Thema · Weihbischof Wörner zur Romreise mit jungen Erwachsenen
„Kaum jemand kommt so zurück, wie er hingefahren ist“
von Raphael Schadt · 24.07.2025
Credo: Herr Weihbischof, Sie sind bei der Romwallfahrt mit der „Jugend 2000“ dabei. Was werden die jungen deutschen Pilger dort erleben und wie wird die Wallfahrt Ihrer Einschätzung nach deren Leben und deren Glauben prägen?
Weihbischof Florian Wörner: Wer an solchen weltweiten Jugendtreffen teilnimmt, taucht ein in eine begeisterte und lebendige Gemeinschaft junger Gläubiger. Das bleibt nicht ohne Wirkung. Kaum jemand kommt so zurück, wie er hingefahren ist. Viele nehmen wertvolle Impulse für den Glauben und die entsprechende Lebenspraxis mit nach Hause und sind motiviert, weiterzugeben, was sie erfahren haben. Sie werden so selber zu einer „Mission“, wie es Papst Franziskus ausdrückte.
Credo: Mit dem Motto des Heiligen Jahrs „Pilger der Hoffnung” stehen ja große Worte im Raum. Und Gläubige halten natürlich die Hoffnung auf ein Leben mit Christus in der Ewigkeit hoch. Aber was ist die christliche Hoffnung mit Blick auf die Unsicherheiten unserer Zeit in unserem Land?
Wörner: Für uns Christen ist Hoffnung nicht etwas Abstraktes oder etwas wie auf „Wolke sieben“. Die christliche Hoffnung hat Substanz und einen Grund: Jesus Christus. Während Mächtige kommen und gehen, politische Konstellationen sich verändern, Krisen auftauchen und wieder verschwinden, ist eines sicher und konstant: Jesus Christus. Wer ihm vertraut und nachfolgt, kann hoffen, auch dann, wenn es mal zum Auf-und Davonlaufen ist. Denn seine Zusage steht: „Ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
Die große Hoffnung auf den Himmel ist nicht Vertröstung aufs Jenseits, sondern Ziel und Motivation, das Leben im Hier und Jetzt anders zu gestalten, nämlich nach den Maßstäben des Evangeliums. Und das kann man üben. Papst Benedikt sprach von Lern- und Übungsorten der Hoffnung. Damit meinte er das Gebet, die Aktivität, aber auch die christliche Art, mit Leid umzugehen, sowie den gläubigen Blick über den Tod hinaus in die ewige Zukunft bei Gott (vgl. Enzyklika SPE SALVI). Wer von diesem Ziel her denkt und lebt, der hat eine Hoffnung in sich, die trägt und das Leben positiv formt.
Credo: Papst Franziskus, der das Heilige Jahr 2025 ausgerufen hat, wünschte sich ja eine Generation von „Missionarischen Jüngern”, also Menschen, die selbst Zeugen der Hoffnung sind und in der Lage, diese Hoffnung missionarisch weiterzugeben. Was kann in diesem Kontext das Motto „Pilger der Hoffnung“ für junge gläubige Menschen heute bedeuten?
Wörner: Der Herr ruft jeden von uns und möchte, dass wir darauf konkret und großzügig antworten und nicht bei allem, was wir tun, fragen, ob sich das für uns rechnet und wir dabei einen persönlichen Nutzen haben. Sinnvoll und schön wird unser Leben vor allem dann, wenn wir anfangen, wie der Herr, selbstlos zu lieben und uns hingebungsvoll einsetzen im Dienst vor Gott, für die Mitmenschen und die Kirche. Am besten ist es, wenn wir uns in unsere Mission verlieben, wie es Papst Franziskus einmal formuliert hat. Unser „Ja“ ist für Gott das Eingangstor, durch das der Heilige Geist der Kirche und der Welt heute Großes schenken kann, ein neues Pfingsten.
Credo: Nun ist ja der Staffelstab an Papst Leo XIV. übergegangen. Was schätzen Sie, wie wird er aufgreifen, was Franziskus angestoßen hat?
Wörner: Mit seiner sympathischen und gewinnenden Art ist Papst Leo XIV. bisher schon vielen zu Herzen gegangen. In einer Predigt vor den Kardinälen sagte er etwas, worauf es ankommt für einen, der das Evangelium verkündet und Leitung übernimmt: Man müsse „verschwinden, damit Christus bleibt, sich klein machen, damit Jesus erkannt und verherrlicht wird (vgl. Joh 3,30), sich ganz und gar dafür einsetzen, dass niemandem die Möglichkeit fehlt, ihn zu erkennen und zu lieben. Diese Worte bringen eine Haltung zum Ausdruck, die überzeugt. Und damit bewegt er sich ganz auf der Spur seiner Vorgänger.
Credo: Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten bei dieser Wallfahrt mit der Jugend2000?
Wörner: Es sind die Begegnungen untereinander und mit unserem neuen Papst Leo XIV. und das, was der Herr – vielleicht auch an Überraschendem – für uns bereithält.
Credo: Vielen Dank für das Gespräch.
Anmerkung der Redaktion: Ab 25.7.2025 erscheinen in der Story des Credo Instagramkontos täglich Statements der jungen Pilger und von Weihbischof Wörner von der Reise.