Vor Ort · Vöhringen

„Es hat sich auf jeden Fall gelohnt”

Die Pfarreiengemeinschaft Vöhringen in der Diözese Augsburg geht seit mehreren Jahren einen intensiven Weg der Gemeindeerneuerung. Es sind verschiedene Initiativen in Richtung Willkommenskultur und Familienpastoral entstanden und Gläubige jeglichen Alters nehmen aktiv am Gemeindeleben teil. Maria Dimpfl, Pastoralreferentin, berichtet von den aktuellen Entwicklungen in der Pfarreiengemeinschaft Vöhringen.

von Maria Dimpfl · 07.10.2019

Familiengottesdienst in der Pfarreiengemeinschaft Vöhringen. Foto: Bernhard Hauguth

Als ich vor fünf Jahren in die zu errichtende Pfarreiengemeinschaft Vöhringen kam, war ich über zwei Dinge erstaunt: Wie viele Menschen hier bereit sind, sich für ihre Gemeinde zu engagieren und wie viele Beter es gibt. Im Laufe der Jahre habe ich erfahren, dass genau diese beiden Dinge zusammenhängen: das Gebet und der Einsatz für das Reich Gottes.

Zu unserer Pfarreiengemeinschaft gehören vier Orte mit ungefähr 10.000 Katholiken, unterschiedlich geprägt – von der industriellen Kleinstadt bis zum ländlichen Dorf. Der sonntägliche Kirchbesuch übersteigt nicht das sonst übliche Mittelmaß, und doch hat man den Eindruck, dass viele wirklich mit dem Herzen dabei sind.

Familienpastoral

Dies zeigt sich vor allem im Einsatz für die Familien, derer sich besonders viele Ehrenamtliche in unserer Pfarreiengemeinschaft annehmen. Das reicht von der erweiterten Taufvorbereitung über zahlreiche Krabbelgruppen, einem großem Angebot an Kindergottesdiensten, der Kommunion- und Firmvorbereitung, einer Pfarrei-internen Ehevorbereitung bis hin zu verschiedenen Familienkreisen.

Neuaufbrüche: Willkommenskultur und Glaubenskurse

Die Nachrichten von den Neuaufbrüchen in Pfarreien in Nordamerika und Kanada inspirierten uns, Ähnliches auszuprobieren. Es entstanden verschiedene Initiativen in Richtung Willkommenskultur und dem Angebot von Glaubenskursen. So haben wir zum Beispiel mit einem monatlichen Kirchencafé im Anschluss an den Familiengottesdienst begonnen. Nach einem gut besuchten Alphakurs für Erwachsene läuft gerade einer für Jugendliche im Kontext der Firmvorbereitung.

Adventswochenende für Familien im Kloster Bonlanden. Foto: Bernhard Hauguth

Außerdem ist unser Pfarrbrief missionarisch ausgerichtet, das heißt, er enthält auch Artikel, die sich an Menschen richten, die der Pfarrei fernstehen. Er wird zudem bei persönlichen Besuchen übergeben, so dass ein direkter Kontakt zu den Lesern entsteht. An dieser Stelle gäbe es noch eine Menge anderer Aktivitäten aufzuzählen.

Sakramentenpastoral

Etwas näher möchte ich auf einen Versuch in der Sakramentenpastoral eingehen. Vor zwei Jahren haben wir die Erstkommunionvorbereitung auf die ganze Familie ausgedehnt. Beweggrund hierfür war, die Eltern aus ihrer zum Teil recht distanzierten Beobachterrolle herauszulocken und sie stattdessen zu einer aktiven Auseinandersetzung mit dem Glauben zu motivieren. Unser damaliger Kaplan hatte positive Erfahrungen mit einem ähnlichen Modell aus der Pfarreiengemeinschaft Dillingen mitgebracht und unser Team war gerne bereit, es den hiesigen Bedürfnissen anzupassen.

Die Familien sind während des Vorbereitungsweges eingeladen, Folgendes zu erfahren: Unser Leben kommt in der Heiligen Messe vor und die Begegnung mit Jesus im Gottesdienst verändert unser Leben. Durch den Empfang des Leibes Christi in der Kommunion können wir in eine tiefere Beziehung mit Gott hineinwachsen und dadurch für das Leben als Familie gewinnen.

Dabei gehen wir verschiedene Schritte: Bei vier Treffen (monatlich, jeweils an einem Samstag) werden die Kommunionkinder gemeinsam mit ihren Eltern und einem Team aus der Pfarrgemeinde angeleitet, sich mit verschiedenen Themen des Glaubens auseinanderzusetzen. Durch die Einübung im Familienalltag (in der Zeit zwischen den Treffen) wird das Erlebte dann selbstständig im Alltag ausprobiert und vertieft, so dass die Familie erfährt, wie der Glaube ihr Leben bereichert. Durch die Teilnahme am Pfarreileben können die Familien mit ihrer Gemeinde vor Ort in Kontakt bleiben: beim sonntäglichen Gottesdienst und zahlreichen anderen Angeboten der Pfarreiengemeinschaft. Außerdem gibt es noch verschiedene Aktionen und Projekte, die mit der Erstkommunion im Zusammenhang stehen.

Kinder bei der Vorbereitung eines Gottesdiensts
Adventswochenende für Familien im Kloster Bonlanden. Foto: Bernhard Hauguth

Wir bekamen in den beiden vergangenen Jahren durchweg positive Rückmeldungen. Die Eltern waren dankbar, mit ihren Kindern zusammen diesen Weg zu gehen, sich dabei gemeinsam weiterzuentwickeln und auch für sich als Erwachsene Neues zu gewinnen. Die Frage ist natürlich, ob es sich auch langfristig auf die Gestaltung ihres Glaubenslebens auswirken wird. Immerhin berichten einige, wie wichtig dieser Prozess für sie war. So bedauerte ein Vater, dass er ein Treffen versäumte, weil ihm jetzt der Inhalt davon fehlt. Eine Mutter erzählte, dass sie eigentlich nur noch die Erstkommunion ihrer Tochter abwarten wollte, um danach aus der Kirche auszutreten. Durch das Mitgehen hat sie schließlich selbst zum Glauben zurückgefunden und wird in diesem Jahr sogar bei den Kommunionkatecheten dabei sein.

Diese Zeugnisse zeigen uns: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt, die Erstkommunionvorbereitung auf diese Weise weiterzuentwickeln, auch wenn wir zahlenmäßig keinen Gewinn messen können. Wir erreichen jedoch Menschen, die der Kirche noch verbunden sind, weil sie das Fest der Erstkommunion feiern möchten, aber sonst keine Anknüpfungspunkte mehr haben. Eine Zielgruppe für Neuevangelisierung!

Gebet und Engagement

Die vielen Gebetskreise und Beter in unseren vier Pfarreien prägen das Klima, in dem geistliches Wachstum geschehen kann. Im Mai wurde unsere kleine Anbetungskappelle eingeweiht, in der seither wöchentlich 40 Stunden am Stück, von Donnerstagabend bis Samstagmorgen das Allerheiligste verehrt wird. Ein Ort, der für viele Kraftquelle ist und der gleichzeitig Impulsgeber ist für alles aktive Wirken außerhalb. Für das „Mitgetragenwerden“ durch das Gebetsnetz in unseren Gemeinden bin ich sehr dankbar.