Thema · Wie ich durch Medjugorje die Beichte lieben lernte

Absolution im „Beichtstuhl der Welt“

Schon als Kind fährt Yvonne Pokrivka jedes Jahr zu dem katholischen Wallfahrtsort „Medjugorje“. Doch erst viele Jahre später erlebt sie dort die lebensverändernde Kraft der Beichte.
Ein persönliches Zeugnis über den „Beichtstuhl der Welt“.

von Yvonne Pokrivka · 13.03.2026

Der katholische Wallfahrtsort "Medjugorje" im Süden von Bosnien-Herzegowina. Foto: Piotr Frydecki, commons.wikimedia.org

Wahrscheinlich hat jeder praktizierende Katholik schon einmal von Medjugorje gehört, selbst wenn er noch nie dort war. Viele kennen den Ort aus Erzählungen ihrer Großeltern oder von Freunden, die eine Wallfahrt dorthin gemacht haben.

Bei mir ist es anders: Ich bin praktisch damit aufgewachsen. Meine Mutter wurde in der Nähe geboren, weshalb wir als Familie seit meiner Kindheit fast jeden Sommer nach Bosnien und Herzegowina gefahren sind – mit einem festen Zwischenstopp in Medjugorje. Für mich war es ganz selbstverständlich, diesen Ort zu besuchen. Er war mir vertraut und gehörte einfach dazu. Und trotzdem muss ich ehrlich sagen: Lange Zeit habe ich nicht wirklich verstanden, was ihn für so viele Menschen so besonders macht.

Was ist in Medjugorje passiert?

Seit 1981 berichten sogenannte Seher, dass ihnen dort die Muttergottes erscheint und Botschaften an die Menschen weitergibt. Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder der Aufruf zur Umkehr, also dazu, das eigene Leben neu auf Gott auszurichten. In diesem Zusammenhang ist häufig von den „fünf Steinen gegen Goliath“ die Rede: dem Rosenkranzgebet, der Eucharistie (Heilige Messe), dem Lesen der Bibel, dem Fasten und der Beichte. Diese fünf Steine sollen dabei helfen, den Glauben im Alltag zu leben.

Das Jugendfestival: Glaube der ansteckt

In meiner Jugend wurde ich schließlich zum Jugendfestival in Medjugorje eingeladen – einem internationalen Treffen, bei dem jedes Jahr tausende junge Menschen aus der ganzen Welt zusammenkommen und dessen Teilnehmerzahl stetig wächst. Ein zentraler Bestandteil des Festivals sind Lebenszeugnisse. Menschen erzählen, wie sie nach Jahren der Distanz wieder zum Glauben gefunden haben und wie sie in Medjugorje etwas erlebt haben, das sie als „Himmel auf Erden“ beschreiben. Der entscheidende Wendepunkt war für viele eine beglückende und befreiende Erfahrung in der Beichte.

Für mich war das zunächst ungewohnt. Beichte gehörte für mich eher zur Kategorie „muss man halt erledigen“. Ein Pflichttermin, nichts Besonderes. Doch die Erzählungen der anderen, die langen Schlangen vor den Beichtstühlen und die spürbare Erwartungvieler junger Menschen machten mich neugierig. Schließlich fasste ich den Mut, selbst hinzugehen.

Yvonne Pokrivka hat in Medjugorje die Beichte lieben gelernt. Foto: privat.

Der Weg zur Beichte

Ich nahm mir einen Zettel und schrieb alles auf, was mir an Sünden einfiel. Mit diesem Zettel in der Hand stellte mich bei einem Priester an, vor dem ein Schild mit der Aufschrift „Deutsch“ stand. Das Warten zog sich hin, und mit jeder Minute wuchs meine Nervosität. Als ich endlich an der Reihe war und der Priester zu sprechen begann, trat alles andere in den Hintergrund. Es kostete mich Überwindung, meine Sünden auszusprechen. Ein Teil von mir wollte manches zurückhalten, gleichzeitig wusste ich, dass ich ehrlich sein musste und nichts vor Gott verbergen wollte. Während ich meine Sünden vorlas, spürte ich eine tiefe Reue – und auch den Schmerz über das, was ich getan hatte. Ich geriet ab und zu ins Stocken.

Als ich fertig war, schwieg der Priester einige Sekunden und blickte zu Boden. Dieses Schweigen fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Ich fragte mich, was er wohl dachte – ob er vielleicht nicht wusste, wie er auf meine Sünden reagieren sollte. Als er schließlich das Schweigen brach, begegnete er mir nicht mit Vorwürfen, sondern mit Verständnis. Seine Worte waren ruhig und voller Mitgefühl, so, als spräche ich mit einem guten Freund. Mit der darauffolgenden Absolution erfüllte mich ein tiefes Gefühl der Freiheit. Mir wurde bewusst, dass Gott mir wirklich vergeben hatte und mir eine neue Chance schenkt.

Genau darin liegt der Kern der Beichte. Durch unsere Sünden wenden wir uns von Gott ab und richten unser Herz oft auf uns selbst. Gott jedoch entfernt sich nie von uns, im Gegenteil, er kommt uns immer einen Schritt entgegen und möchte uns Vergebung schenken. Doch auch wir sind eingeladen, einen Schritt auf ihn zuzugehen. Dieser Schritt geschieht in der Beichte. Diese
Erfahrung blieb für mich kein einmaliger Moment.

 

Symbolbild: "Medjugorie" ist als "Beichtstuhl der Welt" bekannt. Foto: asiandelight @Adobe Stock.

„Beichtstuhl der Welt“

Lange Schlangen vor den Priestern gehören hier in Medjugorje zur Normalität. Oft reichen die Beichtstühle nicht aus, um die vielen Pilger unterzubringen, sodass sogar draußen auf Bänken oder Stühlen gebeichtet wird. Papst Johannes Paul II. nannte Medjugorje deshalb einmal den „Beichtstuhl der Welt“. In den Botschaften der Muttergottes wird konkret dazu ermutigt, mindestens einmal im Monat zur Beichte zu gehen. Für mich war das anfangs eine echte Herausforderung. Immer wieder fiel ich in alte Gewohnheiten zurück.

Im Rückblick kann ich sagen, dass sich über die Jahre doch etwas verändert hat, auch wenn es ein längerer Prozess war. Schritt für Schritt ging ich immer regelmäßiger zur Beichte. Anfangs vielleicht zwei Mal im Jahr, später alle paar Monate und heute fast jeden Monat. Inzwischen gehört sie für mich ganz selbstverständlich zur Pflege meiner Beziehung zu Gott. Sie ist zu einem echten Geschenk geworden, durch das meine Beziehung zu ihm viel tiefer und persönlicher geworden ist als je zuvor.