Ein Weg mit dem Heiligen Geist.

Ein Zeugnis von Marie-Sophie Maasburg.

Mein Vater kommt aus einer sehr katholischen, meine Mutter aus einer sehr protestantischen Familie. So wuchs ich in einer positiven Auseinandersetzung zwischen den Konfessionen auf. Der Glaube war in unserer Familie immer ein Thema mit sehr reger Auseinandersetzung. Auch freikirchliche Kontakte prägten mein Leben früh (z.B. Maria Prean) Unsere damals achtköpfige Familie zog 1992 im Zuge der Restitution nach Tschechien, wo mein Vater einen Besitz restituierte, der 1948 von meinen Urgroßeltern enteignet worden war. Wir sind in Prag in die deutsche Schule gegangen, eine ehemalige DDR-Schule. Tschechien war ein atheistisches Land, in der Schule gab es noch nicht einmal Religionsunterricht. Religion spielte dort überhaupt keine Rolle. Alles, was Gott betraf, lernten wir zuhause. Wir beteten daheim abends oder vor dem Essen. Meine Mutter führte einmal ein Morgengebet ein, was wir viele Jahre praktizierten. Wir sangen morgens ein paar Lieder, dankten und beteten für den Tag. Hatten wir Freunde aus der Schule dabei, hinterließ das immer großen Eindruck. 

Marie-Sophie Maasburg (links) im Rahmen der Pilgerfahrt der Malteser nach Lourdes. Bild: Privat.

Als wir Teenager waren, schickten uns unsere Eltern proaktiv auf christliche Sommerlager. Es waren aus der Großfamilie viele auf dem gleichen Weg, was extrem hilfreich war. So war ich mit 15 auf dem Jump, 1995. Dort hatte ich meine erste Begegnung mit der charismatischen Erneuerung. Auch mit charismatischen Phänomenen, die mich zunächst sehr verunsicherten. Mit dieser Verunsicherung suchte ich einen Priester auf, der mir sagte: „Der Unterschied liegt in der Freiheit. Wenn es der Heilige Geist ist, der hier wirkt, dann hast du die freie Entscheidung, dich hinzusetzen und zuzuschauen, wenn es der Feind ist, bist du gezwungen, mitzumachen. Der Feind zwingt, aber Gott lässt die Freiheit, sich dagegen zu entscheiden.“ Dieses Unterscheidungskriterium hat mich entspannt. Ich schaute also drei Tage nur zu und konnte dann frei mitbeten, ja sogar die Hände heben. Dieses Gespräch mit dem Priester hat eine sehr entscheidende Rolle gespielt und einen Grundstein für meinen ganzen Glauben gelegt. Mit 19 legte ich bei einem freikirchlichen Seminar mein Leben bewusst in Jesu Hände.

Ganzhingabe

Innere Vorbehalte gegenüber den Charismen, den Gaben des Geistes, blieben. Weniger demgegenüber, dass andere charismatisch begabt sein könnten, sondern mehr, dass der Heilige Geist mich begaben könnte. Dieser Gedanke machte mir Angst. Dieses innere Nein wurde mir bewusst, als ich in eine Phase kam, in der ich betete: „Herr, ich höre dich nicht, du musst lauter mit mir sprechen. Ich bekomme überhaupt nicht mit, was du von mir willst.“

Ich war zu der Zeit in Wien zum Studium und hatte ein Jahr mit einer Mitbewohnerin vor allem gekifft. Ich war wie in einer Wolke. Gleichzeitig kam eine Zeit der Sehnsucht und des Suchens. Damals wurde ich gefragt, ob ich die Leitung des Malteser Kinderzuges übernehmen würde. Ich hatte innerlich dieses Nein und habe gleichzeitig immer gebetet, „Herr, du musst lauter mit mir sprechen.“ Das hat er dann irgendwann sehr laut und sehr deutlich getan. So, dass ich nicht mehr sagen konnte, ich hätte ihn nicht gehört. (Darüber ausführlicher in „Es fühlt sich an wie Gott“)

Ich glaube, wenn man an einer Schleuse Nein sagt, dann gehen auch viele andere zu. Ich bin überzeugt, dass der Heilige Geist immer in Fülle und in Ganzheit mit uns ist. Wenn wir bewusst einen Kanal verschließen, verschließen wir unbewusst alle Kanäle. Er hat zwar immer eine Chance durchzudringen, wie ich auch gemerkt habe, aber ich glaube, dass es auch eine geistliche Realität ist, dass du nicht auf einer Ebene ganz klar Nein sagen und gleichzeitig davon ausgehen kannst, dass er in allen anderen Bereichen deines Lebens frei wirkt. 

Als ich 23 war, setzte ich ein aktives Ja gegen mein zuvor gesprochenes inneres Nein, mit einem vollen Ja zu den Charismen, dass ich Charismen empfangen wollte. Und diese Einladung, diese Erlaubnis, nimmt Gott sehr gerne an, wie ich gemerkt habe.

Conte – eine Liebesgeschichte

Mit 24 verliebte ich mich in Wien in einen Mann, der an Krebs erkrankt und von den Ärzten bereits austherapiert war. Sie hatten ihm nur noch Wochen zu leben gegeben. Zwischen uns entwickelte sich eine ganz tiefe Liebesgeschichte. In Kürze zusammengefasst, habe ich erlebt, wie Conte innerlich ganz heil und versöhnt wurde, besonders in seiner Beziehung zu seinem Vater. Das war eine rasante Entwicklung, die ich als sehr geführt erlebt habe. Ich hatte ihm das Versprechen gegeben: „Ich werde da sein, wenn du stirbst“, und konnte tatsächlich bei ihm sein, als er starb. Ich konnte seine Hand halten, als er den letzten Atemzug tat. 

Oft wurde ich gefragt, wie das mit der Trauer war. Ich habe sehr intensiv getrauert. Aber ich habe nie mit Gott gehadert, weil ich in jenem Moment selbst um die Schönheit dieses Abschieds wusste. Zwei Tage, nachdem er gestorben war, wusste ich – ich habe noch den Tagebucheintrag –, es war für ihn der beste Moment zu gehen, weil so heil, so komplett wollen wir alle am Ende vor Gott stehen. Das hatte ich ganz klar im Herzen. Conte ist 2004 gestorben. Statt weniger Wochen durften wir neun wunderbare, intensive Monate zusammen verbringen. Gott war in dieser ganzen Zeit sehr spürbar in allem dabei, und das war eine sehr starke Erfahrung. 

Nachdem ich zu Beginn dieser Zeit dieses Ja zu Gottes Wirken gesprochen hatte, sind auf allen Ebenen die Kanäle aufgegangen, und es ist wahnsinnig viel passiert. Es war die intensivste geistige Zeit, die ich in meinem Leben bis dato hatte.

Mein Weg nahm dann eine ganz andere Richtung.

Weil ich damals nicht darüber sprechen konnte, habe ich meine Zeit mit Conte für meine Familie aufgeschrieben. Einige Jahre später ist daraus ein Buch – „Ich werde da sein, wenn du stirbst“ – entstanden, und mein Weg als Autorin begann.

In unserer Geschichte sind vier große Themen vereint: Tod und Sterben, eine Liebesbeziehung, der Glaube und das Thema der Vergebung. Themen, die jeden einzelnen Menschen irgendwo betreffen. Das Buch erschien 2008 – und ging durch die Decke. Nachdem das Buch herausgekommen war, wurde ich eingeladen: Erst bei Hospizvereinen, dann viel in Gemeinden, aber auch in Buchhandlungen. Ich saß teilweise vor völlig glaubensfernem Publikum und konnte freien Herzens von Jesus erzählen. Die ganze Geschichte war ohne Ihn ohnehin nicht erzählbar. 

Ich spürte, dass die Frage der Vergebung und des Loslassens viele Leute sehr intensiv ansprach. Viele Menschen haben ja jemanden, mit dem sie unversöhnt sind. Nach meinen Vorträgen kamen Frauen, die über 60 oder 70 Jahre alt waren, und sagten: „Mein Mann ist seit 30 Jahren tot, ich habe zum ersten Mal heute begriffen, dass ich ihn loslassen muss.“ Ich erlebte viele Zuhörer in Tränen, die die Botschaft über Vergebung und das Loslassen sehr erschüttert hat.

Im Bereich der Hospizbegleitung sagten mir Hospizvereine, dass sie das Buch als Praxisbuch verwendeten: über die Frage, wie man geht, wenn man in einer emotionalen Beziehung mit jemandem ist. Dort, wo man kein neutraler Hospizbegleiter ist. Ich hatte Conte ja nicht von außen begleitet, sondern von innen. 

Ich spürte jedes einzelne Mal, wenn ich vor Leuten sprach, dass ich das nicht selber machte – dazustehen und diese Vorträge zu halten, diese Leute emotional so zu berühren. Dazu fühlte ich mich kaum fähig. Ich empfand wirklich, dass der Heilige Geist mit mir war. 

Viele Dinge setzten sich in den folgenden Jahren in Gang und intensivierten sich. Ich schrieb weitere Bücher. Aus meinem Ja, aus dem Leid hat Gott mir eine Plattform gemacht, auf der ich gegen Ende vor tausenden von Leuten sprach und jedes Mal Zeugnis geben durfte. 

Als Con in mein Leben trat, begann Gott ganz leise und sachte, eine neue Geschichte zu schreiben. Eine zweite Liebesgeschichte und doch einmalig und erstmalig und bis dato so spannend und bewegt, dass ich noch nicht sehen kann, ob sie auch mal zwischen zwei Buchdeckeln landet. (lacht)

Fortsetzung folgt.

KW 16 #Evangelium

Lukas 22,19

Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!