Thema · Interview mit Daniela von Mary's Meals

Nahrung plus Bildung ergibt Hoffnung

Ein Zoom-Call mit einem Waisenmädchen veränderte ihr Leben: Daniela ist Youth Ambassador von Mary’s Meals – dort bekommen bedürftige Kinder an jedem Schultag eine warme Mahlzeit, für 22 € Spenden pro Schuljahr. Im Interview erzählt sie, wie Nahrung und Bildung Hoffnung ergeben.

von Raphael Schadt · 20.10.2026

Daniela ist Youth Ambassador für Mary's Meals. (Bild: Mary's Meals)

Daniela, wie bist du zu Mary’s Meals gekommen?

Daniela: Ein Mitbewohner im Studentenwohnheim in München hielt einen Vortrag über Mary’s Meals. Er stieg mit einem Film ein, der die Geschichte von Lettie erzählte, ein Mädchen, das seit ihrer Kindheit Mary’s Meals (MM) empfangen hat. Sie war selbst Waisenkind und musste sich als älteste von Dreien um ihre zwei Geschwister kümmern. Nur dank MM konnte sie zur Schule gehen und lernen.

Anschließend gab es einen Zoom Call mit Lettie persönlich. Ihre Geschichte aus ihrem eigenen Mund zu hören, berührte mich sehr. Ich dachte zunächst, ich würde meinen Beitrag mit einer einmaligen Spende leisten. Aber es liess mich nicht los und ich fragte mich immer öfter, ob ich nicht doch mehr tun könnte.

Im selben Jahr verbrachte ich eine Woche in Taizé zu einer Reflection Week. Es kamen verschiedene Redner, darunter auch der Sohn des Gründers von MM, um von dieser Arbeit zu berichten. Danach entschied ich mich, mitzuhelfen und seither verstehe ich mich als Youth Ambassador von MM.

Bildcollage von Lettie als Waisenkind mit ihrem kleinen Bruder und Lettie als gefestigte erwachsene Frau. Bild: Mary's Meals.

Was genau macht Mary’s Meals?

Daniela: MM ist eine Organisation, die in den ärmsten Ländern der Welt Schulmahlzeiten für Kinder bereitstellt. Dort, wo Kinder nicht zur Schule gehen können, weil sie durch schlecht bezahlte Arbeit, Betteln oder Kriminalität ums Überleben kämpfen müssen oder tatsächlich einfach verhungern. Eine tägliche warme Mahlzeit ermöglicht bedürftigen Kindern: Erstens – naja zu essen. Zweitens überhaupt zur Schule zu gehen, denn nun ermutigen sie auch die Eltern dazu. Und drittens wieder Lernfähigkeit aufzubauen – die Energie, die Motivation und die Hoffnung, dass sich ihre Situation verbessern kann und sie eine Zukunft haben.

Wo wirkt Mary’s Meals derzeit?

Daniela: Momentan ist MM in 16 Ländern weltweit aktiv, hauptsächlich in Afrika. MM fing 2002 mit wenigen hundert Kindern in Malawi an. Mittlerweile unterstützt MM 3 Millionen Kinder – von Kenia und Äthiopien bis Indien, Syrien und den Libanon.

Wow! Was ist das Erfolgsgeheimnis von Mary’s Meals?

Daniela: MM basiert auf der Hoffnung, dass es das Gute im Menschen gibt und dass Menschen aus Nächstenliebe etwas bewegen können. MM lebt vom ehrenamtlichen Engagement aller Beteiligten: der Leute vor Ort, die das Essen zubereiten und verteilen – zumeist die Mütter oder Leute, die in der Nähe wohnen – bis zur Öffentlichkeitsarbeit und zum Fundraising. So können die Verwaltungskosten auf gerade einmal 7 % reduziert werden. Das Wunderbare ist: Für nur 22 € erhält ein Kind ein komplettes Schuljahr lang Schulmahlzeiten.

Als ich diese Zahl zum ersten Mal hörte, war ich geschockt. Ich hatte mir gerade ein T-Shirt für 40 € gekauft und verstand, dass zu diesem Preis ein ganzes Jahr lang zwei Kinder hätten versorgt werden können. Ich musste erst einmal schlucken. Es lohnt sich drüber nachzudenken, wieviel Gutes wir durch den Wertunterschied in anderen Ländern tun können.

Wo werden die Nahrungsmittel produziert?

Daniela: Bei MM wird sehr darauf geachtet, dass nicht „der weiße Retter“ kommt und alles fertig auf den Tisch stellt. Wo Landwirtschaft möglich ist, werden Lebensmittel vor Ort gekauft und zu den Schulen gebracht. Wenn gerade Dürre, Überschwemmungen oder Ernteausfälle herrschen, muss man auf Import ausweichen.

Was ist die Langzeitperspektive – auch um aus besagter Retterrolle herauszukommen?

Daniela: Auf lange Sicht sollen die Gemeinden vor Ort so gestärkt werden, dass sie sich selbst erhalten können. Viele, die MM als Kinder empfangen haben, steigen später in die Organisation mit ein, werden Ambassadors oder helfen vor Ort mit. Das Ziel ist, den Hunger zu besiegen und die Selbstständigkeit wiederherzustellen.

Ist das an manchen Orten schon erreicht worden?

Daniela: In Gemeinden, deren Schulen mit MM zusammenarbeiten, ist deutlich zu spüren, dass Bildung, Gesundheit und Gemeinschaft gestärkt werden. Diese Zuversicht habe ich auch bei Schülerinnen und Schülern der Jacaranda Waisenschule in Malawi bemerkt, mit denen ich in einem Videocall sprechen durfte – und das ist nur eines von vielen Beispielen. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass immer noch 71 Millionen Grundschulkinder weltweit hungern.

Wie hat das Engagement bei MM dich persönlich verändert?

Daniela: Mir hat es sehr viel gegeben zu sehen, was Menschen bereit sind zu tun, um die Welt zu verbessern. Es gibt einem ein Gefühl der Stärke. Zuvor fühlte ich mich mit Blick auf die Situation in der Welt oft hoffnungslos – so viel Leid, das man anscheinend nicht verändern kann. Aber was den Hunger, die Kinderarbeit, den Bildungsmangel angeht, kann man etwas tun. Und als ich das erfahren habe, konnte ich nicht anders, als mitzumachen.

Es ist einfacher, als man denkt: eine kleine Spendenaktion starten, einen Kuchenverkauf, ein Benefizkonzert. Jeder Zehner hilft. MM lebt davon, dass Menschen selbstständig aktiv werden und sagen: Ich möchte jetzt etwas verändern.

Unter dem Buchtitel „Mary’s Meals“ steht „Simple Solution to World Hunger“. Was ist an der Lösung des Welthungers simpel?

Daniela: Dass Bildung und Nahrung zusammen Hoffnung ergeben. Das ist unser Slogan. Es bedeutet: Es ist nicht so kompliziert, wie man es sich vorstellt. Man muss nur aktiv werden und es ermöglichen, dass Kinder wieder zur Schule gehen können. So einfach kann man die Welt verändern.