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Mehr Stärkung, weniger Abgrenzung!

Michael Rösch arbeitet als Pastoralreferent in der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) in Augsburg. Neben dem Kontakt zu Studierenden engagiert sich der Neununddreißigjährige besonders gerne im ökumenischen und interreligiösen Dialog. Er liebt es Bergsteigen zu gehen, um den Kopf frei zu bekommen und die Freiheit zu genießen. Seit über 20 Jahren ist er in der internationalen Friedensbewegung pax christi aktiv und im Moment als geistlicher Beirat im Diözesanverband Augsburg tätig.

von Anna-Chiara Götz · 09.09.2022

Portrait Michael Rösch
Michael Rösch in den Bergen. Foto: privat

Credo: Was war deine schönste Erfahrung mit/in der Kirche?

Ich kann das ehrlich gesagt nicht auf eine Erfahrung reduzieren. Es ist eine Fülle an Erlebnissen. Und gerade diese Vielfalt ist für mich ein absoluter Gewinn! Spontan fallen mir Gruppenstunden und Ausflüge in der Jugendarbeit, insbesondere im Offenen Seminar, ein. Aber ebenso spielen Ökumenische Kirchentage, Katholikentage und Reisen ins Ausland eine wichtige Rolle. Dort kommt man mit ganz unterschiedlichen Personen in Kontakt und begegnet anderen spirituellen Zugängen. Im Austausch und kritischen Hinterfragen lernt man Neues und seinen eigenen Glauben nochmal tiefer kennen. Das sind bereichernde und sehr schöne Begegnungen.

Zu den schönsten Erfahrungen in jedem Jahr gehört für mich auf jeden Fall die Feier der Osternacht. Die tiefgehenden Lesungen und die Symbolik des Lichts, das sich immer mehr gegen die Dunkelheit durchsetzt: das fasziniert und packt mich jedes Jahr wieder neu!

Credo: Hältst du die Kirche für wichtig – generell und für deine persönliche Beziehung zu Gott?

Ich wurde stark von unterschiedlichen Personen geprägt, die in ihrem Glauben Kraft schöpfen und sich der Kirche zugehörig fühlen. Die Kirche als Gemeinschaft ist ein unglaublicher Schatz, da Gottes frohe Botschaft immer auch Menschen als Übermittler und Botinnen braucht. Kirche ermöglicht Begegnung mit Gott, mit den Menschen und mit mir selbst. Es ist erleichternd, da ich weiß, dass ich nicht alles allein schaffen muss. Gemeinsam sind wir aufgerufen, den Frieden und die Liebe Gottes weiterzugeben.

Ich hoffe sehr, dass wir ökumenisch noch stärker zusammenwachsen und Jesu Nachfolge authentischer leben können. Es wäre doch nur zu wünschen, dass wir uns gegenseitig mehr stärken, als auf ständige Abgrenzung zu setzen.

Credo: Was macht für dich die Schönheit der Kirche aus?

Das Schöne für mich ist, dass man nicht allein Christ sein kann. Wir sind gemeinsam mit Gott unterwegs. In der Nachfolge Jesu finden wir in der Heiligen Schrift eine gute Orientierung. Aber natürlich fordert uns unser Leben und unser Glauben immer wieder neu heraus. In der Kirche habe ich in der Beziehung zu Gott und meinen Mitmenschen einen wichtigen Anker.

Im Gebet, im Handeln und im Einsatz für den Nächsten sind wir untereinander verbunden und kämpfen für eine bessere Welt, wenn man so will, für das Reich Gottes. Ich bin von vielen Glaubensgeschwistern beeindruckt, die sich tagtäglich für Benachteiligte, Geflüchtete oder kranke Menschen selbstlos einsetzen. Umso wichtiger ist es das Unschöne, also Probleme und Diskriminierungen, in der Gesellschaft und in der Kirche klar zu benennen und für einen Wandel einzutreten.

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