Credo Dienst · Geschenkte Liebe in Pizzaform

DU bist unbezahlbar

Christoph Siegel ist Gründer des Vereins Mannanu. Sein Team und er backen und verschenken auf verschiedensten Veranstaltungen Pizza, Flammkuchen, Brot u.a. aus dem Holzbackofen. Ziemlich ungewöhnlich, finden wir. Wie geht das überhaupt? Und was motiviert jemanden dazu, so großzügig zu wildfremden Menschen zu sein? Credo hat er es erzählt.

von Marie Häuser · 09.10.2023

Das Team von Mannanu
Gott liebt dich bedingungslos! Diese Botschaft verbreitet das Mannanu-Team, links im Bild (v.l.n.r.): Nikola Beushausen, Brigitte Sonnhüter, Andres J. Cestonaro, Christoph Siegel, Uli Schäffler und Tine Fischer. Gemeinsam mit dem fahrbaren Untersatz bringen sie unbezahlbare Pizza auf Veranstaltungen.
Bild: Tobias Rauchmann (links), Credo Redaktion (rechts)
Der Anhänger, mit dem Mannanu vorfährt

Credo: Was macht Mannanu genau und was ist eure Botschaft an die Menschen?

Christoph: Unser Verein backt und verschenkt Pizza an die Gäste von allen möglichen Veranstaltungen. Es gibt eigentlich keinen Anlass, zu dem wir noch nicht gebacken haben: auf Straßenfesten, Geburtstagen, in Kindergärten, auf Firmenfeiern. Letztens hat uns eine muslimische Gemeinde angefragt.

Wir machen das, weil wir glauben, dass Gottes Liebe für jeden Menschen bedingungslos ist. Deshalb nehmen wir von niemandem eine Gegenleistung an, weder von Veranstaltern noch von den Gästen. Wir sind ein Team von ca. 20 bis 30 völlig bunten Vögeln, von denen jeder seinen Platz in dem Ganzen hat.

Credo: Ihr gebt, ohne eine Gegenleistung anzunehmen. Ist die Angst vor finanziellen Notlagen ein Thema für euch oder habt ihr da volles Vertrauen?

Christoph: Als mir klar war, dass Gott zu mir redet und will, dass wir nichts für unsere Arbeit nehmen, habe ich gesagt: „Also Gott, ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Wenn du wirklich willst, dass wir hier etwas Bedingungsloses tun, musst du dich bitte selber um das Geld kümmern.“ Wenn wir auf einer Veranstaltung sind, kommen immer wieder Leute, die uns Geld geben wollen. Das lehnen wir dann konsequent ab. Uns ist es wichtig, dass wir unsere Botschaft nicht für Geld verwässern.

Aber es gibt auch Menschen, die von außerhalb intrinsisch motiviert auf uns zukommen, also aus eigener Motivation. Geld das von Herzen und ohne Gegenleistung kommt, nehmen wir gerne an. Ich erlebe, dass Gott für das sorgt, was er ins Leben ruft.

Also ja, wir leben im Vertrauen. Wir hatten bisher in den vergangenen 6 Jahren weder finanziellen Mangel noch Überfluss.

Credo: Welche Erfahrungen macht ihr mit euren Gästen? Habt ihr auch manchmal das Gefühl, ausgenutzt zu werden?

Christoph: Der Großteil der Menschen kommt, isst und freut sich. Manche lesen den Flyer. Das ist völlig okay. Ich erwarte nichts von irgendwem. Wenn jemand fragt, warum wir kein Geld nehmen, sage ich meistens: „Weil ich dir sagen möchte, dass du bedingungslos geliebt bist.“ Es gibt vereinzelt Menschen, wildfremde Menschen, die berührt das sehr. Einzelne fangen an zu weinen.

Manchmal bekommen wir auch Rückmeldung, dass unsere Botschaft das Leben eines Menschen verändert hat. Aber das haben wir nicht in der Hand und streben wir auch nicht an.

Mannanu-Mitarbeiter lachend vor ihrem Einsatzufahrzeug
Ein gutes Team ist ebenso unbezahlbar wie selbstgebackene Mannanu-Pizza, wie die beiden Mitarbeiter Andres J. Cestonaro und Christoph Siegel zeigen. Bild: Credo Redaktion

Manche Menschen sehen unser Projekt kritisch, weil sie empfinden, dass wir ausgenutzt werden. Zu bedingungsloser Liebe gehört aber auch, dass sie vielleicht ausgenutzt wird. Wenn ich dann so empfinde, muss ich mich hinterfragen, ob ich wirklich bedingungslos gehandelt habe. Ich wünsche mir, dass wir als Mitarbeiter im Team untereinander wie auch zu unseren Gästen erwartungsfrei reden und handeln.

Credo: Kannst du jungen Menschen empfehlen, ihre Ideen umzusetzen?

Christoph: Ich glaube, in jedem Menschen ist eine andere Leidenschaft. Manchmal ist sie vielleicht noch verdeckt und man muss sie erst suchen. Ich hatte nicht viele Momente in meinem Leben, wo ich tief im Inneren gespürt habe, dass Gott zu mir gesprochen hat. Ich blicke zurück auf 50 Jahre, wo ich morgens aufstehe, meinen Alltag lebe und im Laufe der Jahre merke, wer ich wirklich bin und was mir liegt. Das tue ich dann.

Ich bin aber überzeugt, dass wenn du das tust, wofür du brennst, wird das immer dein Umfeld bewegen. Ich sehne mich danach, dass wir Christen zu Menschen werden, die sich mit ihren unterschiedlichsten Begabungen in ihr Umfeld verschenken und dadurch die Gesellschaft verändern.

Credo: Wenn jetzt jemand merkt, dass euer Projekt ihn oder sie angesprochen hat: Wie kann man sich bei euch engagieren?

Christoph: Wir finden grundsätzlich für jeden einen Platz in unserem Team. Man muss bei uns auch kein Christ sein. Je nachdem, ob du gerne unter Menschen oder im Hintergrund bist, kannst du beim Backen, Austeilen, beim Vorbereiten und beim Abbau helfen. Falls du Lust hast, unsere Social Media Präsenz zu entwickeln, wir freuen uns auf dich.

Wir freuen uns über jeden, der mit seinen Fähigkeiten unser Team bereichern möchte, der sich mit uns gemeinsam auf den Weg macht, Gottes bedingungslose Liebe zu bezeugen!

 

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