Thema · 3-Fragen an Mareike Schmitz

„Vergebung heilt und macht mich frei“

Mareike Schmitz studiert Grundschullehramt an der Universität Augsburg und arbeitet als Werkstudentin bei der Abteilung Evangelisierung. Sie liebt mittelalterliche Frauenmystik und träumt von Kirche als Ort der persönlichen Begegnung mit Jesus. Im 3-Fragen-Format von Credo erzählt sie, wie „vergeben und verzeihen“ ihr in ihren Beziehungen Sicherheit schenkt und die Beichte ein echter Schlüssel für innere Freiheit ist.

von Samuel Bittner · 12.02.2026

Mareikes Herz schlägt für Christus und seine Kirche. Foto: privat.

Credo: Mareike, was bedeutet dir die frohe Botschaft von der vergebenden Liebe Gottes? Hast du schon einmal eine befreiende Erfahrung in der Beichte gemacht?

Die Botschaft von der vergebenden Liebe Gottes ist wirklich eine frohe Botschaft! Das mag auf den ersten Blick flach klingen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass seine Vergebung ganz konkret in meinem Leben greift und mich wirklich heilt und befreit.

Wie gut, dass Gott unsere Schwächen und Verkorkstheit in seinen Heilsplan miteinkalkuliert hat und uns in seiner Großherzigkeit die Vergebung unserer Sünden anbietet. Er wünscht sich, dass wir von seiner Gnade Gebrauch machen. Wenn wir ehrlich vor ihm sind, klagt er uns nicht an. Ich glaube, dass er ganz entspannt bleibt. Es ist wichtig, Sünde zu benennen und ernst zu nehmen. Dabei dürfen wir aber nie vergessen, dass Gottes Barmherzigkeit immer stärker ist als das Gewicht unserer Schuld.

Im Sakrament der Beichte habe ich persönlich erfahren, dass es keinen Winkel meines Herzens gibt, der zu hässlich, zu schlimm oder zu peinlich wäre, als dass Gott nicht damit umgehen könnte. Ich kann ihn nicht schockieren, er ist nicht überrascht, denn er hat ohnehin schon alles gesehen. Indem ich mich auf den Weg zur Beichte mache und ganz ehrlich ins Licht bringe, wo ich Schuld auf mich geladen habe, nehme ich Gottes Angebot ernst. Das freut und ehrt ihn extrem!

Credo: Warum lohnt es sich, anderen Menschen nach einer Verletzung zu vergeben? Was hat dir dabei geholfen?

Es macht DICH frei! Wenn wir den Menschen, die uns verletzt haben, nicht vergeben, hält uns das in Bitterkeit und Groll gefangen. Auf Dauer tut das unserem Herzen nicht gut und blockiert uns, echte Verbundenheit und Nähe zu erfahren. Durch Vergebung wird das Herz weicher und kann sich wieder für das Gegenüber öffnen.

Mir hat es geholfen, zu erkennen:

1. Bevor ich vergeben kann, muss ich die Erfahrung machen, dass Gott mir vergibt und sich mir sowie der Person, der ich etwas vorhalte, gnädig zuwendet. Das befreit mich, seine Gnade großzügig weiterzugeben.
2. Ich allein bin die Leidtragende, wenn ich nicht vergebe. Nur ich kann die Verantwortung für mein Herz und meine Emotionen übernehmen und mich für oder gegen Vergebung entscheiden – unabhängig davon, ob mein Gegenüber seine Schuld jemals bereut oder überhaupt als solche erkennt.
3. Vergebung heißt nicht: „Schwamm drüber, es war alles gar nicht so schlimm.“ Es ist wichtig, die Wut und den Schmerz ernst zu nehmen und zuzulassen. Dafür würde ich dir raten, einen gesunden Output zu finden. Mir hilft es zum Beispiel, mich sportlich auszupowern, alles aufzuschreiben, ins Kissen zu schreien und die Tränen zuzulassen.

Credo: Wurde dir schon einmal vergeben? Was hat das mit dir gemacht?

Ja! Ich brauche das regelmäßig! Immer wieder kommt es vor, dass ich durch mein Verhalten oder meine Worte Freunde, Familie, Kollegen oder sogar Fremde in ihrer Würde verletze. Besonders in der Familie und in meinen engsten Freundschaften habe ich die Gewissheit gewonnen, dass man mich um meiner selbst willen mag und mir nicht einfach die Freundschaft kündigt, sobald mir beispielsweise ein liebloses Wort herausrutscht.

Ich schätze besonders jene Freundschaften, die mir meine blinden Flecken aufzeigen und mir spiegeln, wenn sie sich durch mein Verhalten verletzt fühlen. Manchen Freundinnen, habe ich sogar explizit die Erlaubnis dazu gegeben. Das nimmt mir die Angst, etwas falsch zu machen. Ich weiß, dass ich mich sicherlich vertun werde, aber ich werde nicht gleich dafür „gecancelt”. Ich weiß mich in meiner Unperfektheit angenommen. Das tut so gut!