Wie weit würdest du für den Schutz des Lebens gehen?

„Was habe ich mir da nur eingebrockt?“ – bei diesem Gedanken ertappe ich mich letzte Woche jedes Mal, als ich die Wetter-App meines Smartphones aufrufe. Ich hatte mich dazu entschlossen, am Sonntag die erste Etappe der Pro Life Tour mitzugehen – 26 Kilometer zu Fuß von Augsburg nach Großaitingen.

Von Simone Zwikirsch

Die Teilnehmer der Pro Life Tour auf ihrer ersten Etappe von Augsburg nach Großaitingen. (Foto: Simone Zwikirsch)

Topmotiviert, zumindest für einen Tag der insgesamt dreiwöchigen Tour von Augsburg nach Bozen ein Zeichen für den Schutz ungeborener Kinder zu setzen. Nur die Wetterprognosen wollten so überhaupt nicht zum meinem Plan passen: Gewitter und Dauerregen mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit waren für Sonntag angesagt: ziemlich demotivierend. Trotzdem bin ich mitgelaufen und – Vorsicht Spoileralarm! – während der gesamten Etappe hat unsere kleine Pilgergruppe für das Leben keinen einzigen Regentropfen abbekommen.

Wie weit würdest du gehen, um ein Leben zu retten? Vielleicht war es dieser Slogan der Pro Life Tour, vielleicht aber auch der Ruf Gottes oder einfach eine Fügung aus beidem, was mich dazu brachte, dass ich am Sonntagmorgen um acht Uhr morgens vor dem Pfarrheim St. Elisabeth in Lechhausen stehe, von wo aus die Pro Life Tour 2019 startete. Trotz jeder Menge Ausreden, die ich mir während der Woche zurechtgelegt hatte und entgegen jeglichem gesunden Menschenverstand (der Himmel war wirklich, wirklich grau) war mir klar, ich muss das jetzt machen. Und ich muss sagen, herzlicher hätte der Empfang der anderen Pilger nicht sein können, weshalb ich auch richtig Lust bekam, mit diesen tollen Leuten die nächsten Stunde zu verbringen.

Ausgestattet mit dem Reisesegen, einem Primizsegen und einem spontanen Wettersegen gegen den angekündigten Dauerregen, startet die 16-köpfige Gruppe schließlich in die Pro-Life Tour 2019. Mit im Gepäck drei Pro Life – Fahnen, die leicht im Gegenwind flattern sowie hunderte Infoflyer für die vielen Briefkästen auf unserem Weg. Und natürlich der Kinderwagen unserer jüngsten Teilnehmerin, der 13 Monate alten Hanna.  Für Mama Marie war die Teilnahme an der Pro Life Tour eine Spontanentscheidung. „Ich  bin durch Instagram auf die Tour aufmerksam geworden und hab mir gedacht: Coole Aktion, da gehen wir doch mit“, erzählt sie mir, während wir an der Wertach entlanggehen. Die alleinerziehende Westfälin, die bis Innsbruck mitgehen will, hat selbst einen Schwangerschaftskonflikt durchlitten, sich aber für das Kind entschieden und möchte nun ein Zeichen gegen Abtreibung setzen. „Für mich gab es keine Alternative als die Kleine zu bekommen. Trotzdem musste und muss ich mich immer noch dafür rechtfertigen, warum ich diese Entscheidung trotz finanzieller Engpässe getroffen habe. Ich hätte mir damals einfach mehr Ermutigung und Zuspruch gewünscht, dass ich das bewältigen kann.“


Das Ziel der Pro Life Tour ist es, auf solche Nöte, wie Marie sie erlebt, aufmerksam zu machen. „Wir sind davon überzeugt, dass jede Frau etwas Besseres als eine Abtreibung verdient hat. Wir glauben daran, dass es möglich ist, Müttern die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie brauchen und dass es möglich ist, die vorgeburtlichen Kinder zu schützen“, so die Veranstalter Jugend für das Leben Deutschland, Jugend für das Leben Österreich und die Bewegung für das Leben Südtirol. Auf ihrer Tour durch diese drei Länder wollen die Pilger deshalb auch mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen, um die Abtreibungsproblematik ins Bewusstsein zu rufen. So etwa bei der Auftaktkundgebung am vergangenen Samstag in der Augsburger Innenstadt oder mit Straßenaktionen an den Zwischenzielen.


Wir haben inzwischen die Hälfte unserer Strecke hinter uns gelassen und dabei alle Briefkästen auf unserem Weg mit Infoflyern versorgt, als wir uns nahe Inningen eine (trockene!) Wiese für die Mittagspause suchen. Bestens versorgt mit einer von den Organisatorinnen im Sprinter vorbereiteten Brotzeit, legen zwei der Pilger einen spontanen Powernap ein, die anderen stärken sich mit aufbauenden Gesprächen oder einer Runde Campinggeschirr-Frisbee (ja, Improvisationstalent gehört bei der Pro Life Tour zum Alltagsgeschäft).


Motiviert für den Endspurt geht es nun über Bobingen und Wehringen nach Großaitingen. Immer entlang an Wäldern, Wiesen und kleinen Bächen. Einige fachsimpeln über die bayerisch-schwäbische Botanik, unsere beiden amerikanischen Mitpilgerinnen aus Oregon zücken bei jeder unbekannten Pflanze ihre Handykamera und schicken Fotos in die Heimat.  Ich spreche mit Konstantin aus Würzburg. Der 23-Jährige Student ist, genauso wie ich das erste Mal bei der Pro Life Tour dabei und geht ebenfalls nur die erste Etappe mit. Für ihn sei der Tag mit einer Menge guter Gespräche eine wunderbare Abwechslung zum Alltag. „Das wichtigste ist aber, dass wir für eine gute Sache einsetzen.“ Auch wenn nicht sofort erkennbar werde, wie viele Menschen die Gruppe tatsächlich erreicht, ist er zuversichtlich, mit der Aktion ein recht deutliches Zeichen zu setzen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die für das Thema Lebensschutz weniger offen sind. Jungen Menschen, die noch am Überlegen sind, ob sie sich an der Aktion beteiligen sollen, kann er nur raten: „Schaut es euch an und fällt euer eigenes Urteil. Ich kann es nur empfehlen, für so eine wichtige Sache wie den Lebensschutz einzutreten.“

Glücklich und erschöpft: Das erste Etappenziel ist erreicht. (Foto: Jugend für das Leben)

 

Zum Dranbleiben und immer wieder Einstehen für den Lebensschutz, ermutigt auch Weihbischof Florian Wörner bei der Abschlussmesse der ersten Etappe in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Großaitingen. Draußen regnet es inzwischen wie aus Kübeln – der Herr hat es mit uns heute wirklich gut gemeint. Während die Regentropfen leise gegen  die Kirchenfenster prasseln, lausche ich nachdenklich den Worten des Weibischofs. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der Menschen losgelöst von Gott alles selbst in die Hand nehmen wollen“, stellt er zu Beginn seiner Predigt fest und greift damit eine der Ursachen für den willkürlichen Umgang mit ungeborenem Leben auf. „Jeder Mensch ist von Gott zum Leben berufen. Wie können wir uns anmaßen, über diese so ganz entscheidende Berufung zu urteilen?“ Ein kurzer Blick in die Gesichter der anderen Pro Life Tour-Teilnehmer sagt mir, dass Florian Wörner mit seinem klaren Statement gerade nicht nur mir, sondern auch ihnen allen aus der Seele spricht.


Überhaupt, nach einem anstrengenden Tag vom Augsburger Weihbischof, der sich selbst immer wieder für den Lebensschutz stark macht, am Ziel empfangen zu werden, ist für uns alle eine große Ehre und Freude. Ebenso der Zuspruch, den er uns von ganzem Herzen entgegenbringt. „Heute ist wahrlich ein Sunday for life“, betont er in Anlehnung an die Fridays for Future-Demos. „Dass Sie sich ganz ökologisch zu Fuß für den Lebensschutz auf einen so weiten Weg machen, ist großartig.“  Für die weiteren Etappen motiviert er die Gruppe, sich von ihrem gemeinsamen Anliegen nicht abbringen zu lassen: „Sie sind Werkzeuge für die Kultur des Lebens. Muten Sie den Menschen diese unglaublich wichtige Botschaft für den Schutz des ungeborenen Lebens zu und lassen wir uns nicht entmutigen!“


Auch wenn ich die nachfolgenden Etappen bis nach Bozen nicht mehr dabei sein kann, bestärken mich diese Worte von Weihbischof Florian Wörner ungemein. Nicht weniger bestärkt mich aber die Gewissheit, mit dem Anliegen Lebensschutz nicht allein zu sein. An dieser Stelle ziehe ich den Hut vor den tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte und die drei Wochen ihres Sommers „opfern“, um den kompletten Weg oder auch nur ein Stück der Pro Life Tour gehen. Mögen es die besten Wochen eures Sommers werden.


Wenn du Interesse hast, eine oder mehrere Etappen der Pro Life Tour mitzugehen, kannst du dich gerne noch spontan anschließen. Die einzelnen Etappenstopps sowie alle weiteren Infos zum Thema Lebensschutz und zur Pro Life Tour findest du hier.

KW 30 #Gebet

um einen neuen Bischof

Herr Jesus Christus,
du hast die Apostel und ihre Nachfolger
zu Hirten der Kirche berufen. 
Dir vertrauen wir gerade jetzt unser Bistum an
und bitten dich um einen guten neuen Bischof.

Schenke uns einen Bischof,
in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig
und die Freude des Evangeliums spürbar ist,
der uns mit der Liebe und Geduld
eines guten Hirten im Glauben stärkt,
der die Zeichen der Zeit aufmerksam wahrnimmt
und sie im Licht des Evangeliums deutet,
der die Gläubigen eint und sie ermutigt,
auf Gottes Ruf zu hören,
dessen Gnadengaben anzunehmen
und mit ihnen die Kirche und die Welt
neu zu evangelisieren.

Öffne unsere Herzen,
damit wir gemeinsam mit unserem neuen Bischof
nicht mit der Mittelmäßigkeit zufrieden sind,
sondern auf dem Heilsweg voranschreiten,
den Du für die Kirche von Augsburg bereitet hast.
Du selbst bist der Weg,
die Wahrheit und das Leben.
Dir sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist
Lob und Dank, jetzt und in Ewigkeit.

Amen.