Psalmobeats im Unterricht

Applaus im Klassenzimmer: „So etwas Cooles haben wir im Unterricht noch nie gemacht!“ 
Ein Bericht aus erster Hand von Michael Friedrich

Wir befinden uns im Religionsunterricht einer neunten Klasse des Ursula-Gymnasiums in Osnabrück, wo die mehrwöchige Themenreihe Psalmen soeben ein rundes Ende fand. Im Rahmen eines Didaktikseminares für Lehramtsstudierende der Katholischen Theologie der Universität Osnabrück haben wir in den letzten Wochen Unterricht erprobt und mit den SchülerInnen anhand einiger Psalmen eine grundlegende Struktur entdeckt: von der Klage – über den Entschluss, auf Gott zu bauen – hin zum Lob.

Das will natürlich praktisch vertieft werden, also: Workshops! Neben den Angeboten, „einen Psalm in Standbildern darstellen“ und „einen eigenen Psalm zu tonlosen Filmsequenzen schreiben“ sollte es auch den Workshop „Psalmobeats – Wenn Psalmen einen Beat finden“ geben, über den ich als Projektleiter im Folgenden berichten möchte:

Einstieg

Als einen ersten Eindruck habe ich mir mit den SchülerInnen den gerappten Psalm 72 von der Homepage credo-online.de angehört und zeitgleich im kompletten Psalmentext die Verse markieren lassen, die auch tatsächlich vorkamen. So wurde die Machart des Raps ersichtlich: vier ausgesuchte Textzeilen – das sind meist zwei Bibelverse – ergeben eine Strophe, die noch einmal wiederholt wird. Ein Bibelvers jedoch kommt mehrfach in Schleife vor und wird mit einer einfachen Melodie versehen, das ist der Kehrvers. Nach dieser kleinen Einführung verteilten sich die SchülerInnen in Kleingruppen auf verschiedene Räume, um ihren eigenen Rap zu gestalten. Zur Auswahl bekamen sie zwei Psalmen und zwei groovige Playbacks, ebenfalls von credo-online.de heruntergeladen, die sie sich zusammenstellen konnten.

Beat an

In Einzelarbeit durch die Klasse schreiten und den Kehrvers vor sich her murmeln und singen, bis man mit seiner eigenen Version zufrieden ist – Austausch in der Kleingruppe, Auswahl und Einüben der eingängigsten Variante – gleiches Prozedere für die Strophen; so lautete zumindest die Aufgabenstellung. Tatsächlich entwickelten die Gruppen, waren sie nun sich selbst überlassen, ihre eigenen Konzepte, die ich mit kleinen Tipps begleiten konnte.

Als wichtigen Schritt hat sich dabei erwiesen, die Wörter bzw. die Silben, die im Rap betont werden sollen, zu unterstreichen. Das hatte nicht nur den Vorteil, dass sich die SchülerInnen näher mit dem Text beschäftigten, sie bekamen durch die Markierungen auch Anhaltspunkte, wie sie den Sprechrhythmus einer Textzeile gestalten sollten. Denn interessanterweise setzten sie häufig auf die markierten Silben einen Schlag oder einen Schwerpunkt des Viervierteltaktes. Hilfreich war zudem, dass die Beats eine wiederkehrende Struktur aufwiesen. Wenn die RapperInnen nämlich eine Phrase des Beats verpasst hatten, konnten sie zu Beginn der nächsten Phrase wieder einsteigen.

Finale Mutprobe

Am Ende des Workshops wurden die eigenen Psalmobeats natürlich vor der ganzen Klasse vorgetragen, was sich angesichts des größeren Publikums als eine kleine Mutprobe erwies. Aber es gelang, und die Ergebnisse waren super! Die SchülerInnen hatten Spaß an der Aufgabe: „So etwas Cooles haben wir im Unterricht noch nie gemacht!“ Ich denke, sie konnten durch den Workshop und anhand der Psalmen eine neue Erfahrung mit der Bibel machen, die doch häufig als altes und verstaubtes Buch verstanden wird. Für den Religionsunterricht also unbedingt zu empfehlen – und gerne auch für einen Gottesdienst!


Mehr Informationen über unseren "Psalm on Beat"- Workshop