Thema · Glaubenszeugnis

„In der Beichte habe ich wieder zu Gott gefunden”

Vor einigen Wochen haben wir euch auf Instagram gebeten, uns eure Geschichten zum Thema „Mein Leben und Gott“ zu erzählen. Daraufhin hat Carlos aus Wiesbaden dieses tolle Zeugnis mit uns geteilt. Das wollen wir euch auf keinen Fall vorenthalten.

von Carlos Marcel Hessel · 12.05.2020

Carlos Hessel hat uns über Instagram sein Beichtzeugnis geschickt. (Foto: privat)

Alles begann mit einer typisch katholischen Laufbahn, wie sie wohl viele von euch kennen. Als Kind bin ich Ministrant gewesen und feierte auch jeden Sonntag die heilige Messe – auch wenn meine Eltern selten mitkamen. Aber das verlief sich mit der Zeit. Als Jugendlicher macht man, immer mal wieder, die ein oder andere schwere Phase durch. Mir ging es so, als ich fünfzehn war. Ich war in einer handfesten Krise und fühlte mich allein. Viele andere Dinge waren damals wichtiger als Gott und die Kirche, weshalb ich in dieser Zeit auch keinen Halt im Glauben suchte.

Ich hatte nicht das Gefühl, dass Gott präsent wäre, und noch viel weniger, dass er mich rief. Bis ich eines Tages eine Lässlichkeit beging. Die Erinnerung daran ist mittlerweile auch verschwommen. Ich weiß nur noch, dass es wirklich banal war. Aber diese Banalität verschaffte mir Gewissensbisse – damals war es eben für mich nicht banal. Und  plötzlich empfand ich das tiefe Bedürfnis, zur Beichte zu gehen.  Obwohl ich schon echt lange nicht mehr in der Kirche war.

„Die Beichte hat mein Leben nachhaltig und bis heute verändert. Sie war eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe.”

Mehr als eine Stunde nahm sich der Priester damals Zeit für mich. Ich glaube, dass mir Gott selten so greifbar nahe war, wie an diesem Tag. Auf die erste Beichte folgte einige Monate später die zweite. Ich besorgte mir ein Messbuch und trat schließlich in den Firmkurs ein. Meine damalige Krise habe ich dank dieser bedeutungsvollen Begegnung in der Beichte überwunden, und heute stehe ich fest im Glauben.

Im Nachhinein finde es sehr interessant, dass ich ausgerechnet durch die Beichte zum Glauben und zu Gott zurückfand. Denn eigentlich ist die Beichte ja häufig das Sakrament, dass die Gläubigen – zumindest in Deutschland – eher weniger suchen, vor dem viele sich sogar fürchten oder welches zumindest die größte Überwindung kostet. Aber der Fakt, dass ich mich an den Beichtkasus selbst fast gar nicht mehr erinnern kann, aber das befreiende Gefühl der Beichte und der Absolution immer noch so präsent sind, vergegenwärtigen mir immer wieder die Gnade Gottes. An diesem Tag lernte ich: Gott ist in der Beichte wirklich da.

„Ich glaube, dass Gott mir selten so greifbar nahe war, wie an diesem Tag.”

Unser Priester, der damals meine Beichte hörte, sagte zu mir: „Gott interessiert sich nicht dafür, wie oft wir hinfallen, sondern nur dafür, wie oft wir wieder aufstehen!“. Ich habe gelernt, dass Gott uns immer wieder aufstehen lässt, und uns immer wieder empfängt. So wie im Gleichnis des verlorenen Sohnes. Dieses Aufstehen geschieht aus seiner Gnade heraus, und diese Gnade manifestiert sich in der Vergebung. Gott empfängt uns immer wieder mit dieser Vergebung, wir müssen nur „Ja!“ sagen und eintreten.

Die Beichte hat mein Leben nachhaltig und bis heute verändert, und war eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe. Ich stehe fest im Glauben, und bin mir sicher: Gott ist da. Gott ist immer da, er schaut uns mit seinen gütigen Augen an. Er ist es, der die Tür zum Frieden offenhält. Und zwar immer, unter allen Umständen. Wir müssen ihn nur suchen, und uns ihm zuwenden, den Rest erledigt er. Denn egal wie groß oder nichtig der Grund für unsere Verzweiflung, unsere Schuldgefühle und unsere Einsamkeit ist, seine Liebe ist immer größer.

Eine Lässlichkeit brachte mich zu ihm. Und diese Lässlichkeit ließ mich „Ja!“ zu ihm sagen. „Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm. 8,38—39)

Gelobt sei Jesus Christus!

 

Anm. der Red.: Jeder von uns hat seine persönliche Geschichte mit Gott. Und jede Geschichte mit ihm ist eine besondere Geschichte, weil sie von seiner Größe und Liebe zu uns erzählt. Wenn auch du deine Geschichte mit der Credo-Community teilen möchtest, schreib uns einfach eine Mail (ha3-medienarbeit@bistum-augsburg.de).