Thema · Genug – und doch nicht satt

Was mich wirklich reich macht

Anja hatte mehr als genug an Besitz und Zuwendung durch ihre Eltern. Auch an Gott glaubt sie seit ihrer Kindheit. Dennoch fühlte sie eine innere Leere in sich, die sie nicht einordnen konnte – besonders, als sie sich unglücklich verliebte.

von Anja Genesi · 20.10.2026

Porträt einder jungen europäischen Frau mit langen blonden gelockten Haaren, lachend mit Holzkreuzkette, weißer Kette, Ohrringen in weißem Shirt und weißem Hemd
Anja Genesi. Foto: privat

Wenn ich das Wort Armut höre, denke ich normalerweise zuerst an Geld. An Menschen, denen es am Nötigsten fehlt. An Hunger, leere Kühlschränke, unbezahlte Rechnungen, kalte Heizungen oder die Frage, ob das Geld bis zum Ende des Monats reicht. Allerdings durfte ich die letzten Jahre lernen, dass man zwar äußerlich reich sein kann, aber sich innerlich trotzdem nach etwas verzehrt. Mir hat es äußerlich nie an etwas gefehlt.

Warum war ich trotzdem arm?

Innerlich hatte ich eine wahnsinnige Leere. Ich hatte eine Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und Liebe. Ja, eine fast schmerzhafte Sehnsucht danach, wirklich gesehen zu werden. Und das, obwohl ich christlich aufwachsen durfte, mit Eltern, die mir von klein auf beibrachten, dass Jesus mich liebt, mich sieht und für mich sogar am Kreuz gestorben ist.

Also, ich kannte Jesu Liebe, zumindest irgendwie, aber ich hatte sie noch nicht in jeden Bereich meines Lebens gelassen. Hätte ich gewusst, wie das funktioniert, dann hätte ich Jesus sofort alles ausfüllen lassen. Man könnte also sagen, ich war in diesem Teil meines Herzens „geistlich arm“, also innerlich leer.

Sollte ich Gott bitten, die innere Leere zu entfernen?

Mein innerer Schmerz wurde dadurch befeuert, dass ich mich, ohne Vorwarnung, unglücklich verliebte. Auf einmal konzentrierte sich mein Wunsch nach Aufmerksamkeit und Liebe immer mehr auf einen Menschen. Bei dieser Person habe ich nach etwas gesucht, das mir jedoch kein Mensch geben konnte. Ich wollte nichts mehr, als dass mich dieser Mann endlich bemerkte. Nichts mehr, als dass er die leere Stelle und die Sehnsucht danach, tatsächlich ausgewählt zu werden, in meinem Herzen ausfüllt.

Doch all meine Versuche, die Aufmerksamkeit dieses Mannes zu gewinnen, scheiterten. Das brach mir das Herz. Wenn ich nachts gebetet habe, habe ich Gott angefleht, er möge doch bitte meine Gefühle zu dieser Person aus meinem Herzen nehmen, weil ich es schlicht und ergreifend nicht mehr ausgehalten habe. Immer wieder legte ich Gott alles hin, also auch die innere Leere in meinem Herzen, weil ich wusste, dass es so nicht weitergehen konnte.

Wie reagiert Gott?

Dann, wie aus dem Nichts, hatte ich einen Satz im Kopf: „Mein Gott ist ein eifersüchtiger Gott“ (vgl. Ex 20,5). Da hat es Klick gemacht. Durch meinen tiefen Wunsch nach Aufmerksamkeit dieser Person war ich blind dafür geworden, dass sie gerade den Platz in meinem Herzen einnahm, der eigentlich schon immer Jesus gehört hat. Diese Erkenntnis hat nicht dazu geführt, dass meine Sehnsüchte nach diesem Menschen verpufft sind. Aber an diesem Tag habe ich angefangen, anders damit umzugehen.

Ja, mir war plötzlich bewusst geworden, wie sehr mein Herz um den Blick eines Menschen kämpfte, während Gott schon längst darum warb. Ich hatte Gott in der Vergangenheit darum gebeten, mir die Sehnsüchte und Gefühle für die menschliche Person zu nehmen. Jetzt wurde mir klar, dass Gott an meiner Sehnsucht teilhaben wollte. ER wollte, dass ich IHM mein unerfülltes Herz hinlege – nicht damit ER diese Leere aus mir einfach entfernt, sondern dait ER sie füllt.

Seitenansicht einer jungen Frau mit nach unten geneitem Kopf, langen glatten blonden Haaren in schwarzer Lederjacke vor dunklem verwaschenen Hintergrund
Innere, geistliche Armut kann weh tun. Foto: Eric Ward auf Unsplash

Was macht wirklich reich?

Das alles war nur ein kleiner Schritt, ein leichtes Umdenken, und es hat alles verändert. Ich hatte so viel Energie darauf verschwendet, von einem Menschen gesehen zu werden. Währenddessen hat Gott die ganze Zeit darauf gewartet, dass ich mich unter SEINEN Blick stelle, „ja“ zu SEINER Umwerbung sage.

Die Armut und der Hunger in meinem Herzen sind Stück für Stück immer kleiner geworden. Mein Verständnis davon, was mich wirklich reich macht, hat sich verändert. Jesu Frage an Petrus „Liebst du mich? (vgl. Joh 21,15 ff.) war für mich der entscheidende Wendepunkt. Erst als ich mich wirklich dazu entschieden habe, Jesus zu lieben, ihn zu umwerben und mit „Ja“ auf seine Frage an mich zu antworten, hat sich in meinem Denken und Fühlen etwas grundlegend geändert.

Aus dieser Antwort und Entscheidung heraus habe ich erst wieder richtig Bibel gelesen und angefangen, Jesus zu suchen. Ich war auch vorher schon jeden Sonntag in der heiligen Messe, habe die Sakramente empfangen. Ja, ich wusste auch, was sie bedeuten. Dass es Jesus selbst ist, den ich da empfangen darf. Aber die tatsächliche Veränderung, also meine „Liebesgeschichte“ mit Jesus, kam durch mein „Ja“ zu Jesus.

Mit dem Mann, von dem ich erzählt habe, bin ich mittlerweile seit einem Jahr verheiratet. Aber nicht, weil ich ihn brauche, damit er meinen Hunger nach Aufmerksamkeit füllt. Dafür brauche ich Jesus. In Jesus habe ich gelernt, dass ich Liebe nicht erzwingen muss, nein. Ich darf sie empfangen. Der innere (geistliche) Reichtum liegt also in der Beziehung zu Jesus und in der Antwort auf seine Frage: „Liebst du mich?“