Was hat dich letzte Woche am meisten gefreut?
Gestern Abend durfte ich die Vertretung in einem Chor von ungefähr 20 Frauen übernehmen. Schon im Voraus hatte der eigentliche Chorleiter alles für mich bestens vorbereitet, die kopierten Noten sortiert in den Chorsaal gelegt, mir eine Mail mit den wichtigsten Informationen geschickt und den Saalschlüssel (mit Merci-Schokolade) hinterlegen lassen.
Mit dem Chor habe ich erst zweimal zusammen musiziert und hatte deshalb die Sorge, dass meine Vorbereitung nicht ausreichend, mein Können ungenügend und meine Art unpassend für den Chor ist. Außerdem hatte ich Angst, dass ich den Erwartungen des Chores nicht gewachsen sein würde. All diese Sorgen lösten sich schnell in Luft auf.
Die Frauen begegneten mir alle sehr herzlich und aufgeschlossen, die Lieder liefen besser als gedacht und klangen wunderschön. Es ging einfach nur um die Freude am Singen, nicht darum Erwartungen zu erfüllen. Überraschenderweise kam in mir der Wunsch auf, während die Lieder noch in meinen Ohren klangen, häufiger einen Chor zu leiten.
Blickst du eher fröhlich oder sorgenvoll in die Zukunft?
Gemischt. Zum einen bin ich vor allem auf das nächste Jahr richtig gespannt. Ab August werde ich einen Freiwilligendienst im Rahmen der „Mission beyond borders (MBB)“ bei den Styler Schwestern in England machen. Ich bin voller Vorfreude auf die neuen Erfahrungen und hoffe, dass ich mit den bevorstehendenden Veränderungen gut umgehen kann und mich an das Leben in England schnell gewöhne.
Andererseits ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich sorgenvoll auf die nächsten Jahr(zehnt)e blicke. Ich stelle mir dabei oft verschiedene Fragen. Habe ich eine Bestimmung? Wenn ja, welche? Was sind meine Ziele?
Der Sommer ist/war unerträglich heiß und uns allen sollte klar sein, dass das gerade einmal der Anfang war. Die Klimaveränderungen machen mir Sorgen und damit auch meine Verantwortung. Welche Auswirkungen haben meine Entscheidungen, die ich jetzt treffe, für andere Menschen auf der Welt bzw. für die späteren Generationen? In diesem Gedankenstrudel könnte ich mich regelmäßig verlieren, wenn es nicht die unerschütterliche Hoffnung und Zuversicht in mir, an eine gute Zukunft gibt.
Lässt sich Freude kultivieren? Und wenn ja: Hilft dir Gott und dein Glaube dabei?
Ich bin davon überzeugt, dass wir unsere Gedanken beeinflussen können. Somit lassen sich auch freudige Gedanken formen. Eine Weisheit von einer Bekannten begleitet mich seit Jahren: „Jeder Tag hat mindestens zehn schöne Momente oder Dinge in sich. Man muss nur genau hinschauen.“
Und es stimmt! Oftmals mache ich es mir zu meinem Abendritual (das ich in ein Gebet einfließen lasse), dass ich den Tag Revue passieren lasse und mir alle Freuden des Tages in Erinnerung rufe. Manchmal sind die Freuden eher klein und fast absurd, wie das nette Lächeln einer fremden Person auf der Straße oder dass die Tür des Zugs genau vor mir hält. Manchmal aber sind es tiefe berührende Freuden, wie eine Umarmung einer Freundin genau zum richtigen Zeitpunkt, bestärkende Worte oder der Dank für gutes und reichhaltiges Essen, dass man in Gemeinschaft isst. Was am Ende dieses Rituals übrig bleibt, ist eine große Dankbarkeit.
Ich glaube daran, dass Gott für jeden von uns nicht nur 10, sondern 100 oder 1000 schöne Dinge jeden Tag bereithält. Wenn wir 1% oder sogar 10% davon sehen können, dann können wir uns als glücklich bezeichnen. Und deswegen, kann ich mittlerweile voller Freude behaupten, dass ich gesegnet und überaus glücklich bin!