Vor Ort · Taufe

Mit 28 getauft

Normalerweise wird man als Baby oder Kind getauft. Ich habe mich mit 28 Jahren bewusst für die Taufe entschieden. Wie es dazu kam und was mich dazu bewegt hat.

von Stephanie M. · 21.08.2020

Stephanie bei ihrer Taufe. (Foto: privat)

Ich bin ohne Religion in Brasilien geboren und aufgewachsen. Dort sind sehr viele Menschen katholisch, aber meine Eltern wollten, dass wir selbst entscheiden, zu welcher Religion wir angehören wollen. Ich lernte aber schon als Kind mit meiner Mutter das Vater Unser zu beten. Meine Mutter stammt aus einer Einwanderer-Familie aus China und gehört keiner Religion an. Doch aus dem Gebet schöpft sie sehr viel Kraft. So habe ich im Laufe der Jahre die Gewohnheit entwickelt, immer wenn ich kurz in eine Kirche gegangen bin, das Vater Unser zu beten. Kirchen sind für mich immer ruhige Oasen im Trubel der Stadt gewesen. Nichtsdestotrotz habe ich über eine Taufe damals nie nachgedacht.

Mein tatsächlicher Weg in die katholische Kirche begann, als ich den Patenonkel meines Freundes kennenlernte – ein Mönch in einem Kloster in der Schweiz. Seine Ausstrahlung und sein Glauben haben mich sehr fasziniert. Er trägt eine Ruhe und eine Sicherheit in sich. Bei unserer ersten Begegnung schenkte er mir gleich(ein Abbild der) Hl. Mirjam von Abellin und das Heilig-Geist-Gebet der Hl. Mirjam hat mich gleich angesprochen. Ein einfaches Gebet voller Kraft:

Heilger Geist, beseele mich.
Gottes Lieb‘, verzehre mich.
Den Weg der Wahrheit führe mich.
Maria, Mutter, schau auf mich.
Mit Deinem Jesus segne mich.
Vor aller Täuschung und Gefahr,
vor allem Übel mich bewahr.
Amen.

Durch viele Gespräche und den Austausch mit meinem Freund, habe ich mich immer wieder mit dem Evangelium und der Bibel auseinandergesetzt. Mit der Zeit spürte ich in mir etwas Stimmiges, sobald ich mit Gott im Gebet sprach.

Es hatte mir aber bis dahin ausgereicht mit Gott in Kontakt zu kommen, ohne getauft zu sein. Ich fand es nur schade, dass ich beim Gottesdienst die Eucharistiefeier nicht erleben durfte.

Nach einem einschneidenden Traum letztes Jahr, bei dem es zu einer ungewollten, eindringlichen Begegnung mit dem Bösen kam, habe ich mich stark nach der Nähe Gottes und seinem Schutz gesehnt. Mir war dabei bewusst, dass ich diese Nähe nur durch die Taufe und die Kirche erhalten könnte.

Ich kontaktierte Pfarrer Klein aus der Pfarrgemeinde in Neu-Ulm und schilderte meinen Wunsch zur Taufe. Nach einem ersten Gespräch organisierte der Pfarrer die Katechumenat-Stunden gemeinsam mit einer weiteren Katechumenin. Es waren sehr interessante Gespräche: Ich lernte viel über die Kirche, die Sakramente, die Dreifaltigkeit Gottes und Jesus – und letztendlich auch viel über uns Menschen. Die Auseinandersetzung mit Gott ist gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Sinn des Lebens. Als Corona und der Lockdown kamen, führten wir unsere Katechumenat-Treffen trotzdem virtuell per Skype weiter.

Normalerweise wäre die Taufe zu Ostern gewesen, sie war aber aufgrund von Corona nicht möglich. Trotzdem erlebte ich dieses Jahr Ostern ganz anders als sonst – es hatte zum ersten Mal für mich eine tiefere, schöne Bedeutung.

Zu Pfingsten war es dann soweit: Der Pfarrer bereitete eine sehr schöne Feier zum Empfang der Sakramente der Taufe, Kommunion und Firmung vor. Ich war an dem Tag sehr aufgeregt. Meine Familie und mein Freund waren dabei, es war eine Feier im kleinen Kreis, die aber dadurch nicht weniger feierlich mit Orgelspiel und Gesang war – dafür bin ich dem Pfarrer und allen helfenden Händen sehr dankbar.

Lebe ich heute anders als vor meiner Taufe? Äußerlich hat sich nicht viel verändert, doch es hat sich viel im Inneren getan. Ich gehe seitdem sonntags in die Kirche, weil es für mich wichtig ist, zumindest einmal die Woche mit Gott näher in Kontakt zu treten. Die Heiligkeit der Eucharistiefeier ist für mich sehr klar geworden und ich bin Gott sehr dankbar für dieses Geschenk, das er uns Menschen gemacht hat.

Kirchen sind für mich jetzt nicht mehr nur Oasen im Trubel der Stadt, sondern eine Art Heimat, in der ich mich geborgen und geliebt fühle.