Vor Ort · Memmingen

Willkommen, Bienvenue, Welcome…

Willkommenskultur – dieses Wort war in den letzten Monaten ja dauernd in den Zeitungen und Internetforen zu lesen. Und: Dieses Wort hat mich nicht mehr losgelassen. In dem Buch „Rebuilt“ über den Neuanfang einer katholischen Pfarrei in den USA habe ich den Satz gelesen: „Sie wollen Familien mit Kindern in Ihrer Pfarrei willkommen heißen? Putzen Sie Ihre Kinderecke!“ Das hat mir selbst die Augen geöffnet.

von Dekan Ludwig Waldmueller · 02.05.2017

Schild an der Kirchenwand. Bild: Dekan Ludwig Waldmüller

Ich bin in Gedanken und auch ganz buchstäblich durch die Kirchen und Eingangsbereiche der Pfarrzentren gelaufen. Wie sehr heißt man einen da willkommen? Inwiefern spiegeln unsere Gebäude wider, dass wir bei uns gerne Menschen haben, die sich da nicht auskennen, die nicht wissen, was eine katholische Kirche ist, die aus einem anderen Milieu kommen und so weiter. Mir ist das in einem nicht näher zu nennenden schwedischen Möbelhaus aufgefallen: Da wird einem von Anfang an erklärt, wie alles funktioniert, man wird mit freundlichen Sätzen darauf hingewiesen, was alles möglich ist („hier darfst du dir einen Einkaufswagen nehmen“), und man hat immer das Gefühl, zur Familie zu gehören.

Die Frage nach dem Willkommen-Sein bzw. der Willkommenskultur in unserer Pfarreiengemeinschaft haben wir dann auch zum Thema in der Klausur unseres Pfarrgemeinderats gemacht. Wir fragten uns anhand von Bibelstellen, wo und wie diese Thematik dort vorkommt. Wir machten uns ganz eigene Gedanken darüber – und wir machten einen Selbstversuch: In einem Tagungsraum bauten wir quasi einen Kirchenraum auf, und jedes PGR-Mitglied suchte sich da seinen Platz: Der eine war auf einmal ein Lautsprecher, aus dem man nur schlecht etwas verstehen kann, die andere eine ältere Dame, die schon immer auf ihrem Platz sitzt und nicht für andere auf die Seite rückt, der nächste ein Schriftenstand, der alle heiligen Zeiten mal darauf überprüft wird, was da eigentlich alles herumliegt, und die nächste eine Opferkerze, die sich gerne jedem anbietet, ob der nun für sie zahlt oder nicht. Jetzt haben wir alle eine Aufgabe: Wir schauen uns unsere Kirchen, das Pfarrbüro etc. mit den Augen der Willkommenskultur an. Und: Da kann einem ganz schön was auffallen! Wie viele Verbotsschilder stehen und hängen um eine Kirche herum, und wie wenige, die einem sagen, dass man hier auch sein darf und gern gesehen wird! Oder wie dunkel sind gerade die Bereiche, durch die man eine Kirche betritt. Oder wie abstoßend wirkt doch ein Weihwasserbecken, in dem Kalk und grüne Ablagerungen zu sehen sind …

Gemeinsam können wir da kleine, aber, glaube ich, sehr wichtige Schritte tun: Im Pfarrbüro und in meinem Amtszimmer gibt es jetzt jede Woche frische Blumen (das habe ich mir aus der Praxis meines Hausarztes abgeschaut), wir schauen, wie wir die Schriftenstände und Plakatwände ordentlich hinbekommen und so weiter. Aber vor allem: Wir wollen „Welcomer“ etablieren, Gemeindemitglieder, die zu Beginn des Gottesdienstes an den Eingängen stehen, das Gotteslob (oder gegebenenfalls vielleicht einen Liedzettel) reichen und einen einfach willkommen heißen in der Kirche. Gerade das hat sich in den ersten Versuchen als super Schritt herausgestellt.

Ja, ich glaube, wenn wir wollen, dass sich wieder mehr Menschen in unseren Kirchen wohlfühlen, müssen wir vor allem an der Willkommenskultur arbeiten. Ganz einfach. Und ganz schön schwierig.