Thema · Marienweihe

Unser JA zu Gott

Hatten wir nicht alle große Pläne für die nächsten Wochen? Und nun zwingt uns dieses kleine Virus, das wir alle noch immer nicht so richtig einschätzen können, diese Pläne loszulassen. Warum genau jetzt der beste Zeitpunkt für eine Marienweihe ist.

von Simone Zwikirsch · 25.03.2020

Marienweihe des Bistums Augsburg_Madonna im Augsburger Dom
Spätgotische Madonna im Hohen Dom zu Augsburg. (Foto: Nicolas Schnall/pba)

Heute Abend wird unser ernannter Bischof Bertram das Bistum Augsburg der Muttergottes Maria weihen. So steht es in der Vorankündigung, die uns gemeinsam mit der Einladung zum Mittvollzug erreicht hat. Gut, heute feiert die katholische Kirche das Hochfest „Mariä Verkündigung“ (auch „Verkündigung des Herrn“), eines von mehreren Marienfesten, die im Feiertagskalender des Kirchenjahres eher wenig Beachtung finden. Aber gerade in der jetzigen Krisenzeit ist dieses Fest ein Gnadenzeichen – ganz besonders in Verbindung mit der Marienweihe unseres Bistums.

Bei einer Marienweihe stellen wir uns unter den besonderen Schutz der Muttergottes und legen uns gleichzeitig selbst in die Hände der Gottesmutter. Letztlich geben wir uns damit auch Gott selbst hin und entscheiden uns bewusst dazu, Christus nachzufolgen. Doch warum dabei den „Umweg“ über Maria nehmen? Die Antwort darauf gibt uns das Hochfest der Verkündigung des Herrn.

Das Hochfest Mariä Verkündigung

Heute feiern wir das „Fiat“ (Lk 1,38; dt.: „Es geschehe“). Das bedingungslose und starke JA, das dieses junge Mädchen Maria damals Gott gegeben hat, als es vom Engel die Nachricht erhielt, den Sohn Gottes zu gebären. Ohne den geringsten Zweifel oder das kleinste Aber hat Maria all ihre Pläne über den Haufen geworfen, um Gott zu empfangen und die Mutter seines Sohnes zu werden. Auch sie hat sich damals ganz Gott geweiht.

Mit ihrem Fiat geht Maria eine einzigartige Beziehung zu Gott ein. Sie ermöglicht Gott die Menschwerdung, wodurch sie unauflöslich mit ihm verbunden ist. Weil sie Gottes Sohn in sich trägt, wird sie ganz eins mit der Liebe Gottes. In ihrer mütterlichen Sanftheit trägt sie die göttliche Liebe zu uns Menschen – und umgekehrt. Sie öffnet auch ihr mütterliches Herz, um uns Menschen den Weg hin zu Gott zu bereiten. Wer sich an Maria wendet, wendet sich auch an Gott.

Der besondere Schutz und die Fürsprache Mariens

Wenn wir uns bzw. unser Bistum heute der Muttergottes weihen, vertrauen wir ihr alles an, was uns in diesen Zeiten bewegt, und bringen es so zu Gott. Gleichzeitig entscheiden wir uns bewusst dafür, dem Vorbild Maria zu folgen und die Haltung einzunehmen: Mir geschehe, wie Du es gesagt hast. Mir geschehe, wie Gott es möchte.

Vermutlich haben wir uns diese Wochen ganz anders vorgestellt. Das Corona-Virus hat unsere Pläne und unseren Alltag durcheinandergebracht, wenn nicht sogar lahmgelegt. Die Marienweihe kann uns aber dabei helfen, unseren Blick vom Scheitern unserer eigenen Pläne auf die Wege Gottes zu lenken. Im demütigen Bewusstsein, dass seine Pläne besser sind als die unseren. Dem Vorbild Marias zu folgen heißt deshalb auch, unsere eigenen Ideen hintanzustellen und auf Gott zu hören, sich von ihm leiten zu lassen. Auch wenn das erst einmal schmerzhaft ist.

Wie gut, dass wir Katholiken in diesen Momenten eine mütterliche Fürsprecherin haben, der wir uns anvertrauen können, und die uns in ihrer Liebe, Sanftheit und Milde immer begleitet. Nutzen wir diese Zeit, um uns dieses Geschenk wieder ins Bewusstsein zu rufen.

Herzliche Einladung zum Mitbeten

Du bist herzlich eingeladen, dich heute Abend um 19.00 Uhr unserem zukünftigen Bischof Bertram Meier anzuschließen und dich selbst und das ganze Bistum mit diesem Gebet der Muttergottes zu weihen:

Weihegebet des Bistums Augsburg an die Gottesmutter zum Hochfest der Verkündigung des Herrn 25. März 2020

Maria,
Stern der Frohen Botschaft!
Du hast das Wort Gottes als Erste
bereitwillig aufgenommen und Ja dazu gesagt,
dass es zur Welt kommen konnte.
Mache uns zu aufmerksamen Hörerinnen und Hörern des Wortes
und zu mutigen Zeuginnen und Zeugen Jesu, deines Sohnes,
des einzigen Lehrers und Retters der Welt.

Dir, Mutter der göttlichen Liebe,
vertrauen wir das pilgernde Gottesvolk
von Augsburg an mit seinen Möglichkeiten und Problemen,
mit seinen Freuden, Ängsten und Hoffnungen.
Wir empfehlen dir die Familien,
die Kranken, die Alten, die Alleinstehenden.
In deine guten Hände betten wir
die Erwartungen und Wünsche der Jugendlichen.
Vor allem legen wir dir das Anliegen ans Herz,
dass sich durch deine Fürsprache
die Zahl der Arbeiter im Weinberg des Herrn mehre.
Mögen die jungen Menschen
die Berufung zum Priester und für ein Leben nach
den evangelischen Räten, deren die Welt so dringend bedarf,
in ihrer Schönheit neu schätzen lernen.

O Maria, sprich mit deinem Sohn!
Sprich mit ihm über unser schwieriges „Heute“.
Stelle uns Jesus Christus vor,
den wir einladen als Begleiter auf dem Weg,
den wir gemeinsam gehen wollen,
damit das Evangelium in unserer Heimat eine Zukunft hat.
Diese Zukunft beginnt jetzt.
Hilf uns, dass wir uns heute für Christus entscheiden.
Bewahre uns davor, Schaden zu nehmen an Seele und Leib.

O Mutter der Kirche von Augsburg!
Hilf uns, mit der Frohen Botschaft im Herzen
das schwierige „Heute“ zu bestehen,
damit wir miteinander das Ziel erreichen,
das dein Sohn selber ist:
der starke Gott, Friedensfürst und Heiland der Seelen.

Amen.

Bertram Meier,
ernannter Bischof von Augsburg