Werten vorgeschlagen. Vier davon sind in grauer Schrift im Schaubild abgebildet. „Ich bin in einer Gemeinschaft von Gläubigen engagiert.” sowie „Ich bete regelmäßig“. Hier wird bereits ein deutlicher Kontrast sichtbar zwischen diözesanen Jugendgruppen und Schülern katholischer Schulen. Erstere stimmen quasi voll zu, schließlich erfolgt die Teilnahme über eine diözesane Gemeinschaft. Letztere engagieren sich erwartungsgemäß weniger kirchlich und beten weniger.

Mit Blick auf die Aussagen zu traditionellen Werten „Tradition, Familie, Lebensschutz” fiel die durchweg starke Übereinstimmung auf. Deutlich unterschiedlich fiel die Zustimmung bei „Gender*- und Geschlechter*gerechtigkeit” aus. Obwohl es bei den katholischen Studenten eine starke Streuung gab, es also sowohl Ablehnung als auch Befürwortung gab, fiel das Verhältnis im Mittelwert neutral aus. Die Option „neutral” oder „egal” konnte übrigens bei keiner der Fragen angeklickt werden, sondern lediglich „volle” Zustimmung oder Ablehnung oder „eher” Zustimmung oder Ablehnung. Werktätige Katholiken lehnten das Gender-Thema durchschnittlich viel deutlicher ab. Die Gruppe mit Schülern, die überwiegend über Religionslehrer teilnahmen, fanden das Thema dagegen wichtig.

Schaubild: Credo-Redaktion. Von den 34 gestellten Fragen aus dem Fragebogen sind hier 13 besonders kontrastierende Fragen aufgeführt.

Auftrag zum Bekenntnis

Im Hauptteil der Umfrage gab es Aussagen – neun davon im Diagramm – zum Bekenntnisverhalten, zum Erleben beim Bekenntnis und zum Verständnis des Auftrags zum christlichen Bekenntnis. Die Aussage „Wer Christus bekennt, zu dem bekennt er sich.” (vgl. Mt 10, 32f) schien uns zu fragen sinnvoll, um zu einen Endruck zu bekommen, wer mit dem Missionsauftrag Christi vertraut ist. Denn wer von keinem Bekenntnisgebot weiss, wird es sich a.) höchstwahrscheinlich nicht zu eigen machen, noch b.) das Problem verstehen, diesem nicht folgen zu dürfen oder zu können. Disclaimer: Obgleich es nach unserem Verständnis beim Bekenntnis, Mission, Evangelisierung etc. keineswegs darum geht, Menschen den Glauben aufzudrängen oder gar aufzuzwingen, so geht es doch darum, ihnen Christus und das Evangelium anzubieten, wie es auch in der nächsten Aussage heisst.

Anhand der Aussage: „Jesus, den Retter, muss man Leuten anbieten.” sollte deutlich werden, wie sehr sich die Teilnehmer das Bekenntnisgebot zueigen gemacht haben. Hier lässt sich zusammenfassen: Junge Katholiken der Jugendgruppen a. und b. wussten von einem Bekenntnisgebot und stimmten überwiegend darin überein, dass man Christus den Menschen anbieten müsste. Bei der Gruppe c. mit Schülern bestand schon deutlich weniger Bewusstsein für ein christliches Bekenntnisgebot und folglich auch eher Ablehnung gegenüber einem Missionsauftrag.

Formen des Bekenntnisses

Um herauszufinden wie stark junge Menschen ihren Glauben bekennen, boten wir drei Aussagen an: ”Ich bekenne meinen Glauben öffentlich, etwa durch Tischgebet, Kreuzschmuck, Kleidung mit Christlichen Symbolen etc.”, „Ich habe gute Erfahrungen gemacht, wenn ich über meinen Glauben spreche” und „Ich brenne für Jesus und Leute fragen mich, wie und wo sie Jesus kennenlernen können” – im Schaubild abgekürzt mit „Menschen frage mich nach Jesus”. Erstaunlich ist, dass fast alle Teilnehmer angaben, positive Erfahrungen gemacht zu haben, wenn sie über ihren Glauben sprechen.

Da über den Glauben zu sprechen hier sehr viel Verschiedenes bedeuten kann, von unverfänglichen bis hin zu äußerst sperrigen Aussagen, lässt sich noch keine Unbedenklichkeit ableiten, sich klar katholisch zu bekennen. Grundsätzlich scheint es aber unproblematisch über allgemein Spirituelles zu sprechen, anders als man es etwa unter sozialistischen Regimen erwartet hätte. Wenn es allerdings darum geht, Christus öffentlich zu bekennen, durch Tischgebet oder Kleidung mit christlichen Symbolen, Kreuzen etc. sind die Werktätigen jungen Katholiken am freiesten damit.

Drohen Nachteile, wenn man über seinen Glauben spricht?

Zur Frage der Benachteiligung wurden drei Aussagen angeboten: „Ich erwarte negative Reaktionen auf mein Bekenntnis” bzw. „Ich habe schon Benachteiligung erlebt, die ich auf meine religiöse Position zurückführe” sowie „Ich will mit meiner Religion nicht auffallen, sondern in der Schule/Uni einfach dazugehören”. Mit der Aussage zu Benachteiligung stimmten Schüler christlicher Schulen am wenigsten überein. Gerade weil unter Schülern der größte Konformitätsdruck angenommen werden kann, scheinen die Angaben hier besonders interessant ohne an dieser Stelle weiter spekulieren zu wollen. Gleichzeitig war der Wunsch, mit Religion nicht aufzufallen, bei ihnen im Verhältnis am größten.

Diskriminierung erlebt zu haben bzw. zu befürchten, wurde unter der Gruppe der Studenten am meisten angegeben. Obgleich auch dort knapp die Hälfte dies eher oder klar verneinte: Immerhin gut die Hälfte stimmt dieser Aussage eher bzw. voll zu. Das erscheint nicht unbedeutend. Hier wäre sicher interessant noch weiter nachzuforschen, wo sich diese negativen Erfahrungen verdichten.

Medien

Obwohl die Reaktionen zur Aussage „Medien zeichnen ein positives Bild von meinem Glauben/meiner Religion und lassen sie gut aussehen” von durchwachsen bis ablehnend reichten, gab es für diese Aussage bei Studenten am wenigsten Zustimmung. Bei ihnen war der Eindruck, von Medien mit ihrer Religiosität in ein schlechtes Licht gerückt zu werden am stärksten. (Die logisch berechtigte Option, dass Medien Religion erst gar nicht abbilden sei hier einmal aussen vor gelassen.)

Fazit

Zunächst einmal: Die Anzahl jener, die sich hart „verfolgt” wähnten, war vernachlässigbar und kommt daher auch nicht im Schaubild vor. Vielmehr gab ein Großteil an, bei Gesprächen über ihren Glauben positive Erfahrungen gemacht zu haben. Allerdings, während die Werktätigen aus jenen Jugendgruppen in ihrem Bekenntnis freier und unabhängiger zu sein schienen, durchaus bereit, ihren Glauben zu bekennen, wenn auch etwas weniger „virulent” als die Gruppe der Studenten, waren letztere jene, die am stärksten einen gesellschaftlichen Gegenwind gegen ihre Religion bzw. ihren Glauben zu spüren angaben. Das fällt vor allem in der „Westkurve” des Schaubildes auf. Gerade weil diese Gruppe standesgemäß intensiver in den intellektuellen bzw. ideologischen Austausch geht – was sonst bedeutet es, zu studieren? – müsste diese Entwicklung aufhorchen lassen.

Unsere mit 64 Teilnehmern zugegebenermaßen mäßig repräsentative Umfrage deutet aber zumindest an, dass in der ideologischen Auseinandersetzung christliche Positionen an Universitäten herausgefordert sind und gläubige Studenten sich wegen ihres Bekenntnisses diskriminiert fühlen. In welchen Situationen sich das konkret niederschlägt, wäre Gegenstand einer anderen Untersuchung. Jedoch weisen auch unser Interview mit Emina sowie etwa „Self-Censored”, ein Dokumentarfilm von „Observatory on Intolerance and Discrimination Against Christians in Europe” in eine ähnliche Richtung.

Darüber könnte man nun jammern. Allerdings hat Christus auch nicht verheissen, dass diejenigen, die ihm Nachfolgen auf die Schulter geklopft bekommen würden. (vgl. Mt 5,12)

Ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgemacht haben!

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