Thema · Part of His Plan?

Seit 20 Jahren Ministrant: Jesus als Mitte und Ziel

Schon 20 Jahre lang ist Benjamin Nägele Ministrant in
Ottobeuren. Seinen Dienst am Altar und als Gruppenleiter für 180 Ministranten sieht der 30-jährige Maschinenbautechniker als seine Berufung. Die Beziehung zu Gott und Jesus Christus steht für ihn dabei stets an erster Stelle. Ein Interview.

von Simone Zwikirsch · 03.06.2019

Ministant, Kirche
Bild: privat

CREDO: Du bist seit über 20 Jahren Ministrant. Welchen Dienst machst du am liebsten?

Dadurch dass wir so viele Messdiener sind, kommen zu den sonntäglichen Gottesdiensten rund 15 Minis und bei Hochfesten auch manchmal über 30 Messdiener zum Ministrieren. Hierbei ist es dann meine Aufgabe, als Subzeremoniar den liturgischen Ablauf mit allen Minis und den Priestern zu koordinieren. Diesen Dienst mache ich auch am liebsten und es erfreut mich auch immer wieder zu sehen, wie die neuen Minis und auch die älteren Minis ihren Dienst mit großer Ehre und Würde begehen. Für mich persönlich ist aber jeder Messdiener und auch jede Aufgabe während des Gottesdienstes wichtig. Deshalb kommt es auch öfter vor, dass ich den Weihrauchdienst oder auch andere Dienste übernehme und ebenfalls sehr gerne mache.

CREDO: Ist ministrieren überhaupt noch cool oder „in“?

Ich persönlich finde es schon cool, ein Diener Gottes zu sein. Ministrant zu sein ist eine tolle Sache, macht Spaß, verbindet und lässt jeden einzelnen in seinem ganz persönlichen Glaubensleben reifen und wachsen. Sein Leben mit Jesus Christus zu gestalten ist für jeden einzelnen so extrem wichtig und das kann beim Ministrieren durch den Dienst am Altar in den Gottesdiensten voll ausgelebt werden. In unserer großen Ministrantengemeinschaft in Ottobeuren ist dadurch ein so großer Zusammenhalt entstanden, dass wir im ganzen Ort als eine gut funktionierende Gruppe wahrgenommen werden.

CREDO: Die meisten Minis hören mit 17 oder 18 Jahren mit dem Ministrieren auf. Du bist 30 Jahre alt und immer noch dabei. Warum?

Ich bin immer noch Ministrant, weil ich meinen Dienst schon als meine Berufung sehe. Als Oberministrant verstehe ich meine Aufgabe darin, die Kinder und Jugendlichen an den Glauben an Jesus Christus heranzuführen und sie im Glauben zu stärken. Jesus Christus ist dabei unsere Mitte und unser Ziel. Mit diesem Lebensmotto von mir erreiche ich auch unsere Minis und das motiviert mich immer wieder aufs Neue, weiter zu machen.

CREDO: Woher kommt dieses Lebensmotto?

Ich selbst bin in einer Familie mit 4 Geschwistern aufgewachsen wo der Glaube an Jesus Christus täglich durch das Gebet im Mittelpunkt stand und auch immer noch steht. Aus meiner tiefen Überzeugung, dass Jesus Christus unsere Mitte und unser Ziel im Leben sein sollte, ist es mir daher extrem wichtig, den jungen Messdienern nicht nur Spiel und Spaß zu bieten, sondern ihnen auch im Glaubensleben Unterstützung mitzugeben, damit so die Botschaft Jesu Christi auch ein Stück weit durch mich in die Welt getragen werden kann.

CREDO: Wie gelingt dir das?

Zunächst zeichnet unsere Gemeinschaft der Glaube an Jesus Christus aus, der verbindet und stark macht. Dass wir in Ottobeuren so viele Minis sind, hängt aber sicher auch davon ab, dass wir sehr viel mit den Jugendlichen unternehmen. So sind alle 180 Messdiener in momentan 7 Ministunden unter der Woche aufgeteilt. Dort beten wir, reden über Glaubensthemen und haben sehr viel Freude und Spaß an gemeinsamen Spielen und Unternehmungen. Auch sind alle Minis jeden Monat einmal zu einer großen Veranstaltung eingeladen, wo die Möglichkeit besteht, auch Ministranten der anderen Altersgruppen zu treffen. Neben einer Faschingsfeier über Ministrantentagen und -fahrten bis hin zu Fußballturnieren ist auch hier für jeden etwas dabei. Da unsere Basilika in Ottobeuren sehr einladend und einzigartig ist, macht es hier auch besonders viel Freude, Messdiener zu sein.

Das Treffen mit Papst Franziskus gehört zu den Höhepunkten in Benjamins Ministranten-Karriere. (Foto: privat)

CREDO: Macht es denn einen Unterschied, ob du als normaler Gläubiger an der Messe teilnimmst oder ministrierst?

Eigentlich macht es keinen großen Unterschied, da man auch von der Kirchenbank aus die Heilige Messe sehr gut mitfeiern kann. Aber es ist schon was sehr Besonderes, ganz vorne am Altar dabei sein zu dürfen, wenn der Priester die Hostie zum Leib Jesu und den Wein zum Blut Jesu wandelt. So hautnah am Geschehen kann neben dem Priester und einem Diakon nur ein Messdiener sein, was den Dienst am Altar Gottes sehr wertvoll und auch besonders macht.

CREDO: Immer wieder wird darüber gesprochen, Kirche müsse für junge Menschen attraktiver gestaltet werden. Worauf kommt es dabei deiner Meinung nach an?

Hier kommt es in meinen Augen ganz klar darauf an, dass die jungen Menschen wieder einen Zugang zu Jesus Christus finden müssen. Dies kann nur passieren, wenn über den Glauben und somit über Jesus Christus gesprochen wird, wenn gemeinsam gebetet und gesungen wird. Dies muss natürlich von den Eltern in der Familie oder von Priestern und ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Pfarreien vorgelebt und angeboten werden. In solch einer Gemeinschaft, wo mehrere zusammenkommen, spürt man die Liebe Gottes und somit die Zuwendung von Jesus Christus zu uns Menschen.

CREDO: Stichwort Beten: Ist das nicht für die meisten Jugendlichen ziemlich öde und langweilig?

Freude kann man auch im Gebet, beim Singen und bei wichtigen Glaubensthemen haben, wenn man es richtig aufzieht. Es gibt zum Beispiel so viele tolle Lobpreislieder mit tollen Bewegungen, wo jedes Kind und auch Jugendliche mit einer vollen Begeisterung mitmachen. In unseren Ministrantenstunden unter der Woche singen und beten wir auch immer wieder. Lieder wie Rückenwind, Lasst uns ziehen zu den Quellen oder Lord I lift your name eignen sich dazu sehr gut. Damit das mit dem Singen super funktioniert, habe ich alle meine Lieder auf meinem Laptop und den Text werfe ich mit einem Beamer an die Wand, sodass jeder perfekt ohne Liedzettel mitsingen kann.

CREDO: Können damit auch Gottesdienste „zeitgemäßer“ gestaltet werden?

Absolut. Genau solche Lieder sollten auch in Jugendgottesdiensten und Familiengottesdiensten eingeplant werden, um so die jungen Menschen wieder mehr für die Sache Jesu motivieren zu können. Gleichzeitig halte ich es aber für extrem wichtig, dass die Feier der Heiligen Messe nicht umgestellt wird. Jeder einzelne Teil vom Wortgottesdienst über die Eucharistiefeier hat einen großen Sinn und baut aufeinander auf bis zum Höhepunkt der Messfeier, dem Empfang des Leib Christi.

CREDO: Was würdest du anderen Ministranten raten, die auf der Suche sind nach ihrem Platz in Gottes Plan?

Sich nicht von anderen und auch durch die Medien beirren zu lassen. Auch wenn es manchmal schwer fällt, dürfen das Gebet und der sonntägliche Gottesdienst in einem erfüllten Glaubensleben nicht fehlen, auch wenn man nicht ministrieren muss. Dies ist in meinen Augen die Grundlage, um sich im Plan Gottes verwirklichen zu können. Aber auch der Ministrantendienst gehört sicher schon dazu, im Plan Gottes mitwirken zu dürfen. Auch dazu gehört das Reden über den Glauben mit anderen Messdienern oder auch mit dem Pfarrer, um sich gegenseitig im Glauben bestärken zu können. Sollte das in deiner Pfarrei nicht der Fall sein, dann würde ich als Ministrant einfach mal den Gruppenleiter oder den zuständigen Pfarrer darauf ansprechen. Und für die älteren würde ich empfehlen, auch in der Bibel zu lesen, um mehr über Jesus und das Volk Gottes erfahren zu können. Es ist extrem wichtig, sich mit seinem eigenen Glauben zu beschäftigen, damit man reift und auch die Botschaft von der Liebe Gottes weitergeben kann, was ab der Firmung die Aufgabe eines jeden Christen sein sollte.

CREDO: Wenn du nicht ministrierst oder Minigruppen betreust, was machst du sonst noch gerne?

Ich gehe gerne mit meinen Freunden in der Natur spazieren, um von dem ganzen Alltagsstress abschalten zu können und bin ein großer Fußballfan. Deshalb könnte man mich auch öfters mal in München bei einem Bayern-Spiel in der Allianz Arena antreffen.

 

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