Thema · 3 Fragen an ... Bernadette Ibe
Als Religionslehrerin Christus bekennen
von Samuel Bittner · 09.10.2025
Credo: Bernadette, du studierst neben Sport auch Theologie und willst später einmal als Religionslehrerin arbeiten. Das allein ist ja schon eine Art Bekenntnis. Was bedeutet es für dich diesen Weg zu gehen? Hast du zudem eine persönliche (christliche) Überzeugung oder bist du noch unentschlossen?
Wenn ich einmal Lehrerin bin, dann möchte ich, dass meine Schüler glücklich sind. Ich glaube, dass sich jeder Mensch danach sehnt, glücklich zu sein und das Jesus der ist, der diese Sehnsucht letztlich stillen kann. Deshalb will ich als Religionslehrerin meinen Schülern Jesus zeigen. Das Glück, oder die Freude, die einem Jesus verspricht, fühlt sich für mich nicht immer wie eine große Party an, sondern eher wie eine Bergtour. Die Tour ist unglaublich anstrengend, und ich würde am liebsten umdrehen, doch der Gipfel in der Ferne erfüllt mein Herz mit Freude. Im Himmel hoffe ich, dass sozusagen das Party-Glück noch auf das Bergsteigerglück oben draufkommt.
Ich glaube, dass Jesus jedem Menschen irgendwann die gleiche Frage stellt, die er auch seinen Jüngern gestellt hat: „Wer bin ich für dich?“ Und dann kommt es darauf an. Erscheint mir Jesus glaubwürdig? Und wenn ja – bin ich bereit, ihm zu folgen? Ich hatte und habe immer wieder solche entscheidenden Momente. Zum Beispiel, als ich mit 15 das erste Mal einen Alpha-Kurs besucht habe. Oder als ich unsicher war, nach welchen Prinzipien ich Beziehungen leben möchte. Es gibt viele Situationen, in denen ich überfordert bin und Jesus am liebsten ganz nah bei mir hätte, ihn umarmen möchte, es sich aber so anfühlt, als sei er weit weg.
Credo: Was sagen deine Freunde und deine Familie dazu, dass du Theologie studierst und in die Kirche gehst?
Meine säkularen Freunde fragen mich oft, wie ich Teil einer Kirche sein kann, in der so viel schiefläuft (Missbrauch etc.). Ich lade sie dann zu Orten ein, an denen ich als Christ wachsen durfte und die zu meiner Heimat geworden sind, wie das Regnum Christi oder die Jugend 2000. Bei den Wochenenden und Camps erlebe ich immer wieder, dass es nicht nur glücklich macht, sondern auch supercool ist katholisch zu sein. Wenn die ganzen coolen Jungs mit dir in der Reihe zum Beichten stehen, dann motiviert das schon sehr ;).
Dass ich Theologie studiere, spielt in meinem Umfeld keine größere Rolle. In meiner Familie wird generell selten ein Standpunkt stehen gelassen, sondern alles wird ausdiskutiert. Meine weltlichen Freunde sagen, dass es keine objektiv gültigen Glaubensansichten gibt und dass jeder machen soll, was ihm guttut. Somit ist die Reaktion auf meinen Glauben neutral bis positiv.
Credo: Hat dich dein Bekenntnis schon einmal etwas gekostet? Hast du Gegenwind bekommen?
Ich bin der Meinung, dass das Leben unglaublich wertvoll ist und um keinen Preis beendet werden darf. Das gilt für das Leben ungeborener Babys ebenso wie für das Leben älterer Menschen. Deshalb engagiere ich mich bei „Jugend für das Leben”, um Menschen Mut zu machen, „Ja” zum Leben zu sagen. Die meisten Menschen in Deutschland betrachten die Möglichkeit, Leben zu beenden, als Garant für menschliche Selbstbestimmung. Für meine Meinung und meine Bemühungen erfahre ich hier häufig Gegenwind.
In diesem Jahr habe ich mir in Augsburg verschiedene Veranstaltungen der „Pro Choice”-Bewegung angeschaut, darunter den CSD und linksextreme Kundgebungen. Ich habe das Gespräch mit den Gegendemonstranten gesucht, die man beim „Marsch für das Leben“ antrifft, um sie besser zu verstehen. Mir ist noch einmal klargeworden, dass die Haltung zum Lebensschutz eng mit dem generellen Verständnis von Liebe und Beziehung verknüpft ist.
Besonders bewegt hat mich, als mir nach einer Diskussion mein Gesprächspartner noch nachkam und sich für die Erklärung meiner Sicht auf Abtreibung bedankte. Solche Erfahrungen zeigen mir, wie wichtig es ist, den Diskurs zu suchen. Ich glaube, dass es objektive Wahrheit gibt. Indem wir unsere Überzeugungen im Diskurs auf ihre Tragfähigkeit überprüfen, führen wir uns gegenseitig immer näher an die Wahrheit. Es lohnt sich also danach zu suchen!