Eindrücke von der „Divine Renovation“ Konferenz

Credo-online im Gespräch mit Pfarrer Manfred Bauer.

In der Pfarrei St. Benedict in Halifax/Kanada fand vom 10. bis 13. Juni die „Divine Renovation“-Konferenz statt. Deren Pfarrer James Mallon ist spätestens seit dem Studientag des Instituts für Neuevangelisierung auch im Bistum Augsburg vielen ein Begriff. Während des Studientags hatte er zur Trendwende in seiner Gemeinde, „von einer bewahrenden zu einer missionarischen Kirchengemeinde“, referiert und viele ermutigt, einen ähnlichen Weg der Erneuerung zu starten. Aus dem deutschsprachigen Raum war nun eine Delegation von über 80 Personen, bestehend aus Geistlichen und kirchlichen Laienmitarbeitern, zur „Divine Renovation“-Konferenz angereist, um vor Ort Berichte und Zeugnisse zu hören, von Plänen und Strategien zu erfahren und selbst einen Eindruck von dieser Pfarrgemeinde zu bekommen. Credo-online sprach mit Pfarrer Manfred Bauer aus der PG Augsburg Hochzoll.

Pfarrer Manfred Bauer bei der Kaffeepause im Gemeindezentrum von St. Benedict (links im Bild). Reichlich Gelegenheit zum Austausch in herzlicher Atmosphäre gab es zwischen den Vorträgen: Kaffee, Kuchen und andere Snacks wurden von vielen freiwilligen Helfern vorbereitet und verteilt. Bild: Privat.

Frage: Herr Pfarrer Bauer, was hat Sie dazu bewegt, mit auf diese Studienreise nach Halifax zu fahren?

Pf. Bauer: Im Januar dieses Jahres konnte ich am Studientag „Aus Konsumenten Jünger machen“ in St. Georg, Augsburg, teilnehmen. Die Vorträge von Father James Mallon haben mich sehr angesprochen. Ich habe mir damals auch sein Buch, „Wenn Gott sein Haus saniert“ gekauft. Da ich mich wie viele in der Kirche nach Veränderung sehne, habe ich mich spontan dazu entschieden, an der Fahrt zur Konferenz „Divine Renovation“ nach Halifax teilzunehmen.

Frage: Was waren Ihre ersten Eindrücke?

Pf. Bauer: Beim Sonntagsgottesdienst in St. Benedict war ich von der Gastfreundschaft und der Freundlichkeit der Gemeindemitglieder sehr beeindruckt. Ich hatte gleich das Gefühl, dazugehören zu dürfen. Es war zufällig der „Namenstagsonntag“: Die Idee, dass einmal im Monat alle Gläubigen ein Namensschildchen tragen und dass sich die Banknachbarn vor dem Gottesdienst miteinander bekanntmachen und dann auch während der Fürbitten füreinander beten, hat mir sehr gut gefallen.

Frage: Welche Punkte, die in St. Benedict gelebt werden, könnten für Gemeinden in Deutschland inspirierend sein?

Pf. Bauer: Neben diesem Bereich der Gastfreundschaft, „hospitality“, halte ich vor allem die Ausrichtung dieser Gemeinde für den entscheidenden Punkt. Alle pastoralen Unternehmungen sollen letztlich dazu dienen, dass die Menschen das Evangelium kennenlernen. Father Mallon sagte, dass es ihm wichtig ist, bei den Fernstehenden anzufangen. Er verglich diese Aufgabe mit dem Fischen. Wir sollten die Netze so weit auswerfen, dass zunächst die weit Entfernten eingefangen werden. Auf diese Weise werden auch diejenigen, die uns nahe sind, mit ins Boot gezogen.

Frage: Gibt es Unterschiede zwischen der Situation in Deutschland und der in Kanada – etwa kulturelle oder strukturelle –, die einer gelingenden Nachahmung entgegenstehen könnten?

Pf. Bauer: St. Benedict ist aus drei Vorgängergemeinden entstanden, die aufgelöst und deren Kirchen mittlerweile abgerissen bzw. umgestaltet wurden. Ob es ohne diese von der Diözese vorgegebenen Veränderung in der Struktur gelungen wäre, die Katholiken in diesem weitläufigen Stadtteil von Halifax zu sammeln, bezweifle ich. Auch Father Mallon hält diese Vorgeschichte für einen Glücksfall. Er konnte damals in einer neuen großen Kirche ganz neu beginnen. Alle Gemeindemitglieder von St. Benedict hatten sich irgendwann einmal in dieser Pfarrgemeinde registriert. Deshalb gehören sie dazu. Dies ist ein großer Unterschied zu unseren Pfarreien. Unsere Gemeindemitglieder gehören – oft passiv – zu unseren Pfarreien, weil sie zufällig in dieser oder jener Straße wohnen. Vermutlich wissen sehr viele Katholiken in meinem Stadtteil Hochzoll nicht, zu welcher Kirche sie gehören, und auch nicht, wie ihr Pfarrer heißt. Umso wichtiger ist es für unsere Kerngemeinden, dass auch wir auf die Menschen zugehen und von bewahrenden zu missionarischen Gemeinden werden.

Frage: Was haben Sie persönlich an Inspiration mitgenommen bzw. gibt es Dinge, die Sie in Ihrer Gemeinde gerne umsetzen würden? 

Pf. Bauer: Ich werde beginnen, ein Team zusammenzustellen, das bereit ist, einen Glaubenskurs anzubieten. Im September möchte ich an einem Alpha-Tag teilnehmen, um mich hierzu noch näher zu informieren. Es wäre in meinen Augen wichtig, spätestens 2019 mit Alpha-Glaubenskursen zu beginnen.
Auch das Thema Gottesdienstgestaltung, insbesondere die Musik, aber auch das Predigen werden mich weiter beschäftigen. Von „Divine Renovation 2018“ nehme ich vor allem mit, dass es für mich als leitenden Pfarrer wichtig ist, die anderen immer wieder an die Vision für unser pastorales Handeln zu erinnern. In der Pfarreiengemeinschaft Hochzoll haben wir uns „Jesus begegnen – das Evangelium anbieten“ für die kommenden vier Jahre als Leitwort für all unser Tun gewählt.

Herzlichen Dank für das Interview!

Fassade der neu erbauten St. Benedict Pfarrkirche. Bild: Raphael Schadt