Im Watrezimmer

Nichts kann uns von Gottes Liebe und seiner Fürsorge trennen. 
Von Subregens Stefan Fleischmann

Nun sitze ich mit meiner Krankenakte im Wartezimmer und warte auf das Gespräch mit dem Arzt. Ich schaue etwas nervös in die herumliegenden Zeitschriften, blättere darin und kann doch nichts wirklich aufnehmen. Die Untersuchungen habe ich gut überstanden.

Aber was kommt jetzt?

  • „Was ist, wenn…?“
  • „Bisher ist alles gut gegangen, aber wenn es diesmal anders ist? Was ist dann?“
  • „Und wenn ich nur noch einige Monate zu leben hätte, was würde ich noch gerne erleben wollen?“

Die Krankenakte – gefüllt mit Laborergebnisse, Röntgenbilder und andere medizinische Daten im Computer – habe ich hier liegen. Seht den Menschen? Ist das alles? Ich erlebe mich derzeit mehr als Objekt, von einer Untersuchung zur anderen geschleust: begutachtet,  durchleuchtet –mit oder ohne Stirnrunzeln.

Und doch ist der Mensch mehr als diese Krankenakte wiedergeben kann. Was diese Krankenakte nicht enthält? Meine Begabungen und Talente, meine Liebes- und Hoffnungsgeschichten, freilich auch mein Versagen und meine Schuld. Sie enthält auch nicht meine Sehnsüchte und Träume, meine  Zweifel und inneren Verwundungen, die mir im Leben bisher geschlagen wurden. Und dass ich von Gott mit Haut und Haaren angenommen und getragen bin – als sein Kind. Gerade jetzt. Was wäre das für ein Trost, wenn ich das glauben könnte? Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Was wäre das für ein Rettungsanker, wenn ich darauf vertrauen könnte?

Und ich fange an zu beten. Das habe ich schon lange nicht mehr getan. Beten -  mit Gott offen und frei sprechen. Mit ihm reden wie mit einem Freund. Einfach so, hier und jetzt, mein Herz ausschütten. Ich danke, bitte, klage, aber vor allem möchte ich am liebsten los schreien: „Ich möchte leben!“

Plötzlich höre ich meinen Namen. Ich bin dran. Eine Krankenschwester führt mich durch die langen Gänge. Sie kommen mir endlos vor, wie ein dunkler Tunnel. Ich bin gelassen, irgendwie fühle ich mich gehalten und getragen, egal was kommt.

Ich betrete das Untersuchungszimmer. Begrüßt werde ich von einem sehr freundlichen Arzt, der sich Zeit nimmt und mir durch sein Da-sein Mut macht und dann auf meine Fragen einfühlend eingeht.

Er nimmt mir die Angst: „Ich darf leben!“

KW 30 #Gebet

um einen neuen Bischof

Herr Jesus Christus,
du hast die Apostel und ihre Nachfolger
zu Hirten der Kirche berufen. 
Dir vertrauen wir gerade jetzt unser Bistum an
und bitten dich um einen guten neuen Bischof.

Schenke uns einen Bischof,
in dem das Feuer des Heiligen Geistes lebendig
und die Freude des Evangeliums spürbar ist,
der uns mit der Liebe und Geduld
eines guten Hirten im Glauben stärkt,
der die Zeichen der Zeit aufmerksam wahrnimmt
und sie im Licht des Evangeliums deutet,
der die Gläubigen eint und sie ermutigt,
auf Gottes Ruf zu hören,
dessen Gnadengaben anzunehmen
und mit ihnen die Kirche und die Welt
neu zu evangelisieren.

Öffne unsere Herzen,
damit wir gemeinsam mit unserem neuen Bischof
nicht mit der Mittelmäßigkeit zufrieden sind,
sondern auf dem Heilsweg voranschreiten,
den Du für die Kirche von Augsburg bereitet hast.
Du selbst bist der Weg,
die Wahrheit und das Leben.
Dir sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist
Lob und Dank, jetzt und in Ewigkeit.

Amen.