Verjüngungskur des Glaubens

Streiflichter zur Missionarischen Woche in Pöttmes. Ein Interview von Raphael Schadt 

Ende Februar war es wieder so weit: 40 junge Menschen verbringen zehn Tage auf Pfarrmission – auf der Missionarische Woche (MW) – und erzählen in Hausbesuchen und Abendveranstaltungen mit jugendlicher Begeisterung von ihrem Glauben. Organisiert wird die MW vom Institut für Neuevangelisierung zusammen mit dem Basical. Dabei erleben die jungen ehrenamtlichen Missionare zusammen mit der Pfarreiengemeinschaft Pöttmes eine Verjüngungskur des Glaubens. 

Frage: Ist es nicht herausfordernd, von Haus zu Haus auf Menschen zuzugehen, wie es für gewöhnlich Anhänger weniger beliebter Religionsgemeinschaften tun?

Julian: Doch schon. Aber man kennt Hausbesuche ja auch vom Sternsingen. Außerdem wusste ich, dass wir nicht kommen, um mit den Leuten Glaubensdiskussionen zu führen, sondern um sie schlicht zu den Abschlussveranstaltungen der Missionarischen Woche einzuladen. So war es schon beruhigend. Schwierig war es eher, wenn Leute sagten: „Kommt rein!“,und sie dann diskutieren wollten, über kontroverse Glaubensfragen oder kirchengeschichtliche Fragen. Da muss man dann sehr vorsichtig sein. 

Anna: Ich war anfangs auch sehr aufgeregt. Aber gleich zu Beginn hatte ich einen sehr entspannten Missionar als Begleiter, mit dem wir die Besuche auch im Gebet vorbereitet und danach abgeschlossen haben.

Frage: Habt ihr auch mit den Leuten gebetet?

Anna: Ja, wenn die Unterhaltung gut verläuft, dann schlagen wir vor, mit einem Gebet abzuschließen. Aber auch nach den Hausbesuchen, unterwegs, segnen wir die Leute in einem ganz einfachen kurzen Gebet. Gerade auch jene, die uns zum Beispiel abgewiesen oder kein Gespräch gewünscht haben.

Frage: Was waren denn schöne Erlebnisse?

Julian: Ich fand es sehr schön, bei Leuten zu sein, die von sich Zeugnis gegeben haben, wie sie im Glauben stehen. Wenn sie durch schwere Zeiten gegangen sind und trotzdem an Gott festgehalten haben, noch immer auf ihn vertrauen oder auch noch treu zur Kirche stehen. Schön war auch, als sich uns jemand plötzlich sehr geöffnet hat und sehr offen über sich und sein Leben geredet hat und wir anschließend für sie beten durften und dabei spürten, wie Gott wirkt. Etwa eine Person, die durch verschiedene Umstände zwei Kinder verloren hatte. Das war für sie ein sehr großer Schmerz. Wir haben dann darum gebetet, dass Gott ihr Trost spendet und dass sie die Hoffnung nicht verliert.

Lorena: Für mich ist das ja hier meine Heimatpfarrei und daher auch eine noch größere Überwindung, an Häuser zu klingeln. Aber der schönste Hausbesuch war gleich der erste: Wir kamen zu einem Ehepaar – beide krank, einer davon dement und pflegebedürftig –, die von ihrem Leben, von ihrem Hadern, ihrem Leid und schweren Beziehungen erzählt haben. Jedenfalls haben wir zum Schluss des Gesprächs angeboten, für sie zu beten. Ich habe dann frei für die beiden gebetet. Dem Mann im Bett sind die Tränen gekommen, er war sichtlich gerührt.

Frage: Warum das freie Gebet? 

Lorena: Es berührt die Menschen sehr, wenn man nicht bei den vorformulierten Gebeten bleibt, sondern im freien Gebet Bezug nimmt auf das, wovon die Menschen erzählt haben, wo sie hadern oder leiden, und all das konkret im Gebet vor Gott bringt. Das Gebet so wird inniger und realer, auch wenn wir Gott um etwas Bestimmtes bitten. 

Julian: Wir merken beim gemeinsamen Gebet oft auch, dass wir mit unseren Worten das aussprechen, was die Leute im Herzen hatten, dass wir gewissermaßen ins Schwarze treffen und Menschen sich verstanden fühlen. Sie sagen dann oft Sätze wie: „Das hat genau getroffen, was ich empfinde.“

Lorena: Wir beten ja vor den Hausbesuchen auch immer, dass wir die richtigen Worte finden und der Heilige Geist uns führt. Und man gibt den Leuten Worte. Sie finden selber oft keine Worte und wissen nicht, wie sie beten sollen. Wir geben den Worten quasi Luft und Raum, vor Gott zu kommen.

Julian: Man betet gewissermaßen stellvertretend mit ihnen, man bringt sie vor Gott. Das Schöne ist dann in so einem abschließenden Gebet das Vaterunser und das Ave Maria. 

Frage: Sind diese Gebete bei den Leuten noch präsent?

Anna: Ja, klar. Und es ist auch sehr sinnvoll es zu beten, weil viele – gerade Ältere – diese Gebete noch kennen. Und gerade bei an Demenz erkrankten Menschen sind diese Gebete noch sehr präsent: Eine demente Frau stieg einfach mit ein und betete direkt mit. Als wir ein „Segne du Maria“ anstimmten, stimmte sie ebenso mit ein.

Frage: Habt ihr auch jüngere Leute erreicht?

Anna: Ja, wir durften uns und unser Programm in einer Religionsstunde an der Schule vorstellen. Die Schüler konnten danach frei Fragen stellen: „Und ihr geht jetzt jeden Sonntag in die Kirche? Das ist doch total langweilig!“ „Ihr sprecht vom Beten, also Sprechen zu Gott. Aber wie geht das? Wir hören ihn ja nicht, wenn wir beten.“ Also kritische, aber auch ehrliche Fragen. Es wurde diskutiert, ob die Dinge sich so verhielten, wie es in der Bibel steht, etwa ob Jesus wirklich Wunder wirken konnte. Heute gäbe es so etwas ja nicht mehr. Wir standen Rede und Antwort und gaben Zeugnis von unserem Leben, vom Basical, vom Ordensnoviziat etc. Manche Schüler fanden unser Zeugnis verstörend und faszinierend zugleich.

Frage: Herr Pfarrer, was haben Sie für Rückmeldungen aus der Gemeinde zur Missionarischen Woche erhalten?

Pfarrer Thomas Rein: Viele. Man merkt eine wachsende Offenheit. Anfangs ist natürlich jeder gespannt. „Was sind‚ Missionare‘?“ „Sammeln sie für die Mission?“ „Wollen die uns missionieren?“„Und die kommen zu mir nach Hause?“ „Was muss ich da tun, was haben diese Leute für Erwartungen?“ Die Leute reden untereinander. Und von einem Tag zum anderen wurden sie immer offener. Sie freuten sich darauf.

Oft wird über die Kirche geschimpft, die Leute haben ihren Frust, oder sie lehnen die Kirche total ab, oder sind einfach ignorant, das merken die Missionare auch. Auch insgesamt bei den Veranstaltungen merken wir, dass die Missionarische Woche die Kommunikation fördert, auch zwischen den Pfarreien. Man kommt miteinander ins Gespräch. Beim Pfarrfamilienabend wurde sichtbar, dass wir eine Gemeinschaft sind, dass wir Freude haben. Es war etwas los, dabei hat niemand groß etwas aufgezogen, jeder hat seinen Beitrag gebracht, und ein echtes Miteinander entstand einfach so, weil es aus dem Glauben getragen ist, aus einer positiven Grundstimmung.

Man merkt, die jungen Leute kommen aus dem Gebet. Sie haben eine Beziehung zum Lieben Gott. Das ist ihre Antriebsfeder. Sie kommen offen, ohne besonderes Amt, ohne Forderungen, sie wollen einfach ihren Glauben verkünden, sie wollen die Leute ins Gebet, in eine Beziehung mit Christus führen.

Da sind wir sehr gespannt, wenn Leute in die Beziehung mit Christus eintreten, sich versöhnen lassen und Gott ihre Wunden bringen. Von den Hausbesuchen höre ich immer wieder als Feedback, wie viel an Wunden, Leid und Gesprächsbedarf da ist. Von daher ist die Missionarische Woche ein ganz großes Geschenk für uns.