Thema · Credo Talk mit Prof. Peter Schallenberg
Geld – Was würde Jesus damit tun?
von Raphael Schadt · 20.10.2026
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Weitere InformationenCredo Talk mit Prof. Peter Schallenberg.
Beim Spenden gibt es zwei Ansätze: gezielt für einen präzisen Zweck geben und prüfen, ob das Geld wirksam eingesetzt wird – oder einfach geben, um das Loslassen zu üben. Was würden Sie empfehlen?
Prof. Schallenberg: Das sind zwei verschiedene Ziele. Beim Loslassen steht nicht ein messbarer Effekt im Vordergrund, sondern die Übung selbst. Man kann Überflüssiges hinter sich lassen, in einer Einsiedelei leben oder in Indien ein Jahr bei den Schwestern von Mutter Theresa mithelfen. Was dabei herauskommt, legt man in Gottes Hände.
Man kann aber auch effizient handeln. Wenn ich in Kenia eine Grundwasserversorgung sicherstellen will, gebe ich nicht einfach eine Summe und sage: Wird schon gut gehen. Wer einen Brunnen für 20.000 Menschen finanzieren möchte, sollte prüfen: Ist die Organisation seriös? Kommt das Geld dort an, wo es hin soll?
Geld ist ein Instrument, um ein Ziel zu erreichen. Anders als das Tier will der Mensch nicht einfach „da sein”, sondern „so sein”. Er fragt nach dem Wohin. Er kann sagen: Es gibt kein Ziel – wie im Atheismus oder im Materialismus. Oder er kann im religiösen Sinne glauben, dass es ein Ziel gibt, das das Leben lebenswerter macht. Und wenn ich ein Ziel habe, brauche ich Mittel, um es zu erreichen. Geld ist eines davon: Es hilft mir und anderen, am Leben zu bleiben, damit ich – wie Paulus sagen würde – zur Ehre Gottes lebe.
In der Bergpredigt sagt Jesus: Sorgt euch nicht darum, was ihr essen oder trinken werdet. (vgl. Mt 6). Ermutigt er damit dazu, finanzielle Sicherheit loszulassen?
Schallenberg: Jesus spricht von der inneren Grundhaltung. Glaubt nicht, ihr könntet die Grundsorge eures Lebens dadurch loswerden, dass ihr viel Geld habt. Diese Sorge könnt ihr nur loswerden, indem ihr euch dem anvertraut, der euch ins Leben geschickt hat.
Ein kleines Kind, etwa das traurig aus der Kita kommt, weil die anderen es nicht mitspielen lassen, hat die Grundsorge des Lebens gespürt: Bin ich angenommen? Es wäre sinnlos, ihm zu sagen: Wir haben ein großes Sparkonto für dich angelegt. Die Grundsorge unseres Lebens ist existenziell, nicht materiell. Deshalb lässt sie sich nicht mit Geld heilen. Natürlich kann Geld helfen: Man kann sich die bestmögliche medizinische Behandlung leisten. Aber wenn es niemanden interessiert, dass man wieder gesund ist, hat man nichts gewonnen.
Mit Blick auf die Urgemeinde und bspw. der Geschichte mit Hananias und Saphira: Wollte Jesus eine Gütergemeinschaft oder gar eine Art Sozialismus?
Schallenberg: Jesus sagt: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Er wehrt sich nicht dagegen, dass der Staat Steuern erhebt. Paulus sagt: Wer nicht arbeitet [arbeiten will – Anm. d. Red.], soll auch nicht essen, und ein Arbeiter hat Anspruch auf seinen Lohn.
Ich würde Jesus so interpretieren: Überlegt, wofür ihr Geld und andere Mittel einsetzt – und ebenso, wo ihr sie nicht einsetzt. Geld hat einen Symbolwert. Aber es lässt sich nicht anstelle von Liebe einsetzen: nicht beim Ehepartner, nicht bei Freunden und nicht bei Kindern.
Jesus würde wohl sagen: Ihr könnt gern ein sozialistisches System einführen, wenn es dem Menschen guttut. Wenn aber Gott geleugnet wird und Menschen wie Maschinen behandelt werden – wie in den meisten kommunistisch regierten Ländern bisher – da wird es menschenverachtend. Der Kapitalismus ohne ethisches Korsett kann aber genauso menschenverachtend sein. Wenn Menschen unter Brücken schlafen, muss man fragen, was menschenwürdiger ist: ein Plattenbau oder eine Brücke in Chicago.
Welche Wirtschaftsform ermöglicht die Entfaltung jedes Menschen am besten? Churchill sagte über die Demokratie, sie sei die schlechteste aller Staatsformen – mit Ausnahme derer, die schon ausprobiert worden sind. Das kann man auch auf die soziale Marktwirtschaft anwenden: Wer eine bessere kennt, möge sie nennen – aber sie muss beweisen, dass sie besser ist.
Wer Reichtum hat, soll nicht so tun, als hätte er keinen, und ihn nicht verschleudern. Er soll Möglichkeiten schaffen, damit andere menschenwürdig leben können. Der Sozialstaat ist in gewisser Weise der verkörperte barmherzige Samariter: Er hilft dem Schwächeren, bis dieser wieder selbst handeln kann.
Wenn Jesus zur Armut rät: Heißt das, möglichst mittellos zu werden – oder möglichst viel geben zu können?
Schallenberg: Johannes hat es meines Erachtens besonders klar erkannt: So sehr hat uns Gott geliebt … dann müssen wir diese Liebe weitergeben. Denken Sie an Maximilian Kolbe. Wenn Christus für mich gestorben ist, dann sterbe ich für diesen Familienvater. Kolbe konnte nicht ohne Antwort auf die Liebe Christi bleiben. Es kommt nicht darauf an, dass ich 102 Jahre alt werde, sondern dass ich mein Leben gegeben habe.
Das ist der Sinn von Armut: scheinbar arm zu werden, um unendlich reich zu werden. Reichtum ist auch das, was ich aus Liebe zu Gott für andere gegeben habe. Geistige Armut führt dazu, materielle Reichtümer einzusetzen, um anderen Entfaltung zu ermöglichen.
Ob jemand reich oder arm ist, spielt für Gott materiell keine Rolle. Auch ein Armer kann herzlos sein und ein Reicher ein großes Herz haben. Dem reichen Prasser im Evangelium wird nicht vorgeworfen, dass er reich ist, sondern dass er seinen Reichtum verprasst und den Armen vor seiner Tür übersehen hat.
Und was bedeutet das für die Kirche, die ja selbst über beträchtliche Mittel verfügt? Wie kommt sie durch das Nadelöhr?
Schallenberg: Die Kirche verwaltet treuhänderisch anvertrautes Geld. Sie soll darauf achten, dass es Menschen zugutekommt, die Hilfe brauchen und in ihrer Entwicklung gefördert werden sollen. Die Prioritäten können unterschiedlich sein – von Evangelisierung bis zur Schulspeisung in sozialen Brennpunkten. Das Grundmodell bleibt: Das Geld ist anvertraut und soll für Menschen genutzt werden.
Nach dem Tod des heiligen Franziskus tobte bei den Franziskanern der Armutsstreit: Sollen wir radikal arm sein? Wenn der barmherzige Samariter arm gewesen wäre, hätte er sich neben den Verletzten gelegt und gesagt: Jetzt sind wir beide arm. Geholfen wäre damit niemandem.
Der Samariter hatte Mitleid – aber auch Geld. Er konnte den Zusammengeschlagenen auf seinen Esel setzen, ihn in ein Wirtshaus bringen und dem Wirt sagen: Sorge für ihn. Wenn du mehr brauchst, gebe ich es dir, wenn ich zurückkomme. Er hat sein Geld nicht nur vermehrt oder verprasst, sondern Gutes damit getan. Das ist auch die Aufgabe der Kirche mit den ihr anvertrauten Geldern.
Vielen Dank für das Gespräch.
Anmerkung: Die Textredaktion erfolgte KI-unterstützt.