Thema · 3 Fragen an … Kirill Reisch
An Gott glauben ohne festes Bekenntnis
von Samuel Bittner · 13.11.2025
Credo: Kirill, du arbeitest bei der Kirche. Das allein ist schon eine Art Bekenntnis. Was bedeutet es dir? Hast du zudem eine persönliche (christliche) Überzeugung oder bist du noch unentschlossen?
Ich glaube zwar an Gott, würde mich aber nicht als besonders fromm bezeichnen. Vor allem die Vorstellung, dass das Leben nach dem Tod weitergeht, und der Grundsatz der Nächstenliebe geben mir Kraft und Geborgenheit für den Alltag. Für mich ist der Glaube etwas zutiefst Persönliches und eine wertvolle Ressource. Ich denke, dass der Glaube auch anderen Menschen Halt geben kann, aber ich möchte niemanden offensiv davon überzeugen, an Gott zu glauben. Gleichzeitig bin ich sehr weltoffen. Ich interessiere mich für andere Religionen und finde es spannend, wie Menschen auf ganz unterschiedliche Weise nach Sinn suchen. Die Kirche ist für mich ein Ort, an dem solche Fragen Raum bekommen. Deshalb sehe ich meine Arbeit hier nicht nur als Job, sondern auch als Möglichkeit, selbst etwas Neues zu lernen.
Für mich war die Arbeit bei der Kirche zunächst vor allem ein spannender Versuch: Wie ist es, in einem Umfeld zu arbeiten, das für viele Leute etwas sehr Traditionelles hat? Ich studiere Medien- und Kommunikationswissenschaften und bin mit Social Media aufgewachsen. Auf den ersten Blick scheint es vielleicht nicht zusammenzupassen, dass ich in einem kirchlichen Haus arbeite. Aber genau das finde ich interessant: die Verbindung von Tradition und Moderne. Gerade weil die Kirche nicht nur aus „alten Strukturen“ besteht, sondern auch immer wieder neue Wege sucht, um Menschen zu erreichen – Credo ist da das beste Beispiel.
Credo: Was sagen deine Freunde und deine Familie dazu, dass du in der Kirche arbeitest?
In meinem Umfeld gibt es keine großen Vorurteile oder Bedenken. Meine Freunde sind unterschiedlich religiös geprägt – manche mehr, manche weniger. Sie glauben schon an einen Gott, aber ähnlich wie ich nicht spezifisch an den Gott, den das Christentum vermittelt. Wenn ich erzähle, dass ich bei der Kirche arbeite, sind die meisten erst einmal überrascht. „Hm, du arbeitest bei der Kirche? Was machst du da?“ ist meist die erste Reaktion. Viele haben ein bestimmtes Bild im Kopf, das nicht so richtig zu mir passt.
Sobald ich dann aber erkläre, was ich eigentlich mache – nämlich Social Media, Kommunikation und die Aufbereitung von Inhalten –, kommt immer ein „Ah, klar! Das passt zu dir. Da hilft es dir sicher, dass dir das Thema aus deinem Studium und Alltag schon vertraut ist.“ Niemand verurteilt mich dafür, dass ich bei der Kirche arbeite. Für diese Menschen ist es eher etwas Unerwartetes und oft auch ein positiver Gesprächsstarter.
Credo: Hat dich dein Bekenntnis schon einmal etwas gekostet? Hast du Gegenwind bekommen?
Ehrlich gesagt bisher kaum, weil der der christliche Glaube für mich nicht so stark ein Bekenntnis ist, das ich argumentativ gegenüber anderen Sichtweisen verteidigen muss. Ich bin generell jemand, der Konflikten lieber aus dem Weg geht. Durch meine Arbeit in der Kirche entstehen zwar immer wieder kurze Gespräche über Religion, die ich aber meist als bereichernd und sehr positiv erlebe. Manchmal werde ich gefragt: „Laufen bei euch alle in Roben herum?” oder: „Musst du dann auch mehrmals am Tag beten?” Ich nehme das mit Humor und nach einer kurzen Erklärung ist das Thema meistens schnell geklärt.
Insgesamt sehe ich meine Tätigkeit bei Credo als eine Erfahrung, die mir persönlich viel gibt: Sie schenkt mir neue Perspektiven, spannende Einblicke und das Gefühl, dass Kirche auch ein Ort gelebter Offenheit und Akzeptanz sein kann.