Thema · Ostern

Die Bedeutung der Auferstehung für das eigene Leben

„Hinabgestiegen in das Reich der Toten. Am dritten Tage auferstanden von den Toten.“ – So lautet einer der zentralen, wenn nicht sogar der zentralste Satz des apostolischen Glaubensbekenntnisses. Für mich ist der Glaube an die Auferstehung von den Toten, so wie Jesus sie selbst vollzogen hat, ein unerschütterliches Fundament, welches das eigene Leben trägt, lenkt und im Grunde eigentlich erst sinnvoll macht. Denn wir Christen können hoffen und glauben, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist, sondern erst seinen wahren Anfang nimmt. Aber … mit der Auferstehung ist ganz elementar verbunden, dass zunächst ein Hinabsteigen in das Reich der Toten erfolgen muss. Auch in unserem alltäglichen Leben haben wir immer wieder so ein Gefühl, dass wir hinabsteigen müssen und scheinbar jede Hoffnung verloren ist.

von Pfarrer Bernd Rochna · 11.04.2020

Emmaus_Jünger_Ostern
Fassadenbild der Emmauskirche in Berlin-Kreuzberg. Foto: ©Renáta Sedmáková - stockadobe.com

Den Auferstandenen zunächst nicht erkannt …

Wenn ich rückblickend mein eigenes, bisheriges Leben betrachte, dann entdecke ich so manchen Punkt, an welchem ich mich gefühlsmäßig ganz unten befunden habe. In solchen Situationen fiel es mir auch manchmal schwer zu glauben, dass Gott einen Weg für mich vorgezeichnet hat, der mich zum wahren Heil führen wird. Fragen wie „Gott, warum dies jetzt?“ oder „Ich verstehe Dich einfach nicht!“ beschäftigten mich zutiefst. Vor allem auf meinem Weg hin zum Priestertum musste ich sehr viele solcher Situationen durchstehen, welche sich aber allesamt wieder ins Positive gewendet haben. Häufig war es aber zunächst so, dass der Weg anders verlief, als ich mir das im Vorfeld ausgemalt hatte. Aber gerade diese Korrekturen führten dann schließlich zum eigentlichen Ziel.

Solche Erlebnisse haben für mich persönlich den Charakter der österlichen Auferstehung. Denn mir erging es in solchen Phasen fast wie den Jüngern von Emmaus im Lukasevangelium, welchen den Herrn zunächst nicht erkannten. Auch ich erkannte zunächst nicht, dass Jesus jetzt gerade auf diesem neuen Weg mich ganz intensiv begleitet. So gingen mir im wahrsten Sinne des Wortes ebenfalls erst beim Brechen des Heiligen Brotes im Rahmen meines Primizgottesdienstes die inneren Augen auf und ich verstand die Sinnhaftigkeit vor allem jener Ereignisse und Erlebnisse, die ich zunächst nicht verstanden habe und/oder verstehen wollte.

Priester bricht Brot bei Eucharistie
Priester beim Brechen des Brots bei der Eucharistiefeier. Foto: ©Piotr Slizewski - stockadobe.com

Auferstehung – nicht weiter machen wie bisher

Nun sind gerade jetzt diese Tage in unserer ganze Gesellschaft von derartigen negativen Emotionen häufig in hohem Maße durchzogen. Und auch jetzt werden sich viele unserer Mitmenschen Fragen stellen wie „Warum trifft uns dieses Virus denn so hart?” oder „Wie kann Gott zulassen, dass meine Existenz gerade so gefährdet ist?“. Die Tatsache jedoch, dass auch ganz viele Menschen das zentrale Gebot der Nächstenliebe jetzt konkret in die Tat umsetzen, ist für mich ein Zeichen dafür, dass die Hoffnung lebt, dass diese schwere Zeit gemeinsam überwunden werden kann und wir uns wieder auf eine positive Zukunft freuen können.

Und dies bedeutet für mich eben auch Auferstehung: Der Glaube, welcher in schwerster Not und Entbehrung Halt und Sicherheit gibt und den Blick nach vorne lenkt und so den Mut nicht schwinden lässt. Zudem hoffe ich doch auch, dass wir gestärkt und auch erneuert aus dieser Zeit herausgehen werden. Dies bedeutet für mich, dass es nach solch einer intensiven Phase eigentlich nicht heißen kann: Weiter so wie bisher! Wir erleben gerade neben einer Zeit der Unsicherheit und Angst auch eine des Aufbruchs und der Erneuerung. Dies betrifft vor allem auch unsere Kirchen, in welchen jetzt wieder verstärkt der Blick auf Jesus Christus gelenkt wird und ganz wunderbare Formen von Gottesdienst entdeckt bzw. wiederentdeckt werden.

In diesem Zusammenhang fallen mir beispielsweise die Hausgottesdienste ein, welche gerade die Anfangszeiten des Christentums zentral geprägt und gestützt haben. Oder auch die intensive Nutzung medialer Plattformen, welche gerade jetzt zur vollen Entfaltung kommen. So hoffe ich doch, dass wir einige neue und alte Formen des gelebten Glaubens uns auch über die Zeit des Coronvirus‘ hinaus erhalten und weiterhin pflegen werden. Denn schließlich war nach der Auferstehung auch vieles neu und anders, als es vor allem die Jünger bisher kannten.

Junger Mann hält Kreuz in die Sonne
Foto: ©AungMyo - stockadobe.com

Im Licht der Auferstehung in die Zukunft gehen

Und so brauchen wir auch nicht zu trauern wie die, welche keine Hoffnung haben (1. Thess 4,13). Denn wenn wir wirklich fest an die Auferstehung von den Toten glauben, wie wir es im Glaubensbekenntnis dann nochmals explizit betonen, dann kann uns doch im Grunde keine noch so geartete Not endgültig zur Verzweiflung bringen. In diesem Zusammenhang fällt mir ein Ausspruch ein, welchen ich neben anderen passenden Zitaten über mein priesterliches Wirken gestellt habe: Was ängstigt dich ein Schiffbruch, wenn Gott der Ozean ist? Fühlen wir uns also von ihm getragen und umgeben und so können wir auch Stütze für unsere Mitmenschen sein – gerade und besonders jetzt!