Vor Ort · Beim Zahnarzt

Schwesternalltag in der Praxis

Auf zur Mission in der Praxis! Nachdem das erste Noviziatsjahr ausschließlich der Ordensausbildung innerhalb des Klosters vorbehalten war, ist es nun im zweiten Noviziatsjahr möglich, auch im Apostolat außerhalb des Klosters zu wirken – in meinem Fall in der Zahnarztpraxis.

von Schwester Ida-Maria Kastner · 28.02.2020

Fotos: privat

Mit einem weißen Schleier und dem weißen Kleid bin ich auch in der Praxis auf den ersten Blick als Ordensschwester erkennbar. Auerbach, der Ort in dem ich lebe und arbeite, ist ein kleines Städtchen, in ländlicher Umgebung gelegen. Wenn ich mit dem Fahrrad zur Praxis fahre und wieder zurück, begegnen mir inzwischen oft bekannte Gesichter oder auch mal ein über die Straße gerufenes „Hallo, Schwester!“ aus Kindermund.

Da ich ein dreiviertel Jahr vor meiner Einkleidung schon in derselben Zahnarztpraxis in Auerbach arbeitete – als Zivilperson, als eine von drei dort arbeitenden Zahnärzten –, habe ich einen Vergleich. Die Patienten haben kein Problem damit, von einer Ordensschwester zahnärztlich behandelt zu werden, im Gegenteil. Eine Ordensschwester als Zahnärztin kannten die Patienten davor zwar noch nicht, aber dadurch, dass Schwestern in Auerbach schon seit Jahrzehnten in der Schule, im Kindergarten, im Hort und im Krankenhaus präsent waren und sind, ist die Bevölkerung hier den Anblick gewöhnt. Und sie erzählen oft von ihren guten Erinnerungen an meine Mitschwestern, die teilweise schon verstorben sind, die ich also gar nicht mehr kenne. Ich habe den Eindruck, dass die Patienten mir sogar einen Vertrauensvorschuss gewähren, wenn sie mich als Ordensschwester wahrnehmen. Vielleicht nimmt das auch der natürlichen Angst „vor dem Bohrer“ etwas die Spitze. Jedenfalls habe ich noch nie irgendwelche Vorbehalte gegen meine Person wahrgenommen.

Alles begann mit Exerzitien bei den Auerbacher Schulschwestern

Mein Weg zu den Auerbacher Schulschwestern ist ein von Gott geführter, und ich danke Ihm für diese große Gnade! Ich schätze die große Liebe zu Jesus in der Eucharistie in unserer Gemeinschaft und die Liebe zur Muttergottes – neben vielem anderen Schönen, das ich erfahren darf.

Aber mal von Anfang an. Bei Exerzitien im Mutterhaus in Auerbach lernte ich die Schwestern erstmals um Silvester 2015/16 herum, unter anderem beim gemütlichen Beisammensein, kennen. Es folgten Exerzitien mit der grundsätzlichen Frage, wo Gott mich haben will, was mein Platz im Leben ist. Nach einigen Besuchen im Kloster, Gesprächen und einer Zeit des Überlegens trat ich im Herbst 2017 in die Kandidatur ein (noch ohne Ordenskleidung). Während der Kandidatur- und Postulatszeit war ich als Zahnärztin tätig. Das hat mir den Wiedereinstieg als Schwester nach dem (beruflich pausierten) ersten Noviziatsjahr sehr erleichtert.

Auf unnötiges Nachbohren im Patientengespräch verzichtet sie, notwendiges „Nachbohren“ am Zahn dagegen muss aber sein.

Was macht eine Zahnärztin eigentlich bei Schulschwestern? Ein genauerer Blick auf den Namen erklärt schon einiges: „Schulschwestern von Unserer Lieben Frau“. Wir Schwestern gehen also in die Schule Unserer Lieben Frau, d. h. in die Schule der Muttergottes. Von ihr lernen wir, Jesus zu lieben und Ihm zu dienen, wie sie es tat. Ich muss keine Lehrerin sein, um eine echte Schulschwester zu sein. Die Hauptsache ist, dass ich wie Maria mein FIAT, mein JA zu Gottes Willen, zu Seinem Ruf spreche.

Gott begegnen in den Patienten

Zum anderen bin ich tatsächlich doch ein bisschen Schulschwester im eigentlichen Sinne, wenn ich an die Zahnarztbesuche in der Schule und im Kindergarten denke, bei denen ich mit Handpuppe und Riesengebiss den Kindern die Zahnpflege erkläre und vormache – zu deren großer Freude.

Da ich eine Teilzeitstelle habe und vonseiten der Praxis viel Entgegenkommen erfahre, lassen sich die Gebetszeiten, der Noviziatsunterricht, die kleinen Dienste im Kloster und das Apostolat in der Praxis gut „unter einen Hut“ bringen. Ich sehe es nicht als Gegensatz, sondern als Wege zum gleichen Ziel: Gott zu dienen, Seinen Willen zu tun und Ihm nahe zu sein. Manchmal werde ich z. B. in der Praxis sehr beschenkt, wenn mir bewusst wird, wie mir Gott in den Patienten begegnet und mich so näher an sich zieht.

Wenn nebenbei Gebetsanliegen „hereinflattern“, ist es schön, sie stellvertretend zum Herrn zu tragen. Unnötiges Nachbohren im Gespräch lasse ich sein, notwendiges „Nachbohren“ am Zahn – oder ich würde es eher Schleifen nennen – dagegen muss sein.

Seit 2018 ist Schwester Ida Maria Novizin bei den Schulschwestern von Unserer Lieben Frau in Auerbach.

Auf dem Weg zur Praxis ist mein Standardgebet die Pfingstsequenz. Ich übergebe Gott den ganzen Behandlungsalltag und alle Patienten und vertraue auf Seine Hilfe. Zwischendurch bete ich vielleicht mal ein Stoßgebet wie „Komm, Heiliger Geist“ und versuche einfach, zur Ehre Gottes gut zu arbeiten und die Patienten wertschätzend zu behandeln.

Auch Ordensschwestern müssen mal zum Zahnarzt

Für meine Mitschwestern bin ich glücklicherweise in erster Linie Sr. Ida-Maria, einfach als Person, und nicht die Zahnärztin „Frau Dr. Kastner“. Es ist wie in einer Familie, die einen auch privat mit den Macken und Besonderheiten kennt und annimmt. Wir beten, singen, schweigen, essen, lachen und reden miteinander. Es ist einfach eine Freude und Gnade, sich Gott ganz zu schenken und mit Schwestern gemeinsam das gleiche Ziel anzustreben.

Und wenn mich eine Mitschwester etwas Zahnärztliches fragt, freue ich mich, wenn ich weiterhelfen kann. Das sind dann aber eher Vorab- oder Zusatzinformationen, die den eigentlichen Zahnarztbesuch in der Regel natürlich nicht ersetzen.