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Gebet rund um die Uhr – in Augsburg inspiriert
von Raphael Schadt · 10.01.2020
Hallo, herzlich willkommen zu einem kurzen Credo Talk auf der MEHR-Konferenz. Sie sind nicht zum ersten Mal hier.
Pfarrer Heinzen: Das erste Mal war ich 2011 dabei, da war die Konferenz noch klein und privat. Seitdem bin ich fast immer hier – für mich ist sie jedes Jahr ein perfekter spiritueller Start ins neue Jahr. Ich treffe viele Leute, die ich aus verschiedenen Zusammenhängen kenne, und gehe mit Inspirationen für Predigten und mit der Frage ins Gebet, was Gott in diesem Jahr möchte.
Wir haben Sie durch einen Fernsehgottesdienst entdeckt, in dem von einem 24/7-Gebet in Ihrer Gemeinde die Rede war. Wie kam es dazu, und wie sieht das bei Ihnen aus?
Heinzen: Die Ursprünge liegen 2016 bei den „Meerblick“-Exerzitien mit Johannes Hartl und Weihbischof Wörner, an denen ich mit 100 anderen Priestern teilgenommen habe. Am letzten Abend hat mich Pfarrer Hesse dafür entflammt. Ein Jahr später, im Advent 2017, haben wir begonnen – nach monatelanger Vorbereitung vor allem durch Gebet – in einer Kapelle vor Ort rund um die Uhr zu beten. Seither beten dort seit über zwei Jahre ganz unterschiedliche Menschen ihre Stunden auf ihre eigene Art: mit Lobpreis, leise, in Schriftbetrachtung, allein oder zu mehreren – Junge und Alte, Katholiken und Evangelische. Es hat sich eine große Gemeinschaft gebildet, und es ist eine große Freude für mich als Pfarrer zu wissen: Auch wenn ich nicht da bin, wird für die Pfarrei und ihre Anliegen gebetet. In einer Zeit, in der strukturell vieles komplizierter wird, ist das ein geistiges Fundament, auf das ich täglich dankbar schaue.
Ich bin selbst meist drei Nächte pro Woche da, von 2 bis 4 Uhr – die besten Stunden der Nacht, in der Stille beim Herrn. Dort bespreche ich mit ihm, was dran ist, und leite so die Pfarrei geistlich. Das kann ich jedem Christen empfehlen: sich gerade dann ins Gebet zurückzubinden, wenn man tags kaum dazu kommt. Ich halte auch die Nacht von Samstag auf Sonntag durch und stehe dann direkt aus der Anbetung kommend am Altar. Das hat eine andere Power – körperlich bin ich müde, aber geistlich umso frischer und wacher.
Nehmen Sie schon eine geistliche Veränderung der Atmosphäre wahr?
Heinzen: Es braucht seine Zeit – die Kirchen werden nicht plötzlich voll. Aber ich merke, dass immer mehr Menschen gewonnen werden und sich begeistern lassen. Selbst Leute, die nie eine Anbetungsstunde besucht hätten, kommen durch das Projekt und entdecken eine neue spirituelle Form. Etwa ein Drittel kommt inzwischen aus der ganzen Region; die Leute vernetzen sich und leben plötzlich ganz anders Gemeinschaft. Und es gibt einzelne starke Erfahrungen: Kranke sind geheilt worden, Menschen haben sich versöhnt.
Das Schöne ist: Es läuft auch ohne den Pfarrer. Ich unterstütze und koordiniere, aber letzten Endes tragen getaufte Christen das Projekt in Eigeninitiative. Deshalb hat es Zukunft – auch ohne dass ich persönlich immer präsent bin.
Herr Pfarrer, vielen Dank für diesen Impuls und das Zeugnis.
Heinzen: Gerne. Bis zum nächsten Mal.
Anmerkung: Die Redaktion erfolgte KI-Unterstützt.