Das GiG-Festival in Kösching

Nach gut einer Stunde Fahrt von Schwaben nach Oberbayern komme ich auf dem Festivalgelände des GiG-Festivals (GiG = God is Good) an. Ich lande in einem sehr ruhig gelegenen, beschaulichen Schönstatt-Zentrum in Kösching-Kasing bei Ingolstadt. Im Garten vor dem Schwesternhaus der Schönstätter Marienschwestern ist eine Bühne mit eindrücklicher Beschallungsanlage aufgebaut, daneben stehen das Merchandise-Zelt und verschiedene andere Zelte. Als die erste Band spielt, sitzt auf den Bänken vor der Bühne noch kaum jemand, alle flüchten sich vor der heißen Mittagssonne unter die Obstbäume.

Pater Paulus-Maria Tautz begrüßt das Publikum, während die Band „Pelican 212“ sich für ihren Auftritt bereit macht. Bild: Raphael Schadt

 

Die erste Band, die im Familienprogramm spielt, ist „Pelican 212“. Eine Familienband, die an die Frühzeit einer bekannten deutsch-irischen Familienband erinnert. Die Frontfrau stellt nach dem ersten Song, dem Gospel-Klassiker „Oh When the Saints“, ihre Band vor und verbindet dies mit einem persönlichen Zeugnis über die Hinwendung der Familie zum Glauben und einem Bekenntnis zur Offenheit für das Leben.

„Wie ist das GiG-Festival entstanden?“ frage ich Pater Paulus-Maria Tautz, den Initiator des Festivals:

Ich komme ja aus der Gegend von Dresden und in der Vorbereitung auf den Weltjugendtag 2016 in Krakau sahen wir, dass viele Jugendliche auf dem Weg dorthin bei uns vorbeikommen würden. Wir haben das Festival auch organisiert, um an den seligen Alojs Andritzki, der mit 28 in Dachau ermordet wurde, zu erinnern. Er war Maler, Schauspieler, Sänger, Akrobat – also Johannes-Paul II. sehr ähnlich. Ein toller Typ. Daran wollten wir erinnern. 

Zum ersten Festival kamen Schweizer, Amerikaner, Franzosen, Iren, Engländer ... über 1000 Leute kamen nach Rosenthal, einem Marienwallfahrtsort bei Dresden. Danach wollten wir weitermachen. Diese Freude im Glauben, diese Hoffnung wollten Leute weiterhin spüren. Und das aber nicht nur in der Kirche, sondern auch auf der Bühne, um das Ganze mit Party zu feiern. Aber eben clean.

Was mich darüber hinaus als Franziskaner der Erneuerung sehr inspiriert hat, war der Brief an die Künstler von Johannes Paul II. 1999. Daraufhin haben wir 2003 mit dem „catholic underground“ angefangen. Das ist ein Wortspiel „Kirchenkeller“ und katholische Jugendkultur. Wir wollten junge katholische Künstler fördern, darunter auch unsere eigenen Mitbrüder. Abende mit Gebet und Kultur. Weil Kultur schreibt Geschichte. 

Johannes Paul II. sagte, wenn das Evangelium nicht in der Kultur verkündet wird, wird es irgendwann zum Schweigen verurteilt sein. Und das erleben wir in Deutschland. Die Brücken sind gekappt. Das Evangelium hat es sehr schwer durchzukommen, weil wir nicht da sind. Wir sind weder auf den Bühnen, noch auf den Fernsehkanälen oder auf Youtube – zumindest nicht genug. Wir versuchen mit hoher Qualität junge Leute anzusprechen. Die katholische Kirche reagiert langsam … aber wenn, dann richtig. 

Ich unterhalte mich mit Daniel Oberreuter aus Portland, Oregon von der Punkrock-Band „The Thirsting“, der den Hauptact dieses Abends stellen wird. 

Frontsänger der katholischen Punkrock-Band „The Thirsting“. Bild: Raphael Schadt.

Wie kommt es, dass Ihr hier am anderen Ende der Welt spielt?

Die Franziskaner der Erneuerung haben uns eingeladen und wir sind der Einladung gefolgt. Wir lieben es zu spielen und den Leuten von Jesus zu erzählen. Besonders in der katholischen Kirche. 

Wie würdet ihr Euren Stil beschreiben? 

Indi-Rock oder Punk-Rock. Der Inhalt ist aber sehr katholisch. Für uns ist Rockmusik ein Mittel zuEvangelisation. Wir wollen Menschen mit Jesus bekannt machen, insbesondere Jesus in der Eucharistie. Gott ist ja in jeder katholischen Kirche im Tabernakel gegenwärtig. Die Welt nimmt davon keine Notiz, aber auch Katholiken sind sich dessen oft nicht bewusst. Und dieses wunderbare Geschenk wollen wir mit der Welt teilen. Unsere Mission ist zu inspirieren, die Leute zur Eucharistie einzuladen, zur eucharistischen Anbetung einzuladen und Jesus kennenzulernen

Hören junge Leute diese Botschaft?

Manchmal. Die Welt ist voller Ablenkungen. Versuchungen, uns von dieser Wahrheit abzubringen sind natürlich da. Mal ist unsere Arbeit effektiv, mal weniger. Am effektivsten ist es, wenn die Leute konkret in der Anbetung der Eucharistie ausgesetzt sind. Dabei ist unser Job, als Musiker Aufmerksamkeit zu erzeugen, die Leute anzuziehen und anschließend wieder aus dem Weg zu gehen, damit Jesus zu ihnen sprechen kann. Ich mache auch viel Pfarrmission. Dabei spielt eucharistische Anbetung eine wichtige Rolle. 

Das machst du hauptberuflich?

Ich bin katholischer Musiker. Ich mache Pfarrmission und Rockkonzerte mit voller Bandbesetzung.

Und wer bezahlt dich?

Zum einen die Gemeinden, in denen wir Pfarrmissionen veranstalten, zum anderen lebe ich vom CD-Verkauf nach Konzerten in den Gemeinden. Davon kann ich meine Familie ernähren. Für Gemeindemission und Rockkonzerte sind natürlich nicht alle Gemeinden offen, aber mittlerweile ist ein Verständnis dafür gewachsen, dass meine Arbeit seinen Preis wert ist. 

Was in den USA nicht alles möglich ist ... Mittlerweile hat sich der Platz vor der Bühne schon etwas gefüllt und es spielt die I-AM-Worshipband

Die „I-Am-Worshipband“ aus Nord-Irland. Bild: Raphael Schadt.

 

Marie-Therese stellt ihre Band vor: Sie kommen aus Nord-Irland, aus einer „musikalischen Stadt“ und haben schon immer in der Kirche gesungen. „Zuhause gab es zwar nicht viel Geld, aber dafür viel Talent.“ Dabei sei der traditionelle Anbetungsstil immer eher steif gewesen. Vor drei Jahren war sie in Australien bei Hillsong, einer freikirchlichen Bewegung, die durch ihre Musik bekannt und groß geworden ist. Das habe sie sehr inspiriert. „In mir wurde ein Feuer angezündet und ich wusste, dass es Gottes Auftrag für mich war, ihm durch Musik zu dienen.“ Anschließend wurde die Band mit Verwandten und Freunden gegründet. In Deutschland ist nun die Premiere ihres neuen Albums.

Wir wollen anderen durch unsere Musik dienen. Frei zu singen, zu tanzen, sich zu bewegen war uns neu. Freude und Spass in die Anbetung zurückzubringen, den Samen des Glaubens in jungen Leuten zu säen und sie wissen lassen, dass es ok ist, frei zu tanzen, zu singen und anzubeten, das ist unsere Botschaft.“

Alles in allem ein beeindruckendes Line-Up, denke ich mir. Diese von weither importierten Künstler haben etwas zu sagen und ihre Performance hat Qualität. Schade, dass nicht mehr Publikum den Weg nach Kösching gefunden hat, um dieses Festival gebührend wertzuschätzen.