Thema · Ewiges Leben

Vorhang auf für den Himmel

Ein neugieriger Blick ins Paradies. „Tschüss … bis spätestens im Himmel.“ So verabschiede ich mich von Menschen, denen ich auf dieser Welt voraussichtlich nicht mehr begegnen werde. Die Leute reagieren kurios. Sie geben fast immer eine von drei Antworten. Die Gläubigen unter ihnen sagen lächelnd: „Ja, aber hoffentlich noch nicht so schnell.“ Die peinlich Berührten entgegnen entschuldigend: „Naja, ob ich da wohl hinkomme?“ Und die aufgeklärten Skeptiker zweifeln: „Himmel – Ob’s den überhaupt gibt? Ist ja noch nie jemand zurückgekommen.“ Schade, dass die Menschen so wenig darauf hoffen, eines Tages im Himmel zu sein; und dass es dort spannend sein könnte. Die meisten erwarten viel zu wenig vom Himmel; fast niemand freut sich darauf. Mir geht es da ganz anders. Seit Jahren fasziniert mich dieses Thema. Und je mehr ich davon verstehe, wie es dort in der Ewigkeit sein wird, desto mehr Lust darauf regt sich bereits heute in mir.

von Pater Klaus Einsle · 08.11.2017

Der Himmel in der Heiligen Schrift
Insgesamt lesen wir in der Heiligen Schrift, dem Wort Gottes, 615 Mal vom Himmel, 194 Mal von der Ewigkeit, 29 Mal von Himmelreich (wobei das ein oder andere Mal auch das Reich Gottes in dieser Welt gemeint ist) und 9 Mal vom Paradies. Über 800 Mal fallen diese Worte! Allein im Neuen Testament nehmen Jesus und die Apostel bzw. die Autoren der Briefe und Evangelien über 200 Mal direkten Bezug darauf. Die Worte „Sünde“, „Opfer“, „Schuld“, „Hölle“, „Süh¬ne“ und „Buße“ zusammengenommen kommen seltener im Neuen Testament vor als das Wort „Himmel“!

Fünf spirituelle Flussläufe zum Himmel

Auf meiner Suche für mein Buch „Vorhang auf für den Himmel“ habe ich fünf spirituelle Flussläufe ausfindig gemacht, die mit dem Himmel zu tun haben und die zu einem wundervollen Bild zusammenfließen:

• das, was Jesus vom Himmel sagt (wir nennen das Offenbarung),
• der Mensch als Ab¬bild Gottes. Sein Herz und dessen Sehnsüchte,
• die Schöpfung als Abbild des Himmels,
• Menschen, die eine persönliche Erfahrung mit dem Himmel gemacht haben, sowohl Heilige als auch Men¬schen, denen Gott in der heutigen Zeit einen Blick in den Himmel gewährt hat,
• die innere Erfah¬rung mit Gott im Gebetsleben.

Vorhang auf für den Himmel, Pater Klaus Einsle
Derjenige, der am besten über den Himmel Bescheid weiß, ist Christus. Er ist dort zuhause. Er ist von dort gekommen, um uns darüber zu erzählen. Er ist sozusagen der „Kronzeuge“. Jesus lässt keinen Raum für Zweifel. Er sagt es ganz klar: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen … Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin“ (Joh 14,2–3).

So entstand ein Bild des Himmels, unseres ewigen Lebens, das mich begeistert

Die wichtigsten Glaubenswahrheiten sind folgend in Kurzform festgehalten (mehr dazu in meinem Buch):

1. Der Himmel ist die ewige Heimat, die Gott für uns, seine Kinder, vorbereitet hat und in der wir nach diesem irdischen Dasein ein unendliches Leben in Fülle und Freude verbringen. Die Heilige Schrift ist voll von Zeugnissen und Anmerkungen über den Himmel.

2. Im Himmel werden alle unsere Sehnsüchte und Verlangen in ihrer Tiefe erfüllt. Wir werden ein Glück genießen, von dem wir auf dieser Erde in den schönsten Momenten einen kleinen Vorgeschmack erleben.

3. Im Himmel werden sehr viele Menschen sein, von denen jeder ein einzigartiges Glück erlebt. Sie alle sind vollendete Persönlichkeiten ohne den leichtesten Makel, und sie verbreiten für alle anderen große Freude und Frieden.

4. Wir werden im Himmel Leib und Seele haben, also vollständige Menschen sein. Die Seele wird die Führung über den Leib innehaben, und daher sind wir nicht mehr gebunden an Raum und Zeit, sondern stehen über ihnen. Der Leib wird ebenso wie die Seele tiefe Erfüllung erfahren. Alles dort wird leicht, frisch, lebendig und prachtvoll, gleichzeitig harmonisch und gelassen sein.

5. Die Mitte und die Quelle aller Freude, Erfüllung und Lebendigkeit ist Gott selber, den wir von Angesicht zu Angesicht sehen werden und der unser Vater, Freund und liebevoller Schöpfer sein wird. Jesus als Gott behält im Himmel seinen menschlichen Körper und ist einer von uns.

 

Vorhang auf für den Himmel, Pater Klaus Einsle

6. Das Leben in der Gemeinschaft mit allen anderen Menschen und Engeln trägt in sich das Siegel der Nächstenliebe und freudigen Hingabe. Alle sind Freunde, niemand ist allein, die Erfahrungen im gegenseitigen Austausch und Kennenlernen werden uns zutiefst erfüllen. Wir werden dort alle unsere Freunde und Verwandten wiedersehen, die gestorben und durch das enge Tor gegangen sind, und mit ihnen in ewiger Freundschaft und Liebe verbunden sein.

7. Im Himmel gibt es nichts Böses oder Schlechtes, nichts Kaputtes oder Unfertiges mehr, weder in uns noch außerhalb. Alles Böse ist verbannt in alle Ewigkeit – dort herrscht nur das Gute, die Wahrheit, die Freude und die Fülle.

8. Wir werden uns nicht in Gott auflösen, sondern unsere eigene Persönlichkeit behalten und diese dort ganz entfalten. Unser Leben besteht vor allem in der liebe- und kraft¬vollen Hingabe an alle anderen – an Gott, die anderen Men¬schen und die Engel – und erfährt durch deren Hingabe an uns und Gottes Liebe ein unendliches Glück.

9. Nicht jeder gelangt automatisch in den Himmel. Es ist eine freie Entscheidung, die sich darin zeigt, durch das enge Tor der Liebe zu gehen und auf Gott zu vertrauen.

10. Der Himmel wird für jeden eine sehr persönliche Erfahrung sein. Jeder hat seine Art zu sein und seine besonderen Freuden. Gott wird in seiner Liebe zu jedem von uns diese besondere Art in Betracht ziehen und uns sehr persönlich beschenken; wobei uns dies nicht von den an deren trennt, sondern uns gegenseitig bereichert.

Allerdings wird es im Himmel unendlich viel besser sein, als irgendwelche Worte es auszudrücken vermögen. Es lohnt sich – machen wir uns auf!

Tschüss, bis spätestens im Himmel!

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