Thema · Bekenntnisse auf der Kleidung

Bekenntnis in sieben gespiegelten Buchstaben

Annabel und Johannes Schubert aus Hamburg kommen ursprünglich aus der Design- und Marketingwelt. Nach dem Abschied von einem Startup vor wenigen Jahren fangen sie ein neues Projekt an: „beloved.design“ – Eine nachhaltige Fashion-Brand für Christen wie für Nicht-Christen. An ihrem Messe-Stand bei der diesjährigen MEHR-Konferenz haben wir uns mit ihnen über den Zweck und die Wirkung ihres Labels unterhalten.

von Raphael Schadt · 09.01.2026

Johannes Schubert an seinem Messe-Stand auf der MEHR-Konferenz 2026. Bild: Raphael Schadt.

Credo: Was macht ihr mit diesem Stand hier auf der MEHR-Konferenz?

Wir vertreiben Shirts mit dem gespiegelten Schriftzug „ꓷƎVO⅃Ǝꓭ“ und sind damit bei christlichen Events, sowie bei weltlichen Verkaufsmessen, Shopping Events etc. präsent. Gerade letzteres ist spannend, weil wir da ganz „normalen” Menschen begegnen und über die christliche Bubble hinaus wirken können. Die Botschaft von „BELOVED” gilt allen und das verbindet Christen wie Nicht-Christen. Wir gehen überall hin, wo Türen dafür offen sind, Menschen auf kreative Weise zu ermutigen.

Credo: Eure Shirts verbreiten ja ein Statement. Wozu bekennt sich, wer eure Shirts trägt?

Johannes: Zur ewigen Wahrheit, dass sie geliebte Menschen sind. Grammatikalisch ist Beloved tatsächliche etwas, das man eigentlich nicht zu sich selber sagt. Es passt perfekt zur Schönheit christlicher Selbstannahme: Unsere Identität ist uns geschenkt. Es gibt jemanden, der uns das zuspricht: Du bist der geliebte Mensch. Dann wiederum ist es auch gut, das anzunehmen, aufzugreifen und sich selbst zuzusprechen – oder hier in Form eines T-Shirts anzuziehen. Es gibt drei Dimensionen von Liebe, die Liebe zwischen uns und Gott, die Liebe von und zu dir selbst und die Liebe von anderen Menschen und zu anderen Menschen. Und wenn diese drei Dimensionen funktionieren, dann ist das Leben cool. Diese Weisheit wollen wir erlebbar machen.

Credo: Der Schriftzug „BELOVED” steht verkehrt herum auf den Shirts. Was hat es damit auf sich?

Johannes: Ich bin vor drei Jahren nachts mit einem Traum von einem weißen T-Shirt aufgewacht, mit der Aufschrift „BELOVED” in gespiegelten Großbuchstaben. Der Schriftzug war in silbernen Lettern und zwar in „amtlicher” DIN-Schrift – leicht spationiert für maximale Lesbarkeit. Die silberne Schrift symbolisiert für mich Wertschätzung wegen des Schmuck-Charakters und wirkt cool und zeitlos. Ich zeichnete es auf und schlief einfach weiter.

Als ich am nächsten Morgen meiner Frau Annabel von dem Traum erzählte, bekam sie direkt Gänsehaut. Auch fanden wir das Thema so tief und die Idee zugleich genial einfach. Man sieht sich ja ständig im Spiegel. Einfach ist es auch weil „BELOVED” vom Wort her Unisex ist, sowohl Adjektiv ist als auch Substantiv als Kosewort. Für einen Menschen, ist es ja das Wichtigste zu wissen, dass er geliebt ist – „BELOVED”. Wichtiger als Gesundheit, Reichtum, Leistung etc.. Selbst als Jesus von Johannes getauft wird: Bekommt Jesus genau diesen Zuspruch vom Vater: „Das ist mein geliebter Sohn.” Diese Identität kann man sich nicht selbst geben, sie wird einem in Beziehungen geschenkt.

Credo: Was macht das mit Leuten, „BELOVED” zu tragen?

Johannes: Wenn sie es hier anprobieren, reagieren Menschen unterschiedlich. Ganz viele lächeln einfach. Ich sag manchmal: Versuch mal mit unserem Shirt in den Spiegel zu schauen und nicht zu lächeln. Dann lächeln alle. Dieses kleine Lächeln ist schon sehr kostbar. Unsere Shirts helfen Stress aufzulösen. Andere reagieren aber auch mit Tränen, oder bekommen einen tiefen Gedankenimpuls, der ihre Identität berührt.

Grundsätzlich hat Kleidung, die zu einem passt, wenn Menschen eine schöne Hülle finden und das Innere mit dem Äußeren in Einklang kommt etwas Bestätigendes. Annabel hat früher Packaging-Desing gemacht. „BELOVED” ist wie ein christliches Packaging-Design für Menschen.

Annabel Schubert im Beloved-Short. Bild: beloved.design.

Identität und Mode sind übrigens sehr alte Themen, damit hat Gott ja schon angefangen. Also das Kapitel ohne Kleidung hat nicht lange gehalten (vgl. Gen 2) und schnell hat Gott die Lösung geschaffen, sowohl auf der funktionellen Ebene mit Textilien, als auch auf inhaltlicher Ebene. Das ganze hat eine theologische, symbolische Dimension. Das, worin Gott uns kleidet, ist letztlich in Christus. Und wir sind wie Johannes, der Jünger, den Jesus liebte, die „BELOVED” Jünger. Wir sind überzeugt: Das Thema Identität wird uns noch eine Weile als Gesellschaft beschäftigen.

Credo: Warum ausgerechnet mit einem Mode-Brand die Nachricht von Gottes Liebe verbreiten?

Johannes: Ja, die Modewelt ist an vielen Stellen krankhaft, Stichwort Körperkult, Magersucht, Oberflächlichkeit etc.. Mode macht da alles nur schlimmer. Dazu die Produktionsseite von Mode … davon könnte ich tausend Lieder singen. Wir nehmen übrigens einiges an Aufwand auf uns, um so nachhaltig und inklusiv wie möglich zu handeln. Faire Produktion, Pay what you want, Größen bis 5XL einfach mal als Schlagworte …

Manche sagen, Kleidung sei ja nur Design, Oberfläche etc.. Nein, Gott gebraucht das. Es bewegt uns zu sehen, dass nicht nur wir, sondern immer mehr Menschen diesen BELOVED Moment im Alltag erleben, dass die Ermutigung am Spiegel dem Herz, der Seele gut tut. Dort greift Gott ein und tut erstaunliches. Im Übrigen ist es auch schön, was an Beziehungen entsteht mit vielfältigen Leuten aus aller Welt.

Credo: Was macht es konkret mit Leuten, „BELOVED” zu tragen?

Johannes: Dazu gibt es viele Geschichten. Ich war beispielsweise in einem Seminar bei einem Coach. Seine Frau ist Traumatherapeutin. Und im Gespräch kommt mir der Gedanke, vielleicht hilft so ein Shirt ja im Bereich Traumatherapie und ich gebe ihm ein Shirt mit: Vielleicht kann sie es einem Klienten bei Gelegenheit schenken und schauen, ob es etwa als psychologischer Anker wirkt usw.. Die Frau zieht es selber an und bricht dabei in Tränen aus, weil es sie so anspricht.

Vor kurzem hatten wir einen Pop-up-Store (temporäre Boutique) für zwei Wochen mitten in der Hamburger Innenstadt. Das Fabric ist ein Space für nachhaltige Modelabels in Top-Lage mit bekannten Namen wie Chanel, Dior, Gucci und Prada in der unmittelbaren Nachbarschaft. (No pressure though!) Man hat Verkaufsfläche, Regale etc. und hier besonders: ein Café. Das war so schön, denn es entspannt vom Kaufdruck und sagt: du kannst hier sein. Und mein Traum war es im Grunde, so ein Ort in der Stadt zu haben, wo Begegnungen stattfinden können. A Place To BeLoved. So haben wir das Erlebnis genannt. Und zwar nicht am Ende der Stadt oder hinter sechs, sieben Kirchentüren, sondern in der offenen Gesellschaft, wo Leute halt Bock darauf haben.

Annabel und Johannes Schubert vor ihrem Pop-Up-Store in Hamburg. Bild: beloved.design.

Credo: Was ist passiert?

Johannes: Ein Beispiel: Ich laufe also frühs in den Pop-Up-Store, schauen, wer so kommt. Annabel schläft zu Hause ihre Erkältung aus. Wir haben zum erste Mal Schmuck im Sortiment, eine Kollaboration mit einer Goldschmiedin, Claudia, die ihre und unsere gemeinsamen Pieces präsentiert.

Es kommen zwei junge Frauen rein. Eine hatte von uns gehört, fand unsere Kollektion cool etc.. Die andere sucht etwas, das zu ihr passt und findet diese Kette mit einem Schmetterling. Auf der Rückseite ist das Wort „Free” eingraviert. Beides hat für sie eine tiefe Bedeutung. Claudia, die Goldschmiedin, die bisher neben dem Onlinegeschäft wenig Kontakt hat zu den Leuten, die ihren Schmuck tragen, ist dabei. Ich stehe bisher unbeteiligt im Store und schlage Claudia vor: „Leg ihr das doch mal an. Du kannst ja auch ein Gebet dabei sprechen.” Wir kommen mit den Frauen ins Gespräch über den Dreiklang von Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe und die sind schon völlig in Tränen aufgelöst. Im Grunde schon ein perfekter Moment.

Schließlich kommt meine Frau Annabel, mittlerweile wieder fit, hinzu und meint: „Crazy, was hier abgeht! Übrigens, ich hatte gerade einen Traum: Da waren Raupen und es kamen Leute, die sie zertreten wollten. Das sollte aber nicht passieren, weil Schmetterlinge daraus werden sollten.” Die Frau war mehrere Jahre durch Therapie gegangen und der Schmetterling symbolisierte für sie die Wiederherstellung ihrer Identität. Das wurde in diesem Moment geradezu versiegelt. Das zu erleben war sehr besonders – quasi ein heiliger Moment. Solche himmlischen Augenblicke zu erleben, macht uns sprachlos, aber wir brauchen ja auch nicht immer viele Worte: in der Bibel gibt es das Gebet: Sprich nur ein Wort … Für uns heißt das: Sieben gespiegelte Buchstaben können wirklich etwas bewirken.

Credo: Danke fürs Gespräch

Kette mit Schmetterlingsanhänger auf beloved-Shirt. Bild: Raphael Schadt.

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